Polens Präsident blockiert historisches Partnerschaftsgesetz
Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat sein Veto gegen ein wegweisendes Gesetz eingelegt, das gleichgeschlechtlichen Paaren rechtliche Anerkennung durch eingetragene Partnerschaften gewährt hätte. Das Veto, angekündigt am 17. Juli 2026, stoppt das „Gesetz über den Status der nächsten Person“ und den „Lebenspartnerschaftsvertrag“, die am 29. Mai 2026 mit 230 zu 198 Stimmen vom Sejm verabschiedet worden waren.
Die Gesetze hätten sowohl gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen unverheirateten Paaren erlaubt, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, mit Rechten wie gemeinsames Eigentum, Steuerbefreiungen, Zugang zu medizinischen Informationen, Erbrecht und Bestattungsentscheidungen. Die Reform war ein zentrales Versprechen von Premierminister Donald Tusks Mitte-Links-Koalitionsregierung, die Ende 2023 nach acht Jahren konservativer PiS-Herrschaft antrat.
Verfassungsrechtliche Einwände des Präsidenten
Nawrocki, ein konservativer Nationalist, der der oppositionellen PiS nahesteht, begründete sein Veto damit, dass das Partnerschaftsgesetz eine „Quasi-Ehe“ schaffe, die gegen Artikel 18 der polnischen Verfassung verstoße, der die Ehe als Verbindung von Mann und Frau definiert. In einer Erklärung nach dem Veto sagte Nawrocki, dass nichts, was einer Ehealternative ähnele, auf seine Unterstützung zählen könne. LGBTQ+-Aktivisten argumentieren, dass das Veto eine Fortsetzung der diskriminierenden Politik der PiS darstelle.
Politische Folgen und Tusks Reaktion
Premierminister Donald Tusk reagierte wütend und nannte das Veto „einen Ausdruck der Verachtung für Menschen und ihr Recht auf Glück und ein normales Leben“. Die polnische politische Kluft über LGBTQ-Rechte hat sich seit Tusks Amtszeit vertieft. Nawrocki hat bereits mehrere andere Gesetze der Regierung blockiert.
Begrenzte Möglichkeit der Überstimmung
Um ein Präsidentenveto zu überstimmen, ist eine Dreifünftelmehrheit (276 Stimmen) im 460 Sitze umfassenden Sejm erforderlich, die die Regierungskoalition derzeit nicht erreicht. Tusk verfügt über etwa 240 Sitze. Laut einer CBOS-Umfrage unterstützen 62 % der Polen die Einführung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, was einen Wandel in der öffentlichen Meinung zeigt. Polen bleibt neben Bulgarien, Rumänien und der Slowakei eines der letzten EU-Länder ohne Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.
Breiterer Kontext der LGBTQ+-Rechte in Polen
Polen hat eine der schlechtesten Bilanzen in der EU bei LGBTQ+-Rechten, so ILGA-Europe. Während gleichgeschlechtliche Aktivitäten legal sind, gibt es keine rechtliche Anerkennung. Der EU-Rechtsrahmen für gleichgeschlechtliche Paare hat Polen unter Druck gesetzt. Im März 2026 entschied das Oberste Verwaltungsgericht, dass Standesämter ausländische gleichgeschlechtliche Eheschließungen anerkennen müssen. Gleichstellungsministerin Katarzyna Kotula verurteilte das Veto und sagte, Nawrocki wende sich von „etwa 2 Millionen Polen in informellen Partnerschaften“ ab.
Auswirkungen auf gleichgeschlechtliche Paare
Das Veto lässt gleichgeschlechtliche Paare ohne rechtlichen Schutz. Bart und Slawek, ein Paar, das in den Medien vorgestellt wurde, äußerten ihre Enttäuschung. Die Anerkennung ausländischer gleichgeschlechtlicher Ehen in Polen bietet etwas Erleichterung, ersetzt aber kein inländisches Gesetz.
FAQ: Veto gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Polen
Was sah das Gesetz vor?
Das „Gesetz über den Status der nächsten Person“ hätte zwei Erwachsenen erlaubt, eine eingetragene Partnerschaft zu registrieren, mit Rechten zu gemeinsamem Eigentum, gemeinsamer Besteuerung, Erbrecht und Zugang zu medizinischen Informationen. Es galt für gleich- und verschiedengeschlechtliche Paare, beinhaltete aber keine Adoption.
Warum legte Präsident Nawrocki sein Veto ein?
Er argumentierte, das Gesetz schaffe eine „Quasi-Ehe“, die gegen Artikel 18 der Verfassung verstoße.
Kann das Veto überstimmt werden?
Ja, aber es erfordert eine Dreifünftelmehrheit (276 Stimmen) im Sejm, die die Koalition nicht hat. Somit ist das Veto de facto endgültig.
Welche Optionen bleiben gleichgeschlechtlichen Paaren in Polen?
Sie können in einem anderen EU-Land heiraten, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt, und dann die Anerkennung in Polen beantragen, gemäß dem Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts vom März 2026. Dies ist jedoch teuer und bietet nicht den gleichen Schutz wie ein inländisches Gesetz.
Wie steht Polen im Vergleich zu anderen EU-Ländern da?
Polen zählt zu den schlechtesten EU-Ländern für LGBTQ+-Rechte, zusammen mit Bulgarien, Rumänien und der Slowakei. Es ist eines der letzten Mitglieder ohne gleichgeschlechtliche Ehe oder eingetragene Partnerschaften, trotz wachsender öffentlicher Unterstützung.
Quellen
France 24 - Polnischer Präsident vetiert Partnerschaftsgesetz
Urania Institute - Polen: Präsident vetiert gleichgeschlechtliche Partnerschaften
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