Hasso Herschel, Legende des Berliner Mauerfluchts, mit 91 Jahren gestorben
Hasso Herschel, einer der kühnsten Fluchthelfer des Kalten Krieges, der den berühmten Tunnel 29 unter der Berliner Mauer grub, um Flüchtlinge in den Westen zu schmuggeln, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Der deutsche Fluchthelfer verstarb in der Uckermark, wie Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten, unter Berufung auf die Familie bestätigte. Herschel wird für seine zentrale Rolle beim Bau eines 135 Meter langen Tunnels unter der Bernauer Straße im Jahr 1962 in Erinnerung bleiben, durch den 29 Ostdeutsche – darunter seine eigene Schwester – nach West-Berlin entkamen.
Herschel floh im Oktober 1961 mit einem geliehenen Schweizer Pass nach West-Berlin und schwor, anderen zu helfen. Er weigerte sich zu rasieren, bis seine Schwester frei war. Dieses Versprechen führte ihn zu einer Gruppe von Ingenieurstudenten, die einen Tunnel von einer Cocktailstrohhalm-Fabrik in West-Berlin zu einem Keller im Osten gruben.
Der Bau von Tunnel 29
Eine gefährliche Untergrundoperation
Die Arbeiten begannen im Mai 1962. Die Gräber arbeiteten in Acht-Stunden-Schichten mit gestohlenen Schaufeln und Spitzhacken. Der Tunnel führte direkt unter dem Todesstreifen hindurch. Einmal traf das Team auf eine Wasserleitung; sie baten die West-Berliner Wasserwerke heimlich um Hilfe, um die Stasi nicht zu alarmieren. Nach einem verratenen früheren Versuch kehrte Herschel zurück, nachdem der Tunnel ausgetrocknet war.
Die große Flucht: September 1962
Am 14. und 15. September 1962 gelang die Rettung. Herschel erinnerte sich: 'Ich stellte sicher, dass niemand auf uns wartete. Nach 10 Minuten kamen die ersten Flüchtlinge, 10 Minuten später eine weitere Gruppe, darunter meine Schwester.' Jeder der 29 Flüchtlinge brauchte etwa 12 Minuten, um durch den 135 Meter langen Gang zu kriechen. Der Tunnel stürzte später durch Grundwasser ein.
Vermächtnis eines Helden des Kalten Krieges
Herschel half weiterhin Ostdeutschen durch finanzierte Autos mit Verstecken und Transitstrecken. Über ein Jahrzehnt half er schätzungsweise 1.000 Menschen bei der Flucht aus der DDR. Die Geschichte von Tunnel 29 wurde im BBC-Podcast Tunnel 29 und im deutschen Film Der Tunnel verewigt. Heute ist der Verlauf des Tunnels im Gedenkpark an der Bernauer Straße markiert. Die Gedenkstätte Berliner Mauer zieht jährlich Tausende an. Herschels Taten sind Teil der Fluchtversuche während des Kalten Krieges, bei denen von etwa 70 Tunnelprojekten nur 19 erfolgreich waren.
Auswirkungen und Erinnerung
Herschels Tod markiert das Ende einer lebendigen Verbindung zu einem der dramatischsten Kapitel des Kalten Krieges. Sein Mut und seine Entschlossenheit inspirieren weiterhin. Er sagte einmal: 'Es ist das Beste, was ich je in meinem Leben getan habe, weil wir zu 100 Prozent sicher waren, das Richtige zu tun.' Die Geschichte der Berliner Mauer bleibt eine wichtige Lektion für künftige Generationen.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Hasso Herschel?
Ein deutscher Fluchthelfer, der Tunnel 29 grub und 29 Ostdeutschen zur Flucht verhalf. Später half er rund 1.000 Menschen bei der Flucht aus der DDR.
Was war Tunnel 29?
Ein 135 Meter langer unterirdischer Gang von einer Fabrik in West-Berlin zu einem Keller im Osten, benannt nach den 29 Menschen, die im September 1962 durch ihn flohen.
Wie floh Hasso Herschel aus Ostdeutschland?
Mit einem geliehenen Schweizer Pass im Oktober 1961.
Wie viele Menschen rettete Hasso Herschel?
Schätzungsweise 1.000 Menschen durch Tunnel, Verstecke in Autos und andere Methoden.
Ist Tunnel 29 heute noch sichtbar?
Der Tunnel ist eingestürzt, aber sein Verlauf ist im Gedenkpark an der Bernauer Straße markiert.
Quellen
- NOS News: Hasso Herschel overleden
- RBB24: Fluchthelfer Hasso Herschel gestorben
- Tagesspiegel: Berliner Fluchthelfer Hasso Herschel gestorben
- BBC: The Story of Tunnel 29
Follow Discussion