EU: Meta verletzt Kindersicherheit – Milliardenstrafe

Die EU stellt Meta wegen Verstoßes gegen das DSA vor – unzureichender Schutz Minderjähriger. Geldstrafe von bis zu 6 % des Umsatzes (ca. 12 Mrd. USD) droht. Meta weist Vorwürfe zurück.

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Brüssel stellt Verstoß von Meta gegen das Gesetz über digitale Dienste fest

Die Europäische Kommission hat vorläufig festgestellt, dass Meta, das Mutterunternehmen von Facebook und Instagram, gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verstoßen hat, indem es Kinder unter 13 Jahren nicht ausreichend vor dem Zugang zu seinen Plattformen schützt. Die wegweisende Entscheidung vom 29. April 2026 könnte zu einer Geldbuße von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes von Meta führen – potenziell über 12 Milliarden US-Dollar basierend auf den Einnahmen von 201 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.

Die im Jahr 2024 eingeleitete Untersuchung ergab, dass Metas Altersverifikationsmaßnahmen unzureichend sind. Kinder unter 13 können die Altersmindestanforderung leicht umgehen, indem sie bei der Kontoerstellung ein falsches Geburtsdatum angeben, ohne dass ein robustes System zur Überprüfung der Richtigkeit der selbst angegebenen Informationen vorhanden ist. Die Kommission stellte auch fest, dass Metas Meldeverfahren für Minderjährige umständlich ist – bis zu sieben Klicks erforderlich – und dass das Unternehmen nicht zeitnah auf solche Meldungen reagiert.

Welche spezifischen Verstöße liegen nach dem DSA vor?

Das DSA verpflichtet sehr große Online-Plattformen (VLOPs) wie Facebook und Instagram, systemische Risiken zu bewerten und zu mindern, einschließlich solcher für Minderjährige. Die vorläufigen Feststellungen der Kommission nennen drei Hauptverstöße:

  • Unzureichende Altersverifikation: Meta verhindert nicht wirksam, dass Kinder unter 13 Konten erstellen. Nutzer können bei der Registrierung einfach ihr Alter falsch angeben, und es gibt keine zuverlässigen Kontrollen, um falsche Geburtsdaten zu erkennen.
  • Versäumnis, Minderjährigenkonten zu entfernen: Selbst wenn Minderjährige identifiziert werden, fehlt Meta ein effizienter Prozess zur Entfernung. Der Meldeweg ist schwer zugänglich, und das Unternehmen priorisiert diese Meldungen nicht.
  • Unzureichende Risikobewertung: Metas Risikobewertung nach dem DSA hat die spezifischen Gefährdungen Minderjähriger, einschließlich schädlicher Inhalte und süchtig machendem Design, nicht angemessen berücksichtigt.

Die Kommission verwies auf Studien, nach denen 10 bis 12 % der europäischen Kinder unter 13 ein Konto auf mindestens einer Meta-Plattform besitzen. Dies betrifft Millionen Minderjähriger, die unangemessenen Inhalten, Cybermobbing und Raubverhalten ausgesetzt sein können.

Meta reagiert: ‚Herausforderung für die gesamte Branche‘

Meta hat die Feststellungen zurückgewiesen und bezeichnet die Erkennung Minderjähriger als „branchenweite Herausforderung“. Das Unternehmen erklärte, es investiere weiterhin stark in Technologien zur Identifizierung und Entfernung Minderjähriger, einschließlich KI und Altersschätzung. Die Kommission wies dies jedoch als unzureichend zurück und bemängelte das Fehlen eines Zeitplans für robustere Maßnahmen.

Der vorläufige Befund ist keine endgültige Entscheidung. Meta kann nun Stellung nehmen und Abhilfemaßnahmen vorschlagen. Falls die Kommission die Antwort als unzureichend erachtet, wird sie eine verbindliche Anordnung zur Überarbeitung der Kinderschutzprotokolle erlassen – und eine Geldbuße von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängen.

Breiteres EU-Vorgehen gegen soziale Medien und Kindersicherheit

Diese Maßnahme gegen Meta ist Teil einer umfassenderen europäischen Initiative zum Schutz von Kindern online. Bereits 2026 stellte die Kommission auch TikTok wegen seines süchtig machenden Designs in Verstoß gegen das DSA fest und stellte im April 2026 eine neue Altersverifizierungs-App vor. Die Durchsetzung des Digital Services Act durch die EU entwickelt sich schnell zum Eckpfeiler der digitalen Regulierung weltweit.

Mehrere EU-Staaten wie Frankreich und Deutschland debattieren oder haben Gesetze eingeführt, um den Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren einzuschränken oder zu verbieten. Die Maßnahmen der Kommission signalisieren, dass Brüssel bereit ist, seine Regulierungsbefugnisse aggressiv einzusetzen.

Wie geht es weiter? Zeitplan und mögliche Folgen

In den kommenden Wochen muss Meta eine formelle Antwort auf die vorläufigen Feststellungen einreichen. Die Kommission entscheidet dann über eine endgültige Entscheidung. Bei Verstoß drohen:

  • Geldbuße von bis zu 6 % des globalen Jahresumsatzes – rund 12 Milliarden US-Dollar basierend auf 2025.
  • Verbindliche Anordnung zur Einführung wirksamer Altersverifikation, etwa obligatorische ID-Prüfungen oder biometrische Altersschätzung.
  • Erweiterte Aufsicht, einschließlich regelmäßiger Prüfungen durch die Kommission oder Dritte.

Der Fall schafft auch einen Präzedenzfall für andere Plattformen. YouTube, Snapchat und X (ehemals Twitter) könnten ähnlicher Prüfung ausgesetzt sein. Der DSA-Fall gegen TikTok 2025 hat bereits gezeigt, dass die Kommission bereit ist, gegen süchtig machendes Design vorzugehen.

FAQ: Metas DSA-Verstoß und Kindersicherheit

Was ist das Gesetz über digitale Dienste (DSA)?

Das DSA ist eine EU-Verordnung, die strenge Regeln für digitale Plattformen in Bezug auf Nutzersicherheit, Transparenz und Rechenschaftspflicht festlegt. Es verpflichtet sehr große Online-Plattformen, systemische Risiken, einschließlich Risiken für Minderjährige, zu bewerten und zu mindern.

Warum wird Meta bestraft?

Die Kommission stellte fest, dass Meta Kinder unter 13 nicht wirksam vom Zugang zu Facebook und Instagram abhält, gegen das DSA verstößt, indem es keine wirksame Altersverifikation hat, Minderjährigenkonten nicht angemessen entfernt und Risiken nicht bewertet.

Wie hoch könnte die Geldstrafe sein?

Meta droht eine Geldbuße von bis zu 6 % seines globalen Jahresumsatzes. Basierend auf dem Umsatz von 201 Milliarden US-Dollar 2025 wären das maximal etwa 12 Milliarden US-Dollar.

Was muss Meta ändern?

Meta muss robuste Altersverifikation einführen, den Melde- und Entfernungsprozess für Minderjährigenkonten verbessern und eine ordnungsgemäße Risikobewertung für Minderjährige durchführen. Andernfalls drohen Geldbußen und verbindliche Anordnungen.

Wie wirkt sich dies auf andere Plattformen aus?

Das DSA gilt für alle VLOPs. Auch TikTok, YouTube und Snapchat stehen unter Beobachtung und könnten bei Verstößen ähnlichen Maßnahmen ausgesetzt sein.

Quellen

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