Zehn Jahre nachdem das Vereinigte Königreich den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen hat, zeigt eine umfassende Bewertung, dass viele der zentralen Versprechen der Brexit-Befürworter unerfüllt geblieben sind. Am 23. Juni 2016 stimmten 52% der britischen Wähler für den Austritt, aber ein Jahrzehnt später schwächelt die Wirtschaft, die öffentliche Stimmung ist gekippt und die politische Landschaft zersplittert. Laut einem Bericht von AllianzTrade ist die britische Wirtschaft seit dem Referendum durchschnittlich um 1,4% pro Jahr gewachsen – deutlich unter den 2% bis 4%, die bei einem Verbleib prognostiziert wurden.
Was wurde versprochen vs. was passierte?
Brexit-Befürworter argumentierten, der Austritt werde die Souveränität wiederherstellen, das Wirtschaftswachstum ankurbeln, die Einwanderung reduzieren und dem UK ermöglichen, lukrative Handelsabkommen zu schließen. Zwar gewann das UK die Kontrolle über seine Handelspolitik und Einwanderungsregeln zurück, doch die wirtschaftlichen Vorteile blieben aus. Die Wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens nach dem Brexit wird von Ökonomen bei AllianzTrade als enttäuschend beschrieben.
Wirtschaftswachstum und Investitionen
Das britische BIP wird Schätzungen zufolge 4–8% kleiner sein als bei einem Verbleib in der EU. Die Unternehmensinvestitionen liegen 12–13% unter dem Trend, und die Produktivitätsentwicklung ist 3–4% niedriger als in vergleichbaren Volkswirtschaften. Das Pfund Sterling erholte sich nie auf das Vorkrisenniveau, und die Reallöhne stiegen inflationsbereinigt um nur 43 £ pro Woche. Ein ehemaliger Vizegouverneur der Bank of England bestätigte, dass die langfristigen Wirtschaftsprognosen zutrafen.
Handel und Grenzhemmnisse
Der Handel mit der EU, der 2025 ein Volumen von 856 Mrd. £ erreichte, wird durch neue nichttarifäre Hemmnisse beeinträchtigt. Zollformalitäten, Grenzzertifikate und Gesundheitskontrollen haben die Kosten erhöht. Die britische Tochter von Bosch bearbeitet jährlich 10.000 Importtransaktionen, verglichen mit nur 40 vor dem Brexit. Viele kleine Unternehmen haben den Handel mit der EU ganz eingestellt. Das versprochene US-Handelsabkommen kam nie zustande, und neue Abkommen mit Australien, Neuseeland, Indien und Japan sind vergleichsweise unbedeutend.
Einwanderung: Das Gegenteil dessen, was versprochen wurde
Die Brexit-Befürworter versprachen, die Grenzen zu kontrollieren und die Einwanderung zu reduzieren. Stattdessen stieg die Nettozuwanderung zwischen 2021 und 2025 auf durchschnittlich 550.000 pro Jahr, vor allem durch Nicht-EU-Zuwanderer. Obwohl die Nettozuwanderung 2025 auf 171.000 gesunken ist, widerspricht das Gesamtbild dem zentralen Versprechen. Viele Briten sehen das Einwanderungssystem nicht verbessert.
Regionale Unterschiede vergrößern sich
Ein zentrales Versprechen des Brexit war, dass er den zurückgelassenen Regionen zugutekommen würde, die mehrheitlich für den Austritt stimmten. In fast 60% der Gebiete, die für den Brexit votierten, sind die Durchschnittseinkommen jedoch im Verhältnis zum nationalen Durchschnitt gefallen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Brexit-Wahlregionen sind besonders in Teilen Nordenglands und der Midlands schwerwiegend, wo Fertigung und Landwirtschaft am stärksten von neuen Handelshemmnissen betroffen sind.
