Deutsche Supermärkte: Hackerangriff auf Kühltechnik

Edeka, CAP und REWE bestätigen Hackerangriffe auf Kühlsysteme. Europaweite Attacken auf Danfoss- und Copeland-Controller verursachen Lebensmittelverluste.

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Ausgabe: DE

Die deutschen Supermarktketten Edeka, CAP und REWE bestätigten am 3. November 2026, dass Hacker ihre Kühl- und Gefriersysteme übernommen hatten, wodurch Mitarbeiter große Mengen aufgetauter Lebensmittel entsorgen mussten. Der Vorfall markiert eine deutliche Eskalation eines europaweiten Cyberangriffs auf die Kühlkette – nach ähnlichen Störungen in Frankreich, Belgien, Schweden, Irland, den Niederlanden und weiteren Ländern.

Was geschah: Kühl-Hack trifft deutsche Supermärkte

Gegen Mitternacht am Sonntag, dem 2. November, wurden die Kühlaggregate einer Edeka-Filiale in Reisbach (Bayern) aus der Ferne auf 50°C gesetzt; ein REWE-Markt in Raesfeld (Nordrhein-Westfalen) erlitt dasselbe Schicksal. Ein Edeka-Markt in Lilienthal meldete 70°C an der Frischetheke und 30°C in den Kühlräumen, was zur Entsorgung eines kompletten Containers Lebensmittel führte. Auch CAP-Märkte in Wuppertal und Wetter-Volmarstein waren betroffen. Die Polizei in Oldenburg und Landshut ermittelt wegen Datenausspähung und Datenveränderung.

Die Angriffe spiegeln den französischen Supermarkt-Hack vom Oktober wider, der am 11. und 12. Oktober bis zu 700 Filialen traf, sowie die zweite europäische Welle, die in der Nacht zum 2. November Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland, Portugal und die Niederlande erreichte.

Wie Hacker die Kühlsysteme übernahmen

Anfällige internetfähige Steuerungen

Bei den kompromittierten Geräten handelt es sich um kleine internetverbundene Boxen, mit denen Installateure Gefrierschränke und Kühlräume fernüberwachen. Meist stammte die betroffene Technik vom dänischen Hersteller Danfoss oder vom italienisch-amerikanischen Unternehmen Copeland. Danfoss bestätigte die Beteiligung seiner Steuerungen und verwies auf veraltete Software ohne Sicherheitsupdates. Sicherheitsforscher hatten bereits gewarnt, dass die Danfoss-Controller AK-SM800 und AK-SC355 sowie Copeland/Dixell-XWEB-Geräte mit schwachen Standardzugangsdaten offen im Internet erreichbar waren.

Durch Befehle an diese Steuerungen lösten die Angreifer Abtauzyklen mit extremen Temperatursollwerten aus. In einigen französischen Filialen wurden 50°C bis 95°C erreicht, wodurch Geräte schmolzen und mindestens einmal ein Feuer ausbrach. Die Folge sind verdorbene Lebensmittel, finanzielle Verluste und erhebliche Betriebsstörungen. Einzelhändlern wurde geraten, Kühlsysteme vom öffentlichen Internet zu trennen und nur über ein gesichertes Netzwerk anzubinden.

Warum Sabotage vermutet wird

Keine Gruppe hat die Verantwortung übernommen, Lösegeldforderungen gab es keine. Experten vermuten daher Sabotage statt Erpressung. Als mögliche Akteure gelten laut europäischen Sicherheitsanalysten staatlich gesteuerte Gruppen bis hin zu Einzeltätern. Die gezielte Attacke auf Lebensmittelketten statt auf finanziellen Gewinn hat Beamte in der gesamten EU alarmiert.

Zeitleiste der europaweiten Kühlketten-Angriffe

  • 11.–12. Oktober 2026: Bis zu 700 französische Supermärkte betroffen, darunter Intermarché, Netto, Carrefour und Monoprix.
  • 2. November 2026: Zweite Welle trifft Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland, Portugal und die Niederlande – über 100 Geschäfte betroffen.
  • 3. November 2026: Edeka, CAP und REWE bestätigen kompromittierte Kühlsysteme.

Auswirkungen und offizielle Reaktion

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen bezeichnete die Angriffe als „einen bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu untergraben“. EU-Behörden hielten Krisengespräche ab, Italiens Regierung berief nach der Welle am Montag Geheimdienste und Cyberexperten zusammen. Der Direktor der italienischen Cybersicherheitsagentur betonte, „zeitnaher Informationsaustausch ist entscheidend, um Cyberangriffe zu verhindern und zu beantworten“.

Die Europäische Kommission konzentriert sich nun auf die Resilienz der Lebensmittelversorgungskette und drängt Einzelhändler und Logistiker, ihre Notfallpläne zu überprüfen. Die EU-Ernährungsversorgungssicherheit ist derzeit nicht gefährdet, doch es entstanden erhebliche Lebensmittelabfälle und spürbare wirtschaftliche Schäden – ein belgischer Metzger verlor allein schätzungsweise 15.000 Euro an Fleisch.

FAQ: Cyberangriff auf deutsche Supermärkte

Welche deutschen Supermärkte waren betroffen?

Edeka, CAP und REWE bestätigten kompromittierte Kühlsysteme. Mindestens zwei Edeka-Märkte, ein REWE-Markt und zwei CAP-Märkte waren betroffen, teils mit Temperaturen bis 70°C.

Wie übernahmen Hacker die Kühlsysteme?

Sie nutzten internetverbundene Kühlsteuerungen von Danfoss und Copeland aus. Viele Geräte liefen mit veralteter Software, Standardpasswörtern oder waren ungeschützt direkt am Internet erreichbar.

Wer steckt hinter den Angriffen?

Niemand hat die Verantwortung übernommen. Da keine Lösegeldforderung vorlag, wird Sabotage vermutet. Eine öffentliche Zuschreibung gibt es nicht.

Wie sollten sich Einzelhändler schützen?

Kühl- und Gefriersysteme vom öffentlichen Internet trennen, nur über gesicherte Netzwerke anbinden, Firmware aktualisieren und Standardzugangsdaten ändern.

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