Papst Leo XIV segnet Sagrada Família-Turm: Historischer Meilenstein

Papst Leo XIV segnet Sagrada Família-Turm am 10. Juni 2026. 172,5m hoher Turm macht sie zur höchsten Kirche. Kontroversen über Gaudís Vision und Abrisse.

Papst Leo XIV segnet Sagrada Família-Turm: Historischer Meilenstein
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Papst Leo XIV weiht den Turm von Jesus Christus an Barcelonas Sagrada Família ein

Am 10. Juni 2026 segnete Papst Leo XIV den neu fertiggestellten Turm von Jesus Christus an Antoni Gaudís Sagrada Família in Barcelona – ein historischer Moment genau 100 Jahre nach dem Tod des Architekten. An der Zeremonie nahmen König Felipe VI., Königin Letizia und Ministerpräsident Pedro Sánchez teil; Zehntausende Gläubige säumten die Straßen Barcelonas. Der 172,5 Meter hohe Turm macht die Sagrada Família zur höchsten Kirche der Welt und übertrifft das Ulmer Münster.

Die Basilika, deren Bau 1882 unter Francisco de Paula del Villar begann, bevor Gaudí 1883 die Leitung übernahm, ist seit 144 Jahren im Bau. Gaudí starb 1926, als weniger als ein Viertel des Projekts vollendet war. Die Fertigstellung des zentralen Turms – gekrönt von einem 17 Meter hohen, 5,5 Tonnen schweren Vierarmkreuz – ist ein wichtiger Schritt zur Vollendung von Gaudís Meisterwerk. Die Glory-Fassade, die größte und komplexeste, wird jedoch noch ein weiteres Jahrzehnt benötigen; die Fertigstellung wird nun für 2034 erwartet.

Kontroverse um die Treue zu Gaudís Vision

Während die Segnung für viele ein Grund zur Freude war, argumentieren Kritiker, dass die moderne Konstruktion von Gaudís ursprünglicher Vision abgewichen sei. Die Architektin und Kunsthistorikerin Carolina García-Estévez, die Gaudís Werk umfassend erforscht hat, sagte gegenüber NOS: „Die Proportionen sind mathematisch berechnet, nicht auf realen Körpern basiert. Wenn man vor dem Teil steht, den Gaudí selbst geschaffen hat, fühlt man sich wirklich in der Natur. Die Änderungen und Ergänzungen nach seinem Tod sind höchst umstritten.“

García-Estévez glaubt, die Basilika hätte unvollendet bleiben sollen. „Die schönsten Dinge sind per Definition unvollendet, denn genau darum geht es in der Moderne. Wir vollenden nie etwas. Die Zeit holt uns immer ein.“ Besonders kritisch sieht sie das Kreuz auf dem Turm, das mit dem Aufzug erreichbar ist. „Ein Symbol sollte nicht betretbar sein. Ein Symbol ist nur etwas, das man betrachtet und aus dem man Inspiration schöpft.“

Jordi Barbany hingegen, dessen Familienbetrieb seit Generationen an der Sagrada Família arbeitet, sieht die Entwicklung anders: „Für mich liegt die Bedeutung der Sagrada Família darin, dass das Gebäude in Bewegung war, dass es sich weiterentwickelt hat, gemeinsam mit der Gesellschaft.“ Er glaubt, Gaudí habe bewusst Raum für Interpretationen durch zukünftige Generationen gelassen. Die Kontroverse um Gaudís Vermächtnis spaltet weiterhin Architekten und Kunsthistoriker.

Sprachenstreit überschattet religiöse Zeremonie

Der Papstbesuch blieb nicht ohne politische Spannungen. Zunächst veröffentlichte der Vatikan ein Messbuch, das die Segnung ausschließlich auf Spanisch vorsah – was bei katalanischen Separatistenführern wie Carles Puigdemont und Josep Rull auf scharfe Kritik stieß. Innerhalb von 24 Stunden überarbeitete der Vatikan den Plan, und Papst Leo XIV sprach den Segen auf Spanisch und Katalanisch. Der Papst bezeichnete die Sagrada Família als „ein Werk im Fortschritt“ und betonte, dass „Christi Weg eine Reise ist, die nie endet“.

Der Sprachenstreit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen katalanischen Nationalisten und dem spanischen Staat. Die Sagrada Família, ein Symbol der katalanischen Identität und Gaudís tiefem katalanischem Stolz, gerät oft ins Kreuzfeuer der Regionalpolitik. Der Einfluss der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung auf kulturelle Ereignisse bleibt ein heikles Thema in Spanien.

Anwohner in Unsicherheit wegen Glory-Fassade

Während die Turmvollendung weltweit gefeiert wird, stehen die Anwohner vor Ungewissheit: Die geplante Glory-Fassade könnte den Abriss nahegelegener Wohnhäuser erfordern – möglicherweise müssen bis zu 1.000 Familien umgesiedelt werden. Gemeindevertreter sprechen von einem „Druckkessel“; die Bewohner sind frustriert über jahrelange Ungewissheit. Der Vorstand der Basilika hat das Design noch nicht endgültig festgelegt, und betroffene Nachbarschaften haben Proteste organisiert.

Die Sagrada Família zog 2025 fast 5 Millionen Besucher an und erzielte 134,5 Millionen Euro Umsatz, davon 96,9 % aus Ticketverkäufen. Die Auswirkungen des Massentourismus auf Barcelona bereiten Stadtverwaltung und Anwohnern zunehmend Sorgen.

FAQ

Wann wurde der Turm von Jesus Christus der Sagrada Família fertiggestellt?

Das letzte Teil des zentralen Turms wurde am 20. Februar 2026 installiert, wodurch die Basilika ihre volle Höhe von 172,5 Metern erreichte.

Warum segnet Papst Leo XIV die Sagrada Família?

Die Segnung fällt mit dem 100. Todestag von Antoni Gaudí am 10. Juni 1926 zusammen und markiert die Fertigstellung des höchsten Turms der Basilika.

Ist die Sagrada Família nun fertig?

Nein. Der zentrale Turm ist vollendet, aber die Glory-Fassade – die größte und prächtigste – ist noch im Bau; die Fertigstellung wird um 2034 erwartet.

Worum geht es bei der Kontroverse um die Fertigstellung der Sagrada Família?

Kritiker bemängeln, dass moderne Bautechniken und Designentscheidungen von Gaudís ursprünglicher Vision abweichen. Zudem gibt es Bedenken wegen des geplanten Abrisses benachbarter Gebäude für die Glory-Fassade, der Hunderte von Familien vertreiben würde.

Wie viele Menschen besuchen die Sagrada Família jährlich?

2025 zählte die Basilika 4.877.567 Besucher und war damit Spaniens meistbesuchte Touristenattraktion.

Quellen

Dieser Artikel basiert auf Berichten von NOS, The Guardian, The New York Times, The Art Newspaper und der offiziellen Website der Sagrada Família. Weiterführende Informationen finden Sie im Wikipedia-Eintrag zu Sagrada Família.

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