45.000 Berliner Haushalte sind bis Donnerstag ohne Strom, nachdem eine Kabelbrücke mutmaßlich angezündet wurde. Die Kältewelle verschärft die Krise, während Notunterkünfte öffnen und die Polizei eine extrem linke Aktivistengruppe untersucht.
Massenhafter Stromausfall trifft Südwesten Berlins
Berlin kämpft mit einer der schwersten Stromausfälle der letzten Jahre, bei dem etwa 45.000 Haushalte und 2.000 Unternehmen in den südwestlichen Stadtteilen ohne Strom sitzen. Der Blackout, der am Samstagmorgen begann, wird voraussichtlich bis Donnerstagnachmittag andauern und schafft eine kritische Situation, während eine Kältewelle die deutsche Hauptstadt im Griff hat.
Der Ausfall betrifft die Bezirke Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Behörden warnen, dass eine vollständige Wiederherstellung möglicherweise erst am 8. Januar 2026 erfolgen kann. 'Dies ist eine besonders ernste Situation, die kritische Infrastruktur betrifft, einschließlich Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und soziale Dienste,' sagte ein Sprecher des Berliner Energieversorgers gegenüber The Guardian.
Vermutete Brandstiftung an kritischer Infrastruktur
Die Krise begann, als eine Kabelbrücke über den Teltowkanal beim Bahnhof Lichterfelde am frühen Samstagmorgen in Flammen aufging. Die Polizei vermutet Brandstiftung und hat eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet, bei der 160 Beamte an den Ort geschickt wurden. Es ist ein Bekennerschreiben eingegangen, das vermutlich von der extrem linken Umweltaktivistengruppe, bekannt als Vulkan-Gruppe, stammt.
'Wir behandeln dies als einen vorsätzlichen Angriff auf kritische Infrastruktur,' erklärte Berlins Polizeipräsident Michael Müller auf einer Pressekonferenz. 'Der Schaden an den Hochspannungskabeln ist erheblich und erfordert komplexe Reparaturen.'
Die Vulkan-Gruppe hat zuvor aus Protest gegen Industrieprojekte Infrastruktur angegriffen, darunter einen Angriff im Juni 2024 auf Teslas Gigafactory bei Berlin, der Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursachte. Deutsche Behörden beschreiben die Gruppe als 'extrem linke, anarchistische Umweltaktivisten', die seit 2011 aktiv sind.
Frost verschärft die Krise
Der Zeitpunkt hätte für die betroffenen Bewohner nicht schlechter sein können. Berlin erlebt eine Kältewelle, bei der die Temperaturen tagsüber kaum über den Gefrierpunkt steigen und nachts auf -7°C sinken. Die Stadt hatte am vergangenen Wochenende starken Schneefall, was die Herausforderungen vergrößert.
'Wir mussten einige Pflegeheimbewohner evakuieren, da die Heizsysteme ohne Strom ausfallen,' erklärte Sozialdienstkoordinatorin Anna Schmidt. 'Die Kombination aus keinem Strom und Frost schafft eine gefährliche Situation für gefährdete Gruppen.'
Krankenhäuser in den betroffenen Gebieten arbeiten mit Notstromaggregaten, während Pflegeeinrichtungen damit begonnen haben, Bewohner zu verlegen, um deren Sicherheit zu gewährleisten. Auch das Fernwärmesystem ist betroffen, sodass viele ohne Wärmequelle dastehen.
Gemeinschaftsreaktion und Notfallmaßnahmen
Lokale Behörden haben mehrere Notunterkünfte und Wärmestuben eingerichtet, um betroffenen Bewohnern zu helfen. Ein Rathaus und eine Sporthalle wurden zu temporären Unterkünften umfunktioniert, während Kirchen ihre Türen geöffnet haben, um Wärme und Ladestationen für elektronische Geräte anzubieten.
Laut offizieller Ankündigung Berlins hat die Polizei 300 zusätzliche Beamte eingesetzt, um betroffene Viertel zu patrouillieren, und Rettungsdienste haben mehrere Unterstützungsstellen in den südwestlichen Bezirken eingerichtet.
'Die Gemeinschaftsreaktion ist unglaublich,' sagte der lokale Bewohner Markus Weber. 'Nachbarn schauen nach einander, teilen Generatoren und bieten Schlafplätze für diejenigen an, die Wärme brauchen. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie Berliner in dieser Krise zusammenstehen.'
Komplexe Reparaturarbeiten im Gange
Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin hat erklärt, dass die Verzögerung bei der Wiederherstellung auf die Komplexität des Baus von Ersatzleitungen auf der beschädigten Kabelbrücke zurückzuführen ist. 'Die Installation von Ersatzkabeln ist sehr komplex und wird sehr lange dauern,' erklärte ein Unternehmenssprecher.
Ingenieure stehen vor zusätzlichen Herausforderungen durch die Kälte, die Außenarbeiten behindert und die Kabelinstallation erschwert. Eine teilweise Wiederherstellung in Lichterfelde wird für Samstagabend erwartet, aber eine vollständige Wiederherstellung in allen betroffenen Gebieten könnte bis Donnerstagnachmittag dauern.
Dieser Vorfall folgt auf einen ähnlichen Sabotageangriff im September 2025, was Bedenken über ein Muster von Angriffen auf Berlins kritische Infrastruktur aufkommen lässt. Die Behörden untersuchen, ob es Verbindungen zwischen diesen Vorfällen gibt und ob zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für das Stromnetz der Stadt erforderlich sind.
Während Berliner mit Taschenlampen und Kerzen durch die Dunkelheit navigieren, steht die Stadt nicht nur vor einer Energiekrise, sondern auch vor Fragen zur Infrastruktursicherheit in einer Zeit zunehmenden Klimaaktivismus und politischen Extremismus. Die kommenden Tage werden sowohl die Widerstandsfähigkeit von Berlins Notfallsystemen als auch die Geduld Zehntausender Bewohner, die auf die Rückkehr ihres Stroms warten, auf die Probe stellen.
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