Massives Wolfssterben erschüttert Naturschutz in Mittelitalien
Mindestens 18 Wölfe wurden in der vergangenen Woche im Nationalpark Abruzzo, Lazio und Molise tot aufgefunden, vermutlich infolge einer Massenvergiftung. Auch drei Füchse und ein Mäusebussard wurden getötet. Der Vorfall hat strafrechtliche Ermittlungen ausgelöst und eine erneute Debatte über die Änderung des EU-Schutzstatus von Wölfen entfacht, die 2025 in Kraft trat. Der Park, einer der ältesten und artenreichsten Italiens, beherbergt den Italienischen Wolf (Canis lupus italicus), eine geschützte Art, die sich nach dem Fast-Aussterben in den 1970er Jahren auf schätzungsweise 3.300 Exemplare erholt hat.
Was ist passiert?
Parkranger entdeckten letzte Woche zehn Wolfsleichen und mutmaßlich vergifteten Köder im Gebiet Alfedena. Am Mittwoch wurden weitere sieben Wolfsleichen über den 500 km² großen Park verteilt gefunden. Alle zeigen Vergiftungserscheinungen. 'Wir sind verzweifelt, unsere Gefühle schwanken zwischen tiefer Trauer und Unglauben', so der Park. Die Justiz hat ein Strafverfahren eingeleitet. Vorläufige Tests deuten auf vorsätzliche Vergiftung hin, toxikologische Berichte stehen jedoch noch aus.
Warum werden Wölfe vergiftet?
Die Parkbehörden vermuten, dass örtliche Bauern hinter den Taten stecken, frustriert über Viehverluste durch Wolfsangriffe. Die Wolfspopulation wuchs von weniger als 100 in den 1970er Jahren auf über 3.300, was zu Konflikten führt. Im Dezember 2024 senkte die EU den Schutzstatus von 'streng geschützt' auf 'geschützt', was nach Ansicht des WWF anti-Wolfs-Stimmungen angeheizt hat. Der WWF nannte die Tötungen ein 'Wolfsblutbad' und stellte fest, dass die Statusänderung eine permissive Umgebung schafft. Bereits 2023 waren neun Wölfe im selben Park durch eine 'mittelalterliche' Tat vergiftet worden.
Bedrohung für den Marsikanischen Bären
Darüber hinaus fürchten Naturschützer um den kritisch bedrohten Marsikanischen Braunbären (Ursus arctos marsicanus), ein Symbol des Parks mit nur 50–70 Exemplaren. Das gleiche Gift kann auch Bären töten, die denselben Lebensraum teilen. Die Krise um den Schutz des Marsikanischen Braunbären ist eine langjährige Sorge. Der WWF warnt, dass der Bär dadurch noch näher an den Rand des Aussterbens geraten könnte.
Reaktion der Regierung
Umweltminister Pichetto Fratin nannte die Vergiftungen 'schrecklich' und kündigte verstärkte Patrouillen der Forstpolizei an. Die Ermittlungen werden mit den Forstcarabinieri und ISPRA koordiniert, die Nekropsien durchführen werden. Die Behörden fordern die lokalen Gemeinschaften auf, verdächtige Aktivitäten zu melden. Der Konflikt zwischen Wolf und Vieh in Europa bleibt ein politisch aufgeladenes Thema, wobei Italien die größte Wolfspopulation beheimatet.
FAQ: Wolfsvergiftung im italienischen Nationalpark
Wie viele Wölfe wurden getötet?
Mindestens 18 Wölfe in einer Woche im April 2026, plus 3 Füchse und ein Mäusebussard.
Was ist die Ursache?
Vermutlich vorsätzliche Vergiftung mit vergifteten Ködern. Vollständige toxikologische Berichte stehen noch aus.
Was ist das Motiv?
Konflikte mit Viehzüchtern aufgrund wirtschaftlicher Verluste durch Wolfsangriffe. Trotz Entschädigungen greifen einige zu illegalen Tötungen.
Welche Rolle spielt der EU-Status?
Der WWF stellt fest, dass die Herabstufung von 'streng geschützt' auf 'geschützt' im Jahr 2025 anti-Wolfs-Stimmungen begünstigt hat und den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität im Wolfsmanagement gibt.
Welche Maßnahmen werden ergriffen?
Verstärkte Patrouillen der Forstpolizei, ein Strafverfahren und Aufrufe zur Meldung verdächtiger Aktivitäten. Die Parkbehörden bitten um Wachsamkeit.
Quellen
Informationen von NOS, Reuters, The Guardian, The Independent, RTE, WWF Italien, Europäische Kommission und dem Parco Nazionale d'Abruzzo, Lazio e Molise.
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