Öffentliche Meinung wendet sich gegen den Brexit
Die öffentliche Meinung hat sich dramatisch verändert. Eine YouGov-Umfrage vom Mai 2026 ergab, dass 60% der Briten den Brexit nun als Fehler ansehen, während 52% einen Wiedereintritt in die EU befürworten. Nur 28% glauben, dass der Austritt die richtige Entscheidung war. Der Anteil derer, die sagen, der Brexit sei schlechter verlaufen als erwartet, stieg von 28% im Jahr 2021 auf 48% im Jahr 2026. Sogar der prominente frühere Remain-Unterstützer Andy Burnham, heute aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Premierminister Keir Starmer, hat seine Haltung abgeschwächt.
„Der Brexit hat die EU nur noch kohäsiver gemacht“, sagte Europakorrespondent Stefan de Vries. „Es ist klar, dass für das Vereinigte Königreich die Frage ist, wie es so schnell wie möglich wieder enger an Europa herankommt, ohne in die EU zurückzukehren.“
Politische Folgen und der Weg nach vorn
Premierminister Keir Starmer, der 2024 sein Amt antrat, begann Gespräche zur Wiederbelebung der Beziehungen zur EU, gab jedoch kürzlich seinen Rücktritt bekannt. Die politische Landschaft ist zersplittert, mit Nigel Farages Reform UK an der Spitze der Umfragen. Die Zukunft der EU-UK-Beziehungen bleibt ungewiss, da keine große Partei den Wiedereintritt befürwortet, während die öffentliche Unterstützung für engere Beziehungen weiter wächst.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Brexit gescheitert?
Den meisten Wirtschaftsindikatoren und der öffentlichen Meinung zufolge hat der Brexit im Vergleich zu den Versprechungen enttäuscht. Die britische Wirtschaft ist 4–8% kleiner als prognostiziert, der Handel ist schwieriger, und die Einwanderung ist gestiegen statt gefallen. Eine Mehrheit der Briten bewertet ihn negativ.
Was waren die wichtigsten Versprechen des Brexit?
Zu den zentralen Versprechen gehörten: Wiederherstellung der Souveränität, Ankurbelung des Wirtschaftswachstums, Reduzierung der Einwanderung, neue globale Handelsabkommen und Wiederbelebung der zurückgelassenen Regionen. Die meisten wurden nicht vollständig eingelöst.
Könnte das Vereinigte Königreich der EU wieder beitreten?
Obwohl die öffentliche Unterstützung für einen Wiedereintritt auf über 50% gestiegen ist, befürwortet derzeit keine große politische Partei dies. Der Prozess wäre langwierig und würde die einstimmige Zustimmung der EU erfordern. Analysten halten eine engere Beziehung (z. B. ein Norwegen-Modell) für wahrscheinlicher als eine Vollmitgliedschaft.
Wie hat sich der Brexit auf den Handel ausgewirkt?
Nichttarifäre Hemmnisse haben die Kosten und Komplexität des Handels zwischen UK und EU erheblich erhöht. Der EU-UK-Handel bleibt zwar die größte Handelsbeziehung des UK, aber das Wachstum hat sich verlangsamt. Das erhoffte US-Handelsabkommen kam nie zustande.
Wie ist die Zukunft der EU-UK-Beziehungen?
Premierminister Keir Starmer leitete eine Annäherung an die EU ein, die sich auf Sicherheit, Handelserleichterungen und Jugendaustausch konzentrierte. Sein Nachfolger könnte jedoch einen anderen Kurs einschlagen. Die EU hat sich für engere Beziehungen offen gezeigt, besteht aber auf der Integrität des Binnenmarkts.
Quellen
- AllianzTrade-Bericht zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit (2026)
- YouGov-Umfragedaten (Mai 2026)
- Office for National Statistics (ONS) – Handels- und Migrationsdaten
- Centre for European Reform – Forschung zu den BIP-Effekten des Brexit
- BBC News
- The Guardian
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