EU nimmt harte Linie gegen chinesische Tech in kritischer Infrastruktur
Die Europäische Kommission hat einen bahnbrechenden Vorschlag für Cybersicherheit vorgelegt, der die Mitgliedstaaten zwingen wird, chinesische Technologiegiganten wie Huawei und ZTE aus kritischen 5G-Netzen in ganz Europa zu verbannen. Nach Jahren freiwilliger Leitlinien, bei denen viele Länder nur zögerlich handelten, setzt Brüssel nun einen verbindlichen Ansatz für das durch, was es als 'Hochrisiko-Lieferanten' in sensiblen Infrastrukturen bezeichnet.
Von freiwilligen zu verbindlichen Beschränkungen
Die EU-Kommissarin für Technologie und Sicherheitspolitik, Henna Virkkunen, äußerte klare Frustration über die aktuelle Situation: 'Ich bin nicht zufrieden damit, wie die Mitgliedstaaten unsere 5G-Toolbox umgesetzt haben. Wir wissen, dass wir immer noch Hochrisiko-Lieferanten in unseren 5G-Netzen haben, in den kritischen Teilen, also bekommen wir jetzt strengere Regeln dazu.'
Der neue Vorschlag für einen Cybersecurity Act, der voraussichtlich diese Woche offiziell vorgestellt wird, stellt eine signifikante Eskalation in Europas Ansatz zur digitalen Souveränität dar. Die Gesetzgebung würde Beschränkungen für chinesische Lieferanten verbindlich machen, anstatt sie freiwillig zu gestalten, wie in der EU-5G Security Toolbox von 2020 dargelegt.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Übergangsfrist
Die Europäische Kommission schätzt, dass die Ausphasung von Hochrisiko-Lieferanten aus Mobilfunknetzen zwischen 3 und 4 Milliarden Euro kosten wird. Netzbetreiber erhalten eine Übergangsfrist von drei Jahren, um bestehende Ausrüstung zu entfernen, sobald das Gesetz in Kraft tritt.
Virkkunen betonte das Sicherheitsimperativ: 'EU-Hauptstädte investieren jetzt stark in Verteidigung und Sicherheit, und gleichzeitig können wir keine Situation haben, in der wir Hochrisiko-Lieferanten in einem kritischen Teil unserer kritischen Infrastruktur haben.'
Über Telekommunikation hinaus: breitere Tech-Lieferketten
Obwohl der direkte Fokus auf 5G-Netzen liegt, hat die Gesetzgebung breitere Implikationen. Das Cybersicherheitsgesetz zielt darauf ab, chinesische Lieferanten bei der Bereitstellung von Technologieausrüstung in mehreren kritischen Sektoren einzuschränken, einschließlich Energie, Sicherheit und Transport.
Unternehmen, die unter scharfe Beobachtung geraten könnten, sind unter anderem der Flughafensicherheits-Scannerhersteller Nuctech, der Überwachungskamerahersteller Hikvision, Huawei's Solarpanel-Komponenten und chinesische Hersteller vernetzter Fahrzeuge. Die Gesetzgebung folgt auf wachsende Bedenken hinsichtlich Europas Abhängigkeit von Nicht-EU-Technologielieferanten angesichts zunehmender Cyberbedrohungen und ausländischer Einmischung.
Chinas Reaktion und Handelsimplikationen
China hat bereits starken Widerstand gegen die vorgeschlagenen Maßnahmen signalisiert. Linlin Liang, Direktorin für Kommunikation und Forschung bei der China Chamber of Commerce to the EU, warnte Anfang dieses Monats, dass die Blockierung von Technologie aufgrund ihrer Herkunft 'Investitionen chinesischer Unternehmen abschrecken wird.'
Huawei hat den Vorschlag als diskriminierend bezeichnet und als Verstoß gegen WTO-Verpflichtungen. Das Unternehmen erklärte, es behalte sich das Recht vor, seine Interessen zu schützen, was den Weg für potenzielle Handelskonflikte zwischen Brüssel und Peking ebnet.
Politische Herausforderungen voraus
Der Vorschlag steht vor erheblichen politischen Hürden. Nationale Hauptstädte haben Bedenken geäußert über das, was sie als Brüsseler Einmischung in die nationale Sicherheitspolitik sehen. Die Gesetzgebung muss nun Verhandlungen sowohl im Europäischen Parlament als auch im Rat der EU durchlaufen, wo Mitgliedstaaten möglicherweise gegen das, was sie als Machtübernahme durch EU-Institutionen sehen, zurückschlagen werden.
Während Europa mit dem Ausgleich von Sicherheitsbedenken, wirtschaftlichen Interessen und internationalen Beziehungen ringt, stellt diese Cybersicherheitsgesetzgebung eine der bedeutendsten Verschiebungen in der Technologiepolitik der letzten Jahre dar. Das Ergebnis wird nicht nur Europas digitale Infrastruktur prägen, sondern auch seine geopolitische Positionierung in einer zunehmend gespaltenen technologischen Landschaft.
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