Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat die Ukraine am 2. Oktober 2026 gewarnt, Seoul erwarte eine förmliche Entschuldigung für die öffentliche Bekanntgabe der Übergabe von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen. Sollte Kyjiw eine Vertraulichkeitsvereinbarung nicht anerkennen, würden „Maßnahmen“ folgen.
Der Streit brach aus, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 23. September in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung erklärt hatte, zwei gefangene nordkoreanische Soldaten seien nach Südkorea überstellt worden. Seoul behauptet, die Übergabe habe geheim bleiben sollen.
Was löste den diplomatischen Konflikt aus?
Südkorea versucht, den Dialog mit Nordkorea wiederaufzunehmen, weshalb die Übergabe politisch heikel ist. Die beiden Soldaten wurden im Januar 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen. Nach monatelangen Beratungen schickte die Ukraine sie nach Südkorea, wo sie verfassungsrechtlich als Bürger gelten. Die Übergabe nordkoreanischer Kriegsgefangener ist zum Brennpunkt geworden, weil Pjöngjang großangelegte Einsätze bestreitet – trotz westlicher Schätzungen von rund 15.000 Soldaten seit Oktober 2024.
Berichten zufolge versuchte einer der Gefangenen, sich das Leben zu nehmen, um nicht gefangen genommen zu werden; ein anderer trug einen russischen Militärausweis. Moskau bestritt nordkoreanische Einsätze zunächst, räumte sie im April 2025 jedoch ein. Kyjiw warnte noch im August 2026 vor 8.500 weiteren nordkoreanischen Soldaten.
Südkoreas Forderungen und mögliche „Maßnahmen“
Lee schrieb auf X, die Ukraine müsse sich entschuldigen und anerkennen, dass eine Geheimhaltungsvereinbarung bestand. „Dies berührt die Ehre des koreanischen Volkes und seines Landes, deshalb können wir das nicht durchgehen lassen“, so Lee. Er nannte keine konkreten Schritte, doch Seoul hat bereits den ukrainischen Botschafter einbestellt. Der Streit spiegelt die Spannungen in der Diplomatie auf der koreanischen Halbinsel wider und verkompliziert die Dynamik zwischen Russland, Nordkorea und der Ukraine.
Welche „Maßnahmen“ sind denkbar?
- Förmliche diplomatische Proteste und Aussetzung des Informationsaustauschs
- Geringere Zusammenarbeit bei humanitären Gefangenentransfers
- Mögliche wirtschaftliche Einschränkungen oder Kürzungen von Hilfen
Südkoreas Verfassung behandelt Nordkoreaner als eigene Bürger, weshalb Seoul Garantien zur Behandlung und zum Verbleib der Gefangenen fordert. Der Konflikt zeigt die Reibung zwischen Kyjiws Wunsch, Pjöngjangs Militärhilfe publik zu machen, und Seouls diplomatischer Sensibilität.
Kyjiw erneut unter Drohnenangriff
Unabhängig davon meldete Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram, Ziele in der Hauptstadt seien erneut über Nacht getroffen worden, darunter die Südbrücke über den Dnipro, die bereits früher in dieser Woche von Drohnen beschädigt wurde. Das Ausmaß der Schäden ist unklar. Ähnliche Drohnenangriffe auf Kyjiw wurden in den vergangenen Monaten gemeldet.
FAQ
Warum fordert Südkorea eine Entschuldigung?
Seoul zufolge bestand eine Vertraulichkeitsvereinbarung über die Übergabe der beiden nordkoreanischen Kriegsgefangenen, die Selenskyj durch die öffentliche Bekanntgabe verletzt habe.
Was sagte Selenskyj?
Am 23. September 2026 erklärte er vor der UN-Generalversammlung, zwei in Kursk gefangene Nordkoreaner seien nach Südkorea geschickt worden.
Gelten nordkoreanische Soldaten als südkoreanische Bürger?
Ja. Laut Verfassung werden Nordkoreaner als südkoreanische Bürger betrachtet, weshalb Seoul Asyl anbot.
Welche „Maßnahmen“ könnte Südkorea ergreifen?
Lee nannte keine Details; denkbar sind diplomatische Sanktionen, reduzierte Geheimdienstzusammenarbeit oder Einschränkungen künftiger humanitärer Transfers.
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