Gewalt bricht bei friedlicher kurdischer Demonstration aus
Eine friedliche kurdische Demonstration im Herzen von Antwerpen eskalierte am Donnerstagabend in Gewalt, als eine Gruppe von Angreifern eine Messerattacke startete. Sechs Menschen wurden dabei verletzt, zwei von ihnen befanden sich in kritischem Zustand. Der Vorfall ereignete sich gegen 19:20 Uhr auf dem Operaplein, wo etwa 200-300 kurdische Demonstranten ihre Versammlung beendeten.
Chaos und Panik auf dem Operaplein
Augenzeugen zufolge verlief die Demonstration bis dahin friedlich, mit Teilnehmern, die Flaggen von Kurdistan, Westkurdistan und der militanten kurdischen Gruppe PKK schwenkten. 'Die Menschen rannten in alle Richtungen, es war reines Chaos,' berichtete ein Zeuge der Gazet van Antwerpen. Die Angreifer sollen Messer gezogen und damit begonnen haben, Menschen niederzustechen, die auf den Treppen der Oper saßen.
Polizeieinsatz und Festnahmen
Die Antwerpener Polizei, die die Demonstration bereits überwachte, griff schnell ein. Vier Verdächtige wurden vor Ort festgenommen, ihre Wohnungen wurden anschließend durchsucht. Ein Polizeisprecher bestätigte gegenüber VRT Nieuws, dass sich die Angreifer unter die Demonstranten gemischt hatten, bevor sie ihren Angriff starteten. Die beiden schwerverletzten Opfer wurden ins Krankenhaus gebracht, ihr Zustand hat sich inzwischen stabilisiert und gilt nicht mehr als lebensbedrohlich.
Politische Einordnung und Reaktion der Gemeinschaft
Die Demonstration war von der kurdischen Organisation Navbel organisiert worden, um gegen das zu protestieren, was sie als 'dschihadistische Angriffe auf Kurden in Nordsyrien' bezeichnet. Sprecher Orhan Kilic verurteilte den Messerangriff als 'einen terroristisch motivierten Angriff auf die kurdische Gemeinschaft in Antwerpen.' Die Kundgebung fand vor dem Hintergrund wichtiger geopolitischer Entwicklungen in Syrien statt, wo die kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kürzlich erhebliches Territorium an die syrische Regierung verloren haben.
Laut einer Analyse von Al Jazeera haben syrische Regierungstruppen große Geländegewinne gegen die SDF erzielt und wichtige Städte wie Raqqa und Deir Az Zor zurückerobert. Dies hat Angst innerhalb der kurdischen Diasporagemeinschaften in ganz Europa ausgelöst, einschließlich der geschätzten 70.000 Kurden in Belgien.
Ermittlungen und Nachwirkungen
Das Gebiet um den Operaplein blieb bis 1 Uhr morgens am Freitag abgesperrt, während forensische Ermittler Beweise sicherten. Die Polizei sichtet Kameraaufnahmen und Videos aus sozialen Medien von dem Vorfall. Obwohl erste Berichte nahelegten, der Angriff könnte politisch motiviert sein, behandeln die Behörden den Fall vorläufig als versuchten Mord und nicht als Terrorismus.
Der Vorfall beleuchtet die komplexe Dynamik innerhalb der diversen Bevölkerung Antwerpens. Laut demografischen Daten hat fast die Hälfte der 530.000 Einwohner Antwerpens einen Migrationshintergrund, was 166 verschiedene Nationalitäten repräsentiert. Die Stadt ist ein Brennpunkt verschiedener Diasporagemeinschaften geworden, darunter Kurden, die sich über Jahrzehnte in Belgien niedergelassen haben.
Gemeinschaftsführer haben zu Ruhe aufgerufen und drängen die Behörden, Minderheitengruppen bei öffentlichen Versammlungen besser zu schützen. Die Ermittlungen dauern an, während die Polizei daran arbeitet, die genauen Motive hinter dem gewalttätigen Angriff zu klären.
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