Fed erwartet stabile Zinsen angesichts Stagflationsängsten
Die Federal Reserve wird voraussichtlich die Leitzinsen auf ihrer Sitzung im Juni 2025 unverändert lassen, was Präsident Donald Trump enttäuscht, der aggressiv Zinssenkungen gefordert hat. Laut dem aktuellen Beige-Book-Bericht wächst die US-Wirtschaft trotz geopolitischer Turbulenzen moderat, aber steigende Energiepreise und zollbedingte Inflation belasten die Haushalte und trüben den Ausblick. BNR-Chefökonom Han de Jong erwartet, dass die Fed den Leitzins bei 4,25–4,50% belässt, mit zwei Gründen: Der EZB-Leitzins liegt niedriger, und das Beige Book zeigt, dass hohe Ölpreise nicht nur die Inflation anheizen, sondern auch die Wirtschaftstätigkeit dämpfen. „Wenn Haushalte zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Kredite zu bedienen, stellt sich die Frage, ob die Fed diese Probleme mit Zinserhöhungen verschlimmern sollte", so de Jong. „Ich vermute, die Fed wird abwarten. Eine Zinssenkung steht sicher nicht zur Debatte. Donald Trump wird enttäuscht sein."
Beige Book zeigt wachsende Verbraucherbelastung
Das Beige Book, eine qualitative Zusammenfassung der Wirtschaftslage in den 12 Fed-Bezirken, zeichnet das Bild einer Wirtschaft zwischen gegensätzlichen Kräften. Der Krieg im Nahen Osten und höhere Energiepreise schaffen Unsicherheit und belasten die Kaufkraft. Gleichzeitig treibt eine Investitionswelle in künstliche Intelligenz die Geschäftstätigkeit an. „Es scheint derzeit einen Kampf in der Wirtschaft zu geben", bemerkt de Jong. „Höhere Ölpreise verlangsamen die Wirtschaft, während KI-Investitionen sie vorantreiben."
Einkommensungleichheit nimmt zu
Das Beige Book hebt deutliche Unterschiede zwischen Einkommensgruppen hervor. Haushalte mit höherem Einkommen bleiben finanziell komfortabel und relativ unempfindlich gegenüber Preiserhöhungen. Mittlere Einkommensgruppen müssen jeden Dollar mehrfach umdrehen. Geringverdiener sehen sich wachsendem finanziellen Druck ausgesetzt, mit steigenden Zahlungsausfällen bei Hypotheken und Konsumentenkrediten. Die US-Haushaltsverschuldungskrise wird zu einem zentralen Thema für die Politik.
EZB vs. Fed: Unterschiedliche Wege
Während die Fed die Zinsen voraussichtlich hält, wird die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung in derselben Woche die Zinsen senken. Laut der EZB-Geldpolitik-Erklärung vom Juni 2025 senkte der Rat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,00%. Diese Divergenz spiegelt unterschiedliche wirtschaftliche Bedingungen wider. Die EZB konzentriert sich auf die Bekämpfung des Inflationsdrucks, während die Fed Inflationssorgen mit einer sich verlangsamenden Wirtschaft und steigender Verbraucherverschuldung abwägen muss. Die EZB-Zinsentscheidung 2025 wird als Gradmesser für die globale Geldpolitik genau beobachtet. De Jong erwartet eine Senkung: „Ich erwarte, dass die EZB nächste Woche die Zinsen senkt. Wir werden alle möglichen Signale erhalten, die helfen, den Inflationsdruck im Keim zu ersticken."
KI-Investitionsboom vs. Energieschock
Die US-Wirtschaft erlebt ein Tauziehen zwischen zwei starken Kräften. Der KI-Investitionsboom schafft Arbeitsplätze und treibt Investitionen an, insbesondere in Technologiezentren und Rechenzentren. Höhere Energiepreise, verstärkt durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten, wirken jedoch als Bremse. Die Verbraucherstimmung bleibt auf niedrigem Niveau, was auf wenig Vertrauen in die Wirtschaftsaussichten hindeutet. Langfristig könnte dies trotz Milliardeninvestitionen in KI zu einer Rezession führen. „Diese Phase beginnt, aber wir sind noch nicht da", warnt de Jong.
Zahlungsausfälle nehmen zu
Daten der Federal Reserve Bank of New York zeigen, dass die gesamten Haushaltsschulden im 4. Quartal 2025 18,8 Billionen USD erreichten, mit einer Ausfallrate von 4,8% – dem höchsten Stand seit dem 3. Quartal 2017. Schwere Kreditkartenausfälle erreichten 12,7%, und die Ausfälle bei Studienkrediten blieben mit 9,6% erhöht. Die steigenden Verbraucherkreditausfälle signalisieren wachsenden finanziellen Stress bei Geringverdienern.
Bedeutung für Märkte und Verbraucher
Für Anleger bedeutet eine stabile Fed anhaltende Unsicherheit. Das Fed-Prognosediagramm vom Juni 2025 zeigt nur zwei Zinssenkungen um jeweils einen Viertelpunkt bis Jahresende, wobei sieben von 18 FOMC-Mitgliedern für 2025 gar keine Änderung sehen. Das BIP-Wachstum wurde auf 1,4% für 2025 gesenkt, die PCE-Inflation wird bei 3,0% prognostiziert – ein Anstieg gegenüber der Märzprognose von 2,7%. Für Verbraucher ist der Ausblick gemischt: Sparer profitieren von hohen Zinsen auf Tagesgeldkonten, Kreditnehmer zahlen höhere Kosten für Kreditkarten, Autokredite und Hypotheken. Der Immobilienmarkt bleibt unter Druck. Trumps Druck auf die Fed war beispiellos. Die Fed senkte die Zinsen im September 2025 um 25 Basispunkte angesichts einer deutlichen Verlangsamung der Einstellungen, aber für die Juni-Sitzung wird keine Änderung erwartet.
FAQ
Wird die Fed die Zinsen im Juni 2025 senken?
Nein, die Federal Reserve wird die Zinsen voraussichtlich stabil bei 4,25–4,50% halten, so Ökonom Han de Jong und Marktindikatoren.
Warum ist Trump mit der Fed unzufrieden?
Präsident Trump hat aggressiv Zinssenkungen gefordert, um den Immobilienmarkt und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Fed priorisiert jedoch Inflationskontrolle über Wachstum und hält die Zinsen höher als von Trump gewünscht.
Was sagt das Beige Book über die US-Wirtschaft?
Das Beige Book berichtet moderates Wirtschaftswachstum, aber zeigt zunehmende Verbraucherbelastung, steigende Zahlungsausfälle und wachsende Einkommensungleichheit, wobei untere und mittlere Einkommensgruppen besonders unter Inflation und Energiepreisen leiden.
Wie unterscheidet sich die EZB-Politik von der Fed?
Die EZB senkte die Zinsen im Juni 2025 um 25 Basispunkte auf 2,00%, während die Fed die Zinsen hält. Die EZB steht vor niedrigerer Inflation und schwächerem Wachstum im Euroraum, während die Fed zollbedingte Inflation mit einer sich verlangsamenden US-Wirtschaft abwägen muss.
Welche Risiken birgt das Festhalten der Fed an hohen Zinsen?
Hohe Zinsen riskieren eine weitere Abkühlung der Wirtschaft und steigende Arbeitslosigkeit, aber zu frühe Zinssenkungen könnten die Inflation wieder anheizen. Die Fed bewegt sich auf einem schmalen Grat.
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