Bulgarien in tiefer politischer Krise mit achten vorgezogenen Wahlen
Bulgarien geht zum achten Mal in weniger als fünf Jahren zur Urne, nachdem Präsident Rumen Radew Neuwahlen angekündigt hat, weil die wichtigsten politischen Parteien keine Regierung bilden konnten. Diese jüngste politische Sackgasse kommt nur Wochen, nachdem Bulgarien am 1. Januar 2026 offiziell den Euro als 21. Mitglied der Eurozone eingeführt hat.
Ein Land in politischer Lähmung
Die aktuelle Krise begann im Dezember 2025, als die Regierung von Ministerpräsident Rosen Scheljaschkow nach massiven Protesten gegen den vorgeschlagenen Haushalt für 2026 zurücktrat. 'Wir gehen auf Wahlen zu,' erklärte Präsident Radew, nachdem die drei größten Parlamentsparteien keine Koalitionsvereinbarung erzielen konnten. Dies markiert Bulgariens achte vorgezogene Wahlen seit 2021 und setzt die anhaltendste politische Instabilität Europas fort.
Die Proteste, die die Regierung zu Fall brachten, zogen bis zu 250.000 Teilnehmer im ganzen Land an, wobei Demonstranten Frustration über Korruption, ein unfaires Rechtssystem und schlechte Wirtschaftspolitik äußerten. 'Die Stimme des Volkes wurde gehört,' räumte die scheidende Regierung bei ihrem Rücktritt am 11. Dezember 2025 ein.
Euro-Einführung inmitten politischer Unruhen
Bulgariens Euro-Einführung am 1. Januar 2026 stellte einen wichtigen Meilenstein dar, fand aber unter einer geschäftsführenden Regierung und ohne ordentlichen Haushalt statt. Laut der Europäischen Zentralbank hielt Bulgarien über 25 Jahre lang eine geldpolitische Ausrichtung mit der EZB über sein Currency Board aufrecht. Die öffentliche Unterstützung für den Euro blieb jedoch gering, wobei laut Umfragen nur 40% der Bulgaren den Übergang befürworteten.
Die politische Fragmentierung macht die Koalitionsbildung besonders schwierig. Die Mitte-rechts-Partei GERB unter der Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Bojko Borissow führt die Umfragen mit etwa 24% Unterstützung an, gefolgt von der Antikorruptionskoalition Wir machen den Wandel weiter (PP-DB) mit 19%. Die prorussische Partei Wiedergeburt, die von der politischen Chaos profitiert hat, liegt bei 13%, zusammen mit der Partei des Oligarchen Deljan Peewski.
Wurzeln der Krise
Die aktuelle politische Krise reicht bis ins Jahr 2020 zurück, als massive Proteste gegen Korruption unter dem damaligen Ministerpräsidenten Bojko Borissow ausbrachen. Seitdem hat Bulgarien sieben Parlamentswahlen und drei kurzlebige Regierungen erlebt. Die Wikipedia-Seite zur Krise stellt fest, dass das Land zwischen den Wahlen von verschiedenen geschäftsführenden Regierungen regiert wurde, die von Präsident Radew eingesetzt wurden.
Politikanalystin Maria Iwanowa erklärt: 'Das grundlegende Problem ist, dass Antikorruptionsparteien aufgrund von Korruptionsvorwürfen nicht mit GERB zusammenarbeiten wollen, während proeuropäische Parteien nicht mit prorussischen Fraktionen kooperieren wollen. Das lässt keine lebensfähigen Koalitionsoptionen übrig.'
Was erwartet Bulgarien?
Bei einer Wahlbeteiligung von nur 39% bei den Wahlen im Oktober 2024 und einem öffentlichen Vertrauen in die Politik auf einem historischen Tiefpunkt ist unklar, ob Neuwahlen die Sackgasse durchbrechen werden. Aktuelle Umfragen zeigen wenig Veränderung im Vergleich zu früheren Ergebnissen, was auf ein erneutes Patt hindeutet.
Der Reuters-Bericht bestätigt, dass alle großen Parteien das Mandat zur Regierungsbildung abgelehnt haben, was das Land zurück an die Urnen zwingt. Ein Wahltermin wurde noch nicht festgelegt, aber politische Beobachter erwarten, dass im frühen Frühjahr 2026 abgestimmt wird.
Während Bulgarien diese jüngste politische Krise durchläuft und gleichzeitig die Eurozone-Mitgliedschaft umsetzt, steht das Land vor der doppelten Herausforderung politischer Stabilität und wirtschaftlicher Integration. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die bulgarische Demokratie ihre tiefste Krise seit dem Fall des Kommunismus überwinden kann.
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