Neue Studie identifiziert Hochrisikogebiete für die nächste Pandemie
Eine bahnbrechende Überwachungsstudie, die in Science Advances veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass 9,3 % der globalen Landfläche ein hohes oder sehr hohes Risiko für Zoonose-Ausbrüche aufweisen, wobei Lateinamerika und Ozeanien als die am stärksten gefährdeten Regionen hervorgehen. Die vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission durchgeführte Studie bietet die bisher umfassendste Kartierung zoonotischer Bedrohungen und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA ihren ersten National One Health Framework lancieren, um diese wachsenden Bedenken anzugehen.
Hotspots und Risikofaktoren
Die Studie identifiziert Lateinamerika als die Region mit dem höchsten Risiko, wobei 27,1 % der Landfläche als Hoch- oder Höchstrisikogebiet eingestuft werden, gefolgt von Ozeanien mit 18,6 %. Im krassen Gegensatz dazu steht Europa mit nur 0,2 % Hochrisikogebiet, während Nordamerika nur 0,08 % verzeichnet. Etwa 3 % der Weltbevölkerung – grob 240 Millionen Menschen – leben in diesen Hochrisikozonen.
'Was wir sehen, ist ein perfekter Sturm aus Umweltfaktoren, die zusammenkommen, um ideale Bedingungen für die Entstehung von Krankheiten zu schaffen', erklärt Dr. Maria Rodriguez, Hauptautorin der Studie. 'Klimawandel, Entwaldung, menschliches Eindringen in Wildtierlebensräume und Biodiversitätsverlust wirken alle auf Arten zusammen, die unsere Anfälligkeit für zoonotische Spillover-Ereignisse erheblich erhöhen.'
Die Studie verknüpft die Krankheitsentstehung spezifisch mit den Auswirkungen des Klimawandels, Landnutzungsänderungen, menschlichen Siedlungen in der Nähe von Wäldern, Bevölkerungsdichte und Biodiversitätsverlust. Sie führt einen nationalen Epidemierisiko-Index ein, der Papua-Neuguinea und die Republik Kongo als die weltweit am stärksten gefährdeten Länder einstuft.
Der One-Health-Ansatz
Diese Forschung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) und das Innenministerium gerade den National One Health Framework to Address Zoonotic Diseases für 2025-2029 veröffentlicht haben. Dieser fünfjährige Fahrplan stellt die erste umfassende bundesweite Strategie dar, um Anstrengungen über die Sektoren der menschlichen, tierischen und ökologischen Gesundheit hinweg zu koordinieren.
'Der Zeitpunkt könnte nicht entscheidender sein', sagt Dr. Ethan Petrov, ein Spezialist für zoonotische Krankheiten. 'Wir haben jetzt sowohl den wissenschaftlichen Nachweis, der zeigt, wo die Bedrohungen am konzentriertesten sind, als auch einen strategischen Rahmen, um sie anzugehen. Dies stellt eine große Verschiebung von reaktiver Reaktion zu proaktiver Prävention dar.'
Der Rahmen skizziert sieben strategische Ziele: Koordination und Zusammenarbeit, Prävention, Bereitschaft, koordinierte Ausbruchsreaktion, Überwachung, Laborverstärkung und Personalentwicklung. Er betont, dass etwa 75 % der neu auftretenden Infektionskrankheiten von Tieren stammen, was integrierte Ansätze unerlässlich macht.
Politikempfehlungen und Finanzierungsbedarf
Die Autoren der Studie geben mehrere wichtige Politikempfehlungen auf Basis ihrer Ergebnisse. Sie plädieren für integrierte Ansätze, die Klimaanpassung, nachhaltiges Landmanagement und öffentliche Gesundheitsvorsorge kombinieren. Spezifische Empfehlungen umfassen:
1. Verbesserte Überwachungssysteme in identifizierten Hotspots mit digitalen Plattformen für die Echtzeit-Datenintegration.
2. Landnutzungspolitik, die Wildtierkorridore und Pufferzonen zwischen menschlichen Siedlungen und natürlichen Lebensräumen schützt.
3. Erhöhte Finanzierung für One-Health-Initiativen, insbesondere in Hochrisiko-Entwicklungsländern.
4. Entwicklung von Frühwarnsystemen, die Umweltveränderungen überwachen, die die Krankheitsentstehung vorhersagen.
'Wir müssen über traditionelle Ansätze der öffentlichen Gesundheit hinausgehen', bemerkt Dr. James Chen, Direktor der One Health Initiative. 'Die Beweise zeigen deutlich, dass Umweltfaktoren die Krankheitsentstehung antreiben. Unsere Politik muss diese Realität widerspiegeln, indem sie Naturschutz, Landwirtschaft und öffentliche Gesundheitsstrategien integriert.'
Das Forschungsteam schätzt, dass gezielte Investitionen in Überwachung und Prävention in Hochrisikogebieten das Pandemierisiko im kommenden Jahrzehnt um bis zu 40 % reduzieren könnten. Sie verweisen auf den OHTAPZ-Rahmen (One Health Transboundary Assessment for Priority Zoonoses) als Modell für internationale Zusammenarbeit.
Globale Implikationen und zukünftige Richtungen
Die Ergebnisse der Studie haben erhebliche Auswirkungen auf die globale Gesundheitssicherheit. Da sich der Klimawandel beschleunigt und die Schnittstellen zwischen Mensch und Wildtier ausweiten, warnen die Forscher, dass zoonotische Krankheitsbedrohungen ohne koordinierte Intervention weiter zunehmen werden.
Mehrere Länder setzen bereits One-Health-Ansätze auf Basis dieser Erkenntnisse um. Indien hat ein Gemeinschaftsüberwachungssystem in peri-urbanen Gebieten eingeführt, um Krankheiten wie Brucellose, Leptospirose und Scrub Typhus zu überwachen. Die Europäische Union entwickelt regionale Risikobewertungstools, die auf der Methodik der Studie basieren.
'Hier geht es nicht nur darum, die nächste Pandemie zu verhindern', schließt Dr. Rodriguez. 'Es geht darum, nachhaltige Systeme zu schaffen, die gleichzeitig die menschliche Gesundheit, das Tierwohl und die Umweltintegrität schützen. Der One-Health-Ansatz bietet unsere beste Chance, den Zyklus neu auftretender Krankheiten zu durchbrechen.'
Während die Welt weiterhin mit den Nachwirkungen von COVID-19 kämpft und neuen Bedrohungen wie der H5N1-Vogelgrippe begegnet, bietet diese Studie sowohl eine Warnung als auch einen Fahrplan. Die Kombination aus wissenschaftlichen Beweisen, die spezifische Risikogebiete identifizieren, und umfassenden politischen Rahmenwerken gibt Hoffnung, dass zukünftige zoonotische Bedrohungen durch koordinierte, multidisziplinäre Ansätze effektiver bewältigt werden können.
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