EU-Parlament fordert Recht, US-Handelsdeal einseitig zu kündigen

Das Europäische Parlament fordert das Recht, das EU-US-Handelsabkommen einseitig zu beenden und notfalls hart zurückschlagen zu können. Grund sind Zollungleichgewichte und Souveränitätsbedenken nach der Grönland-Frage. Es wird eine stärkere europäische Verhandlungsposition und schnellere politische Integration gefordert.

EU-Parlament fordert Recht, US-Handelsdeal einseitig zu kündigen
Teilen
Ausgabe: DE

EU-Parlament überdenkt US-Handelsdeal und fordert 'harte Gegenmaßnahmen'

Das Europäische Parlament drängt auf tiefgreifende Änderungen am EU-US-Handelsabkommen und fordert das Recht, das Abkommen einseitig zu beenden und notfalls hart zurückschlagen zu können. Diese Entwicklung folgt auf anhaltende Spannungen über Zollungleichgewichte und Bedenken hinsichtlich der europäischen Souveränität nach der Grönland-Frage.

Ungleiches Abkommen bereitet Europa Sorgen

Der D66-Europaabgeordnete Gerben-Jan Gerbrandy äußerte sich zur Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Verhandlungsposition. 'Wir wollen auch ein Enddatum, denn es ist ein ungleiches Abkommen,' betonte Gerbrandy und verwies darauf, dass europäische Produkte höhere Zölle auf dem US-Markt zahlen als amerikanische Produkte in Europa.

Das im Juli 2025 erzielte Turnberry-Abkommen sollte langjährige Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden Wirtschaftsmächten lösen. Laut Dokumenten des Europäischen Parlaments hat der Internationale Handelsausschuss die Arbeit an der Umsetzungsgesetzgebung erst kürzlich wieder aufgenommen, nachdem sie aufgrund von Äußerungen des ehemaligen Präsidenten Donald Trump über Grönland ausgesetzt worden war.

Unternehmensdruck versus strategische Souveränität

Gerbrandy erkennt den hohen Druck der europäischen Wirtschaft an, die Sicherheit und ein funktionierendes Abkommen will. 'Die Wirtschaft will Sicherheit und fordert ständig ein funktionierendes Abkommen,' bemerkte er. Er betonte jedoch, dass strategische Überlegungen Vorrang haben müssten.

Der Europaabgeordnete wies darauf hin, dass Trump allerlei Ausnahmen vom Abkommen ausgehandelt habe, weshalb es für Europa wesentlich sei, Stärke zu zeigen. 'Wenn Europa die Faust zeigt, dann ist Trump doch viel weniger stark, als wenn er ein Europa sieht, das mitmacht,' argumentierte Gerbrandy.

Stahl- und Aluminiumzölle bleiben Problem

Eine große Sorge für europäische Industrien, insbesondere Stahl- und Aluminiumproduzenten, ist der anhaltende 50%ige Zoll auf diese Materialien, die den US-Markt erreichen. Während die meisten anderen Produkte unter dem Abkommen mit 15% besteuert werden, schafft dieser Unterschied erhebliche Wettbewerbsnachteile für europäische Hersteller.

Laut EUROFER-Berichten sind die EU-Stahlexporte in die USA seit 2018 bereits von 4,6 auf 3,8 Millionen Tonnen gesunken, was anhaltenden Druck auf die Branche verursacht.

Ruf nach schnellerer europäischer Entscheidungsfindung

Gerbrandy betonte die Notwendigkeit einer schnelleren europäischen Entscheidungsfindung und mehr politischer Integration, wobei er die Ansichten des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi wiederholte. 'Es geht nicht nur um wirtschaftliche Integration. Wir müssen uns vereinen, um viel stärker zu werden,' erklärte er.

Der Europaabgeordnete betonte die Dringlichkeit dieses Prozesses und merkte an, dass 'es unglaublich wichtig ist, dass wir in den nächsten eineinhalb Jahren daran arbeiten.' Dieser Ruf nach beschleunigter Integration kommt zu einer Zeit, in der Europa mit mehreren geopolitischen Herausforderungen konfrontiert ist und seine strategische Autonomie stärken will.

Nächste Schritte und parlamentarischer Prozess

Der Internationale Handelsausschuss des Europäischen Parlaments unter dem Vorsitz von Bernd Lange hat eine mögliche Abstimmung über die Umsetzungsgesetzgebung für den 24. Februar geplant. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist an die Bedingung geknüpft, dass die USA die territoriale Integrität und Souveränität der EU respektieren und die Bedingungen des Turnberry-Abkommens einhalten.

Der Ausschuss hat Bestimmungen gebilligt, die die Aussetzung von Zollvergünstigungen ermöglichen, wenn EU-Sicherheitsinteressen oder die territoriale Integrität bedroht sind. Dies stellt eine bedeutende Verschiebung hin zu einer selbstbewussteren europäischen Handelspolitik dar, die strategische Interessen neben wirtschaftliche Erwägungen stellt.

Die endgültige parlamentarische Abstimmung wird für März erwartet, wobei das Ergebnis erhebliche Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen haben wird.

Eng verwandt

EU-US-Handelsabkommen-Kollaps: Lieferkettenumbruch 2026
Handelskrieg
Handelskrieg
Eng verwandt

EU-US-Handelsabkommen-Kollaps: Lieferkettenumbruch 2026

Das EU-US-Turnberry-Abkommen ist nach US-Zollverstößen zusammengebrochen. KPMG-Daten: 76% sehen Zölle als dauerhaft,...

EU bestätigt: Grönland fällt unter gegenseitige Verteidigungsklausel
Geopolitik
Geopolitik
Eng verwandt

EU bestätigt: Grönland fällt unter gegenseitige Verteidigungsklausel

Die EU bestätigt, dass Grönland durch Artikel 42.7 der gegenseitigen Verteidigungsklausel geschützt wird, doch die...

EU-Verhandler reisen in letzter Minute in die USA, um Einfuhrzölle zu verhindern
Handelskrieg
Handelskrieg
Eng verwandt

EU-Verhandler reisen in letzter Minute in die USA, um Einfuhrzölle zu verhindern

EU-Unterhändler unternehmen letzten Vorstoß in Washington, um US-Einfuhrzölle vor dem 9. Juli zu verhindern, mit...

EU und USA einigen sich auf Handelsabkommen mit 15% Zöllen
Handelskrieg
Handelskrieg
Eng verwandt

EU und USA einigen sich auf Handelsabkommen mit 15% Zöllen

Die EU und USA haben Implementierungsdetails ihres Handelsabkommens abgeschlossen mit 15% Zollobergrenzen für...

EU 2026: 48-Stunden-Firmengründung in allen Staaten
International
International
Eng verwandt

EU 2026: 48-Stunden-Firmengründung in allen Staaten

Die EU kündigt das 'EU-Inc.'-Rahmenwerk an: Ab 2027 ermöglicht es 48-Stunden-Unternehmensregistrierung in allen...

Island EU-Referendum: 29. August über Beitrittsgespräche
Geopolitics
Geopolitics
Eng verwandt

Island EU-Referendum: 29. August über Beitrittsgespräche

Island: EU-Referendum am 29. August 2026 über Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen. Geopolitische Faktoren wie...