Entlassungen greifen im europäischen Tech-Sektor um sich
Der europäische Technologiesektor wird von einer erheblichen Entlassungswelle in den Jahren 2025-2026 getroffen. Tausende Tech-Mitarbeiter auf dem Kontinent verlieren ihre Jobs als Reaktion auf wirtschaftlichen Druck, Restrukturierungsbedarf und die rasche Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI). Nach aktuellen Daten wurden allein im Jahr 2025 mehr als 22.000 Tech-Mitarbeiter entlassen, wobei der Februar mit 16.084 Entlassungen den höchsten Monatswert verzeichnete. Der Trend setzt sich 2026 fort und betrifft sowohl etablierte Unternehmen als auch vielversprechende Startups.
Große Unternehmen führen Personalreduzierungen durch
Mehrere prominente europäische Tech-Unternehmen haben erhebliche Entlassungen angekündigt. In Deutschland streicht Continental bis 2026 3.000 Stellen in Forschung und Entwicklung, während Porsche weitere 2.000 Positionen abbaut. Die Software-Tochter Cariad von Volkswagen verliert 1.600 Stellen. Siemens plant, 5.600 Positionen in seiner Digital Industries-Sparte zu streichen, und Thyssenkrupp reduziert seinen Personalbestand um 1.800. Im Bankensektor führt die Commerzbank bis 2028 3.900 Personalreduzierungen durch, und Santander UK setzt 750 Stellen aufs Spiel.
Die Videospielindustrie ist besonders hart getroffen, mit schätzungsweise 45.000 verlorenen Arbeitsplätzen weltweit von 2022 bis Juli 2025. 'Die Industrie befindet sich derzeit in einer Reset-Phase,' heißt es in einem Bericht von DDM Games, der in einer Branchenanalyse zitiert wird. 'Unternehmen restrukturieren ihre Aktivitäten durch Schließungen, Entlassungen und Desinvestitionen.' Etwa 26 % der europäischen Spieleentwickler wurden in diesem Zeitraum mindestens einmal entlassen.
Startup-Ökosystem ebenfalls betroffen
Auch die Startup-Landschaft blieb nicht verschont. Das in Amsterdam ansässige Unternehmen Bird strich 33 % seines Personals, während andere Tech-Startups wie Hugging Face (4 % Reduktion) und Tabnine (18 % Reduktion) ebenfalls Entlassungen durchgeführt haben. Laut TechFundingNews haben 47 Tech-Unternehmen allein Anfang 2025 mehr als 11.663 Mitarbeiter entlassen. Deutschland und das Vereinigte Königreich sind neben traditionellen Zentren zu neuen Epizentren für Personalreduzierungen im Tech-Sektor geworden.
'Die Entlassungen werden von zwei Hauptfaktoren getrieben: der raschen KI-Adaption und dem Wettbewerbsdruck durch Big Tech,' merkt Branchenanalystin Maria Schmidt an. 'Während die KI-Automatisierung einige Jobs bedroht, schafft sie auch neue Chancen in der KI-Entwicklung und Data Science.'
Wirtschaftlicher und politischer Kontext
Die Entlassungen finden vor dem Hintergrund einer sich verlangsamenden europäischen Wirtschaft statt. Wie Reuters im Oktober 2025 berichtete, führen europäische Unternehmen Entlassungen als Reaktion auf sich verschlechternde Wirtschaftsbedingungen durch. Die COVID-19-Pandemie beflügelte zunächst das Wachstum in Branchen wie Gaming, was zu einer Überexpansion führte, die sich als nicht nachhaltig erwies, als sich die Märkte normalisierten.
Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat die Europäische Kommission am 21. Mai 2025 ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt, das darauf abzielt, Startups, Scale-ups und KMU im Tech-Sektor zu stärken. Wichtige Maßnahmen umfassen eine neue harmonisierte Definition für Small Mid-Caps (SMCs) als Unternehmen mit weniger als 750 Mitarbeitern und einem Umsatz unter 150 Millionen Euro sowie erhebliche Vereinfachungen der DSGVO, die die Schwellenwerte für Compliance-Anforderungen erhöhen.
Auswirkungen auf die Gemeinschaft und Zukunftsaussichten
Die menschlichen Auswirkungen dieser Entlassungen gehen über Statistiken hinaus. Tech-Gemeinschaften in Städten wie Berlin, London, Amsterdam und Paris spüren die Effekte, mit zunehmendem Wettbewerb um verbleibende Positionen und Abwärtsdruck auf Gehälter. Unity-Programmierer haben beispielsweise ihre Gehälter aufgrund des hohen Wettbewerbs schätzungsweise um 50 % sinken sehen.
Es gibt jedoch Anzeichen der Anpassung. '74 % der britischen Tech-Unternehmen haben den Personalbestand im vergangenen Jahr um 5–25 % reduziert, obwohl selektive Einstellungen in gefragten KI-Bereichen diese Verluste ausgleichen könnten,' so Branchenberichte. Die politischen Initiativen der Europäischen Kommission, einschließlich Plänen für einen 'Europäischen Innovationsvertrag' und der Steuerharmonisierung für Mitarbeiteraktienoptionen, zielen darauf ab, ein widerstandsfähigeres Tech-Ökosystem zu schaffen.
FunPlus CBO Chris Petrovic erwartet, dass die Spieleindustrie 2026 zum Wachstum zurückkehrt, wobei dieses Wachstum hauptsächlich aus Entwicklungsregionen wie China, der Türkei und Vietnam stammt. Für den breiteren europäischen Tech-Sektor könnte die aktuelle Restrukturierungsphase zu einer nachhaltigeren Basis für künftige Innovation führen, auch wenn die unmittelbaren menschlichen und wirtschaftlichen Kosten erheblich bleiben.
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