Chinas gezielte Exportkontrollen auf Seltene Erden und kritische Mineralien, die 2025 und 2026 verschärft wurden, haben Preissteigerungen um das Sechsfache für Schlüsselelemente wie Dysprosium und Terbium ausgelöst. Die Genehmigungsquoten für europäische Unternehmen liegen unter 25%. Da Peking 90% der weltweiten Verarbeitung kontrolliert, haben die westlichen Gegenmaßnahmen nur ein schmales Zeitfenster von 12-18 Monaten, um Alternativen zu schaffen.
Hintergrund: Chinas Dominanz und das Exportkontrollregime 2025-2026
China dominiert die globale Lieferkette für Seltene Erden mit 90% der raffinierten Oxide und erheblichen Anteilen an Wolfram (80%) und Antimon (60%). Im Oktober 2025 kündigte das Handelsministerium neue Exportkontrollen an, die Unternehmen verpflichten, Lizenzen für Produkte mit chinesischen Seltenen Erden zu beantragen. Betroffen sind insbesondere Dysprosium und Terbium, die für Hochleistungsmagnete in E-Autos, Windturbinen und Verteidigungssystemen unverzichtbar sind. Die monatlichen Dysprosium-Exporte brachen bis Anfang 2026 um 80% auf 3,5 Tonnen ein. Das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe blieb in der Umsetzung hinter den Zielen zurück, da europäische Firmen Genehmigungsquoten unter 25% erhielten.
Preissprünge und sektorale Auswirkungen
Dysprosium und Terbium: Sechsfache Preissteigerungen
Bis Februar 2026 stieg der Preis für Dysprosiumoxid von 150 $/kg auf über 900 $/kg – ein sechsfacher Anstieg. Terbium folgte von 800 $/kg auf fast 5.000 $/kg. Diese Preisschocks belasteten Hersteller von E-Autos, Windturbinen und Verteidigungsgütern, die auf Neodym-Eisen-Bor-Magnete angewiesen sind.
Verteidigung, E-Autos und erneuerbare Energien
Westliche Rüstungskonzerne melden Verzögerungen bei Präzisionswaffen und Nachtsichtgeräten. Die E-Auto-Industrie kämpft mit Motorengpässen, Windturbinenhersteller mit längeren Projektlaufzeiten. Der US-Mineralgipfel 2026 tagte im Februar 2026 unter Leitung von Außenminister Rubio und Vizepräsident Vance mit 54 Ländern.
Westliche Antwort: FORGE, EU-Gesetz und bilaterale Abkommen
Der Mineralgipfel 2026 und FORGE
Am 4. Februar 2026 startete das US-Außenministerium FORGE (Forum for Resource Geostrategic Engagement) als Nachfolger der Minerals Security Partnership. Die USA unterzeichneten 11 neue bilaterale Rahmenabkommen mit Ländern wie Argentinien, Marokko und den Philippinen. Vizepräsident Vance kündigte Referenzpreise mit Zöllen zur Stabilisierung von Bergbauinvestitionen an. Die US-Regierung mobilisierte über 30 Milliarden Dollar für kritische Mineralprojekte, darunter 10 Milliarden Dollar für die strategische Reserve.
EU Critical Raw Materials Act und RESourceEU
Die EU-Kommission verabschiedete im Dezember 2025 den RESourceEU-Aktionsplan. Über zwölf Monate werden 3 Milliarden Euro für Projekte bereitgestellt. Ein europäisches Zentrum für kritische Rohstoffe soll Marktinformationen liefern, strategische Projekte finanzieren und Lieferketten verwalten. Der Plan umfasst auch Exportbeschränkungen für Permanentmagnet-Schrott.
Alternative Lieferketten: Australien, Ukraine und DRC
Australien: Lynas-Expansion und US-Australien-Rahmen
Australien betreibt mit Lynas die bedeutendste nicht-chinesische Verarbeitungsanlage in Malaysia und baut die Werke in Kalgoorlie und Mt Weld aus. Im Oktober 2025 unterzeichneten die USA und Australien ein Rahmenabkommen zur Sicherung der Versorgung. Neue Kapazitäten werden jedoch nicht vor 2028-2030 erwartet.
