Großbrand zerstört letztes Slumdorf in Seoul

Ein Großbrand in Seouls letztem Slumviertel hat über 200 Bewohner obdachlos gemacht und Dutzende Häuser zerstört. Es gab keine Todesopfer, doch der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit auf städtische Ungleichheit und langjährige Wiederentwicklungsprobleme.

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Massiver Brand vernichtet Dutzende Häuser in Guryong Village

Ein verheerender Brand hat am frühen Freitagmorgen Guryong Village, das letzte verbliebene Slumviertel von Seoul, getroffen. Etwa 200 Bewohner wurden obdachlos und Dutzende improvisierte Behausungen wurden zerstört. Das Feuer, das am 16. Januar 2026 gegen 5 Uhr morgens ausbrach, konnte erst gegen 13:28 Uhr nach einem intensiven, achtstündigen Einsatz der Feuerwehr gelöscht werden.

Schnell um sich greifende Flammen und massiver Einsatz

Das Feuer breitete sich aufgrund der hoch entzündlichen Baumaterialien in den improvisierten Hütten – hauptsächlich Isolierwolle und Sperrholz – schnell in der dicht besiedelten Siedlung aus. Die Behörden erhöhten die Brandwarnstufe auf die zweithöchste Stufe, aus Sorge, das Feuer könne sich auf einen nahegelegenen Berg ausbreiten.

Die Feuerwehr setzte eine beeindruckende Streitmacht von 1.258 Einsatzkräften und 106 Fahrzeugen ein, um den Flächenbrand unter Kontrolle zu bringen. 'Wir standen vor extrem schwierigen Bedingungen wegen der engen Gassen und brennbaren Materialien,' sagte ein hochrangiger Feuerwehrmann, der anonym bleiben wollte. 'Unsere Priorität war die Verhinderung von Opfern und die Begrenzung der Ausbreitung auf angrenzende Gebiete.'

Bewohner obdachlos, keine Opfer gemeldet

Etwa 258 Bewohner wurden aus dem Gebiet evakuiert, wobei schätzungsweise 180 Menschen ihr Zuhause vollständig verloren haben. Die Stadtverwaltung von Seoul richtete in einer nahegelegenen Mittelschule eine temporäre Unterkunft für die Obdachlosen ein.

Bemerkenswerterweise wurden trotz des Ausmaßes der Zerstörung keine Opfer gemeldet. 'Wir haben alles verloren – unser Haus, unseren Besitz, aber zumindest leben wir noch,' sagte der 68-jährige Bewohner Kim Jong-soo, der seit über 30 Jahren in Guryong Village lebt.

Historischer Kontext von Guryong Village

Guryong Village, oft als 'der letzte Slum im glamourösen Gangnam-Bezirk von Seoul' bezeichnet, hat eine komplexe Geschichte, die bis in die 1980er Jahre zurückreicht. Die Siedlung entstand, als Bewohner mit niedrigem Einkommen durch Entwicklungsprojekte im Vorfeld der Olympischen Spiele 1988 vertrieben wurden. Direkt gegenüber einer sechsspurigen Schnellstraße vom wohlhabenden Viertel Dogok-dong gelegen, bildet das Dorf einen scharfen Kontrast zum umliegenden Reichtum.

Laut Wikipedia beherbergte das Dorf etwa 336 Haushalte, die in improvisierten Strukturen aus hoch entzündlichen Materialien lebten. Das Gebiet wurde in der Vergangenheit von Bränden heimgesucht, darunter ein großer Brand im Januar 2023, der mehr als 60 Häuser zerstörte.

Städtische Ungleichheit und Wiederentwicklungspläne

Der Brand hat die Debatte über städtische Ungleichheit und die lange verzögerte Wiederentwicklung von Guryong Village neu entfacht. Die Stadt Seoul siedelt seit 2015 schrittweise Bewohner um, mit Plänen, das Dorf abzureißen und durch Wohnhochhäuser zu ersetzen.

'Diese Tragödie unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Wohnungsungleichheit in unserer Stadt anzugehen,' sagte die Stadtplanungsexpertin Dr. Lee Min-ji von der Seoul National University. 'Guryong Village repräsentiert eine gescheiterte Stadtpolitik, die sich über Jahrzehnte hingezogen hat.'

Das Dorf war für die Wiederentwicklung zu Hochhauswohnungen vorgesehen, wobei zum Zeitpunkt des Brandes nur noch etwa 336 Haushalte übrig waren. Den Bewohnern werden stark reduzierte Mieten angeboten, um in den neuen Wohnungen zu leben, sobald diese fertiggestellt sind.

Wie von Al Jazeera berichtet, dient der Brand als schmerzhafte Erinnerung an die Verwundbarkeit marginalisierter Gemeinschaften in einer der am weitesten entwickelten Städte Asiens.

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