Kritische Rohstoffe: Golfstaaten 2026

Saudi-Arabien und die UAE gestalten 2026 die globalen Lieferketten für kritische Mineralien neu. Mit Investitionen von über 100 Mrd. USD sichern sie Lithium, Kupfer und Seltene Erden – ein geopolitischer Wandel.

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Während die USA, die EU und China ihren Wettlauf um Lithium, Kupfer und Seltene Erden verschärfen, positionieren sich die Golfstaaten als entscheidende neue Kraft im globalen Rennen um kritische Mineralien. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen Staatsfonds, strategische Geografie und jahrzehntelange Erfahrung im Kohlenwasserstoffsektor, um sich von der Ölabhängigkeit zu lösen. Der Wandel, der sich 2026 beschleunigt, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Energiewende und die Lieferketten.

Der Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums stuft geowirtschaftliche Konfrontation als das größte globale Risiko ein. Vor diesem Hintergrund stellt die Strategie der Golfstaaten für kritische Mineralien einen kalkulierten Versuch dar, strategische Autonomie zu gewinnen.

Saudi-Arabien: Vision 2030 trifft Bergbauboom

Das Königreich hat seinen geschätzten Mineralreichtum auf 2,5 Billionen US-Dollar aufgestockt, angetrieben durch neue Vorkommen an Seltenen Erden und Batteriemetallen. Vision 2030 zielt darauf ab, den Bergbau zur dritten Säule der Wirtschaft zu machen. Vizeminister Khalid bin Saleh Al-Mudaifer plant Investitionen von 100 Milliarden US-Dollar bis 2035, der Sektor könnte 2030 rund 75 Milliarden US-Dollar zum BIP beitragen.

Zentrum der Investitionsstrategie ist Manara Minerals, ein Joint Venture zwischen dem Public Investment Fund (PIF) und Ma'aden. Manara erwirbt strategische Beteiligungen an Kupfer-, Nickel-, Lithium- und Seltene-Erden-Projekten weltweit und positioniert sich als Alternative zu chinesischen Finanzierungswegen. Im Inland vergab das Königreich Explorationslizenzen an internationale Unternehmen und verhandelt mit vier Spezialfirmen über den Aufbau heimischer Verarbeitungskapazitäten für Seltene Erden. Ein US-saudisches Rahmenabkommen, finanziert durch das US-Verteidigungsministerium, unterstreicht die geopolitische Bedeutung.

Die UAE: Staatsfonds als globale Vermittler

Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen einen komplementären Ansatz. Abu Dhabis ADQ startete im Oktober 2025 zusammen mit der US-amerikanischen DFC und Orion Resource Partners das Orion Critical Mineral Consortium im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar, mit Plänen zur Ausweitung auf 5 Milliarden US-Dollar. Mubadala Investment schloss sich im März 2026 einem Pax-Silica-Investmentkonsortium an, um die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken. Die Investitionsstrategie der UAE für kritische Mineralien umfasst zudem ein 1,2-Milliarden-Dollar-Joint Venture mit Orion Resource Partners, das auf Kupfer und Eisenerz aus Schwellenländern abzielt.

Geopolitische Auswirkungen: Neugestaltung der Ressourcenkarte

Laut dem International Institute for Strategic Studies (IISS) nutzen die Golfstaaten ihr Finanzkapital, ihre geografische Lage und bestehende Handelsnetzwerke, um mit etablierten Akteuren wie China zu konkurrieren und sich gleichzeitig als glaubwürdige Partner für westliche Märkte zu präsentieren. Das Overseas Development Institute (ODI) nennt vier Faktoren, die den Wettlauf um Mineralien 2026 bestimmen: US-Projektfinanzierung, EU-strategische Autonomie, Chinas 15. Fünfjahresplan und der Aufstieg neuer Vermittlermächte – unter denen die Golfstaaten die bedeutendsten sind.

Dieser Kurs birgt Risiken. Saudi-Arabien und die UAE müssen das empfindliche Gleichgewicht zwischen tieferen Beziehungen zu China und der Ausrichtung auf westliche Bemühungen zur Risikoreduzierung wahren. Die Geopolitik der kritischen Mineralien am Golf wird zeigen, ob diese Staaten ihre Rolle als neutrale Energieversorger behalten können.

Expertenmeinungen

„Die Golfstaaten diversifizieren nicht nur ihre Wirtschaft; sie positionieren sich als Knotenpunkte der globalen Lieferkette für die Energiewende“, sagt Asna Wajid vom IISS. „Ihre Kombination aus geduldigem Kapital, strategischer Geografie und diplomatischer Flexibilität verschafft ihnen einen einzigartigen Vorteil.“

Cauvery Ganapathy vom ORF Middle East betont, dass Saudi-Arabien seinen Ansatz von Ressourcenwaffenmodellen abgrenzen muss. „Riad positioniert sich als zuverlässiges, geopoltisch neutrales Zentrum für die Verarbeitung kritischer Mineralien – ein klarer Kontrast zur Waffenisierung der Lieferketten durch andere Akteure.“

FAQ

Was sind kritische Mineralien?

Rohstoffe, die für grüne Technologien, Elektronik und Verteidigung unverzichtbar sind, z. B. Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer und Seltene Erden.

Warum investieren die Golfstaaten darin?

Sie diversifizieren ihre Wirtschaft, sichern Lieferketten für Zukunftsbranchen und gewinnen strategischen Einfluss. Dies dient auch als Absicherung gegen sinkende Ölnachfrage.

Wie hoch sind die Investitionen?

Saudi-Arabien strebt 100 Milliarden US-Dollar bis 2035 an, die UAE haben mindestens 3 Milliarden US-Dollar über ADQ und Mubadala zugesagt, mit Wachstumspotenzial auf 5 Milliarden US-Dollar.

Was ist Manara Minerals?

Ein Joint Venture zwischen PIF und Ma'aden (2023 gegründet), das weltweit in Kupfer, Nickel, Lithium und Seltene Erden investiert und Abnahmevereinbarungen sichert.

Wie beeinflusst dies Chinas Dominanz?

China kontrolliert über 60% des Abbaus und 90% der Verarbeitung Seltener Erden. Golf-Investitionen in afrikanische und lateinamerikanische Vorkommen sowie eigene Verarbeitungskapazitäten könnten diese Dominanz verringern und westlichen Verbündeten Alternativen bieten.

Fazit: Eine neue Achse im Ressourcenwettlauf

Der Global Risks Report 2026 warnt vor zunehmender geowirtschaftlicher Konfrontation. Die Golfstaaten gestalten mit ihrer Hinwendung zu kritischen Mineralien die globale Ressourcenstrategie neu. Der Erfolg hängt davon ab, ob sie die Balance zwischen Großmächten halten, eigene Verarbeitungskapazitäten aufbauen und den Ressourcenfluch vermeiden können.

Quellen

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