Italiens Regierung hat ein Dekret verabschiedet, das Burka und Nikab an Schulen verbietet und den Anteil ausländischer Schüler mit geringen Italienischkenntnissen auf 30 Prozent pro Klasse begrenzt. Die von der konservativen Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vorangetriebene Entscheidung trat am 25. September 2026 sofort in Kraft, muss aber binnen 60 Tagen vom Parlament bestätigt werden.
Was beinhaltet das neue Schuldekret?
Das Dekret führt zwei zentrale Beschränkungen ein. Erstens sind gesichtsverhüllende islamische Kleidungsstücke wie Burka und Nikab an allen italienischen Schulen verboten; der Hidschab bleibt erlaubt. Zweitens darf keine Klasse zu mehr als 30 Prozent aus ausländischen Schülern bestehen, die kaum oder kein Italienisch sprechen.
Bildungsminister Giuseppe Valditara zufolge betrifft die Maßnahme rund 1.000 Klassen landesweit – etwa 0,3 Prozent. Schulen, die die Quote nicht erfüllen können, können Ausnahmen und zusätzliche Mittel für Sprachförderung beantragen; die Regierung stellt rund 14 Millionen Euro bereit.
Warum begrenzt Italien ausländische Schüler?
Meloni verteidigte die Regeln als „Vernunftmaßnahmen, die keine Spaltung säen, sondern echte Integration fördern, Ghetto-Klassen vermeiden und allen Schülern gleiche Chancen bieten“. Die Regierung argumentiert, Sprachbarrieren behinderten den Bildungserfolg, und die Begrenzung neu angekommener Schüler verbessere die Integration durch Italienischunterricht.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Konkurrenz am rechten Rand. Ex-General Roberto Vannacci hat eine neue Hardliner-Partei gegründet und zieht Wähler an, die sich um Einwanderung und Identität sorgen – das erhöht den Druck auf Meloni vor den für Frühjahr 2027 erwarteten Wahlen. Ähnliche Debatten über die EU-Migrationspolitik haben sich in der EU verschärft.
Wie die 30-Prozent-Quote funktioniert
- Grundschulen: Die Quote gilt für nicht-italienische Schüler, die nicht in Italien geboren wurden und weniger als zwei Jahre Vorschule besucht haben.
- Weiterführende Schulen: Sie richtet sich an ausländische Schüler mit weniger als drei Jahren in Italien.
- In Italien geborene Kinder sind von der Grundschul-Grenze ausgenommen.
- Eltern von Schülern mit anhaltenden Sprach- oder Integrationsproblemen müssen kostenlose Italienischkurse besuchen oder mit Bußgeldern bis 1.000 Euro rechnen.
Kritik und politisches Kalkül
Oppositionsführerin Elly Schlein nannte die Maßnahme „eine neue Hexenjagd“, während Save the Children warnte, sie könne Schüler erster und zweiter Klasse schaffen. Lehrergewerkschaften halten die 14 Millionen Euro für unzureichend, um die nötigen Sprachlehrkräfte und Kulturvermittler einzustellen.
„Weil es Kinder betrifft, vermutlich junge Grundschulkinder, können diese kaum mehr als ein paar Kilometer von zu Hause zurücklegen“, sagte ein Vorsitzender des nationalen Schulleiterverbands und verwies auf Durchsetzungsprobleme in migrantenreichen Vierteln mit nur einer Schule.
Kritiker merken zudem an, dass das Burka- und Nikab-Verbot ein in italienischen Klassenzimmern seltenes Phänomen betrifft und damit weitgehend symbolisch ist. Die Debatte spiegelt eine breitere rechtsnationale Identitätspolitik in Europa wider.
Wie schneidet Italien im EU-Vergleich ab?
| Land | Schulverbot | Öffentliches Verbot |
|---|---|---|
| Italien | Burka, Nikab (Hidschab erlaubt) | Teilweise/lokale Beschränkungen |
| Frankreich | Alle religiösen Symbole, inkl. Hidschab | Vollverschleierung verboten |
| Belgien | Gesichtsverhüllung | Vollverschleierung verboten |
| Österreich | Gesichtsverhüllung | Gesichtsverhüllung verboten |
| Dänemark | Gesichtsverhüllung | Gesichtsverhüllung verboten |
Italien reiht sich damit in eine wachsende Zahl europäischer Staaten ein, die religiöse Gesichtsverhüllung einschränken. Die Sprachquote in Klassenzimmern ist jedoch eine Besonderheit und erinnert an frühere Debatten zur schulischen Integration in Deutschland und den Niederlanden.
Häufige Fragen
Ist die Burka in allen öffentlichen Räumen Italiens verboten?
Nein. Das Dekret verbietet Burka und Nikab nur an Schulen; im öffentlichen Raum gibt es lediglich lokale Einzelregelungen.
Gilt die 30-Prozent-Regel für in Italien geborene Migrantenkinder?
Nein. In Italien geborene Kinder sind von der Grundschul-Quote ausgenommen; an weiterführenden Schulen gilt sie für Schüler mit weniger als drei Jahren in Italien.
Was passiert, wenn eine Schule die Grenze überschreitet?
Schulen können Ausnahmen und zusätzliche Sprachfördermittel beantragen. Eltern können zu kostenlosen Italienischkursen verpflichtet werden oder mit Bußgeldern von 200 bis 1.000 Euro rechnen.
Wann tritt die Regelung in Kraft?
Das Dekret gilt seit dem 25. September 2026 unmittelbar, die Klassenquote greift vollständig ab dem Schuljahr 2027/28. Das Parlament muss es binnen 60 Tagen bestätigen.
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