Ungarischer Minister beleidigt Roma vor Wahlen

Ein ungarischer Minister stürzt die Regierungspartei Fidesz mit rassistischen Äußerungen über Roma in eine Krise kurz vor wichtigen Wahlen und gefährdet das historische Wahlbündnis mit Roma-Wählern.

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Ungarischer Minister löst Krise mit rassistischen Äußerungen über Roma aus

Der ungarische Verkehrs- und Bauminister János Lázár, ein Vertrauter von Ministerpräsident Viktor Orbán, hat die regierende Fidesz-Partei kurz vor entscheidenden Wahlen mit rassistischen Äußerungen über die Roma-Bevölkerung in eine Krise gestürzt. Auf einem politischen Forum suggerierte Lázár, dass die 600.000 bis 800.000 Roma-Bürger Ungarns gut dafür seien, "die vollgeschissenen Toiletten in unseren Zügen zu reinigen" – eine Sprache, die weithin als zutiefst beleidigend und diskriminierend verurteilt wurde.

Politische Gegenreaktion und erzwungene Entschuldigung

Die Äußerungen, die Ende Januar 2026 während einer Wahlkampfveranstaltung gemacht wurden, lösten sofort Empörung in der ungarischen Gesellschaft aus. 'Das ist nicht nur beleidigende Sprache – sie offenbart ein tief verwurzeltes Vorurteil, das reale Auswirkungen auf das Leben von Roma hat,' sagte Roma-Aktivistin Zsuzsanna Lakatos in einem Interview mit The Guardian. Die Nationale Roma-Selbstverwaltung forderte sofortige Aufklärung und erklärte, Roma müssten als Partner behandelt werden, nicht als stigmatisiertes Arbeitskräftereservoir.

Lázár, der die Kritik zunächst als 'Woke-Unsinn' abtat, wurde nach direktem Eingreifen von Ministerpräsident Orbán gezwungen, sich zu entschuldigen. Der Minister erschien auf einer Fidesz-Veranstaltung in Kaposvár, wo er sein Bedauern ausdrückte: 'Ich entschuldige mich, wenn meine Worte ungarische Roma verletzt haben. Das war nicht meine Absicht.' Viele empfanden die Entschuldigung jedoch als unzureichend. Oppositionsführer Péter Magyar bezeichnete sie als 'eine zynische politische Berechnung.'

Wahlauswirkungen und die Macht der Roma-Wähler

Der Zeitpunkt hätte für Fidesz nicht schlechter sein können, das sich seiner schwersten Wahlherausforderung seit 2010 gegenübersieht. Laut Politico sind die Parlamentswahlen am 12. April 2026 die wichtigste Abstimmung in der Europäischen Union in diesem Jahr, wobei die Tisza-Partei von Oppositionsführer Péter Magyar in aktuellen Umfragen führt.

Was Lázárs Äußerungen besonders schädlich macht, ist die historische Abhängigkeit der Fidesz von Roma-Stimmen. Seit 2001 hat Orbán eine 'unausgesprochene Allianz' mit Roma-Gemeinschaften gepflegt, indem Roma-Kandidaten auf Fidesz-Listen gesetzt und gezielte Sozialleistungen bereitgestellt wurden. Schätzungen zufolge unterstützten bei den letzten Wahlen bis zu 90 % der sich selbst als Roma identifizierenden Wähler die Fidesz, trotz der oft offen rassistischen Politik der Partei gegenüber der Gemeinschaft.

'Dies könnte der Moment sein, in dem die Allianz bricht,' erklärte Politikanalyst Gábor Török. 'Roma-Wähler haben der Fidesz viel toleriert, weil sie greifbare Vorteile lieferte, aber öffentlich von einem hohen Minister gedemütigt zu werden, überschreitet eine Grenze.'

Systemische Diskriminierung und politische Kalkulationen

Die Roma-Bevölkerung Ungarns, laut Wikipedia auf 3–8 % der Gesamtbevölkerung geschätzt, ist mit systemischer Diskriminierung konfrontiert, mit höheren Armutsraten, niedrigerer Lebenserwartung und schlechteren Lebensbedingungen als die Allgemeinbevölkerung. Lázárs Äußerungen spiegeln wider, was Aktivisten als 'alltäglichen Rassismus' beschreiben, dem Roma regelmäßig begegnen.

Oppositionsführer Péter Magyar hat die Kontroverse aufgegriffen und angekündigt, Aufnahmen von Lázárs Äußerungen mit mobilen Lautsprechern in 1000 ungarischen Dörfern abzuspielen und Flyer zu verteilen, die die Aussagen hervorheben. 'Wir sorgen dafür, dass jeder Wähler hört, was Fidesz wirklich über ungarische Bürger denkt,' erklärte Magyar kürzlich auf einer Veranstaltung.

Der Skandal kommt nur 10 Wochen vor Wahlen, die Orbáns 16-jährige Herrschaft beenden könnten. Mit Tausenden von Demonstranten in Budapest, die Lázárs Rücktritt fordern, und Oppositionsparteien, die ihren Vorsprung in den Umfragen halten, haben die unbedachten Äußerungen des Ministers möglicherweise eine Wahlkrise geschaffen, die selbst Orbáns politisches Geschick nicht leicht lösen kann.

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