Ukraine: Strategisches Potenzial durch Krieg gebremst
Die Ukraine besitzt bedeutende Vorkommen an Lithium, Graphit und Seltenen Erden. Das Abkommen vom April 2025 sieht einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds vor. Allerdings behindern veraltete geologische Daten, zerstörte Infrastruktur und die Besetzung rohstoffreicher Gebiete den Fortschritt. Das Ukraine-Rohstoffabkommen 2025 hängt von dauerhaftem Frieden ab.
DRK: Kobalt und der Lobito-Korridor
Die DR Kongo dominiert die globale Kobaltproduktion. Im Dezember 2025 unterzeichneten die USA und die DRK ein Rohstoffabkommen. Eine Raffinerie in Arizona soll bis zu 40% des US-Bedarfs decken, aber frühestens 2029 in Betrieb gehen.
Expertenmeinungen
„Chinas Exportkontrollen sind kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Verschiebung in der globalen Rohstoffgovernance“, sagt Dr. Sarah O'Connor vom CSIS. „Das Zeitfenster von 12-18 Monaten ist extrem knapp. Selbst mit FORGE und RESourceEU wird es frühestens 2028 zu nicht-chinesischen Verarbeitungskapazitäten kommen.“
EU-Vizepräsident Maroš Šefčovič erklärte: „Wir können uns keine erneute Abhängigkeitsfalle leisten. Das Gesetz über kritische Rohstoffe und unsere Partnerschaften sind unsere Versicherung gegen Nötigung.“
FAQ
Was sind Chinas Exportkontrollen 2025-2026?
China führte neue Lizenzpflichten für Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium sowie zugehörige Produkte ein. Genehmigungsquoten für europäische Firmen liegen unter 25%.
Warum stiegen die Preise für Dysprosium und Terbium so stark?
China kontrolliert 90% der Verarbeitung. Die Kontrollen reduzierten das Angebot drastisch, während die Nachfrage hoch blieb – Dysprosiumoxid stieg von 150 $/kg auf über 900 $/kg.
Was ist FORGE und wie unterscheidet es sich von der MSP?
FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) ist der Nachfolger der Minerals Security Partnership, gestartet im Februar 2026. Es schafft eine präferenzielle Handels- und Investitionszone mit koordinierten Preisuntergrenzen.
Können Australien, Ukraine und DRK China ersetzen?
Kurzfristig nicht. Australien, Ukraine und DRK benötigen bis 2028-2030 für nennenswerte Produktion. Selbst zusammen reicht die Kapazität nicht, um Chinas 90%-Anteil zu ersetzen.
Was ist das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe?
Es setzt Ziele: bis 2030 soll die EU 10% des Verbrauchs fördern, 40% verarbeiten und 15% recyceln. Der RESourceEU-Aktionsplan operationalisiert dies.
Fazit: Ein schmales Zeitfenster
Chinas gezielte Kontrollen haben die globalen Lieferketten neu geordnet. Die westlichen Maßnahmen sind die koordinierteste Antwort seit Jahrzehnten, doch das 12-18-Monats-Fenster ist knapp. Ohne beschleunigte Investitionen und technologische Durchbrüche droht eine langanhaltende Verwundbarkeit über 2030 hinaus.
Quellen
- Rare Earth Exchanges: Chinas Exportkontrollen 2026
- IEA: Neue Exportkontrollen erhöhen Konzentrationsrisiken
- US-Außenministerium: Mineralgipfel 2026
- EU-Kommission: Gesetz über kritische Rohstoffe
- Weißes Haus: US-Australien-Rahmenabkommen
- Wikipedia: Ukraine-US-Rohstoffabkommen
- Trafigura: DRK-US-Kobalt-Lieferkette
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