Nestlé weitet Rückrufaktion für Babynahrung nach strengeren Toxin-Grenzwerten aus
Der Lebensmittelriese Nestlé hat seinen Rückruf für Babynahrung in Frankreich ausgeweitet und zusätzliche Chargen der Marke Guigoz aus den Regalen genommen. Diese jüngste Maßnahme folgt auf strengere Sicherheitsnormen der französischen Behörden, die die zulässige Schwelle für Cereulid-Toxin in Babynahrung von 0,03 auf 0,014 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt haben.
'Da sich die Methoden zur Analyse von Cereulid weiterentwickelt haben, rufen wir freiwillig eine Charge Guigoz-Babynahrung zurück, zusätzlich zu den bereits zurückgerufenen Chargen,' so Nestlé in einer offiziellen Erklärung.
Tödliche Untersuchungen und regulatorische Änderungen
Die französische Staatsanwaltschaft untersucht, ob zwei Babys als Folge von kontaminierter Babynahrung, die Cereulid enthielt, gestorben sind. Die Untersuchung folgt auf die Entdeckung des Toxins in Babymilchpulver in einem Nestlé-Werk in den Niederlanden Ende November 2025. Die Kontamination ereignete sich in einer Produktionslinie, in der gerade neue Maschinen installiert worden waren.
Laut Reuters hatte das französische Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die Senkung der Cereulid-Schwelle zu zusätzlichen Rückrufen führen würde. Das Ministerium erklärte, der Schutz der Gesundheit von Babys habe bei der Umsetzung dieser strengeren Normen höchste Priorität.
Globale Kontaminationskrise
Die Kontaminationskrise hat große Hersteller in ganz Europa getroffen, mit Rückrufen in mehr als 60 Ländern. Das Problem entstand durch kontaminierte Arachidonsäure (ARA)-Öle, die an mehrere Unternehmen geliefert wurden. Cereulid ist ein hitzebeständiges Toxin, das von Bacillus cereus-Bakterien produziert wird und innerhalb von 30 Minuten bis 3 Stunden nach der Einnahme Erbrechen und Durchfall verursacht.
Wie von Euronews berichtet, hat die Kontamination nicht nur Nestlé, sondern auch Danone, Lactalis und andere große Hersteller von Säuglingsnahrung betroffen. In Belgien erkrankte ein Baby nach dem Verzehr kontaminierter Nestlé-Nahrung an Erbrechen und Durchfall, erholte sich aber nach 10 Tagen.
Rechtliche Schritte und Verbraucherproteste
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in Paris eine Strafanzeige gegen Nestlé und andere Hersteller von Babynahrung eingereicht. Die Organisation behauptet, dass Unternehmen und Behörden die Öffentlichkeit 'viel zu spät' über kontaminiertes Milchpulver gewarnt hätten.
'Foodwatch stellt die Verantwortung der Unternehmen und das Krisenmanagement der Behörden in Frage,' so Dairy Reporter. Acht betroffene Familien haben sich der Beschwerde angeschlossen, weitere werden erwartet.
Nestlé hat diese Behauptungen bestritten und erklärt, angemessen gehandelt zu haben, sobald die Kontamination entdeckt wurde. Das Unternehmen stoppte sofort die Produktion in der betroffenen niederländischen Fabrik, demontierte die neuen Maschinen zur Untersuchung und rief alle Produkte der kontaminierten Produktionslinie zurück.
Marktauswirkungen und künftige Regulierung
Die Krise hat die Aktienkurse der Unternehmen erheblich beeinflusst, wobei Nestlé-Aktien um fast 10 % fielen und Danone um 4 % auf den niedrigsten Stand seit Januar 2025 sank. Die Europäische Kommission hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gebeten, einen Grenzwert für Cereulid in Kinderprodukten festzulegen, eine Stellungnahme wird Anfang Februar erwartet.
Dieser Vorfall unterstreicht Lücken in Standard-Testverfahren, da Cereulid-Tests trotz routinemäßiger Tests auf Bacillus cereus-Bakterien nicht Teil der Routinekontrollen waren. Eltern wird geraten, Chargennummern zu überprüfen und betroffene Produkte für Rückerstattung oder Austausch an Geschäfte zurückzugeben.
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