Royal Mail hat Pläne bestätigt, bis Ende 2027 bis zu 2.500 Stellen in der Zentrale und in Support-Funktionen zu streichen. Der Postdienst erklärt, dies sei notwendig, um Kosten zu senken und ein 500-Millionen-Pfund-Programm zur Verbesserung der Zustellung zu finanzieren. Die von BBC News gemeldete Ankündigung betrifft weniger als 2 % der über 131.000 Beschäftigten und soll durch natürliche Fluktuation und freiwillige Abfindungen erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant.
Was plant Royal Mail?
Die Kürzungen beschränken sich auf die Zentrale und andere Support-Rollen. Operative Mitarbeitende – Postboten, Fahrer sowie Zustell- und Sortierteams – sind ausgenommen. Das Unternehmen hat die formelle Konsultation mit der Communication Workers Union (CWU) und Unite CMA begonnen. Royal Mail bezeichnet die Änderungen als Teil einer bedeutenden Transformation angesichts eines sich schnell wandelnden Marktes. CEO Alistair Cochrane räumte ein, diese Veränderungen werden nicht einfach sein, betonte aber, sie beseitigten Doppelstrukturen und setzten Investitionen für den Kundenservice frei. Es ist nicht das erste Mal: Schon in den 2000er und 2010er Jahren baute das Unternehmen Tausende Managementstellen ab – eine Umstrukturierung bei Royal Mail mit langer Vorgeschichte.
Warum streicht Royal Mail 2.500 Stellen?
Royal Mail steht unter starkem finanziellen Druck: Das Briefvolumen ist gegenüber dem Höchststand um mehr als 70 % gefallen, während die Paketnachfrage wächst, der Wettbewerb aber hart bleibt. Die Einsparungen sollen in ein fünfjähriges, 500 Millionen Pfund schweres Programm zur Zustellverbesserung fließen. Die Regulierungsbehörde Ofcom verhängte eine Rekordstrafe von 21 Millionen Pfund, nachdem 2024/25 nur 77 % der First-Class-Briefe pünktlich zugestellt wurden – Ziel waren 93 %. Im April 2026 setzte Royal Mail neue Ziele: 90 % First-Class am nächsten Tag und 95 % Second-Class innerhalb von drei Tagen bis Mai 2027. Die Reform des britischen Postdienstes umfasst zudem das Ende der Samstagszustellung von Second-Class-Post.
Das 500-Millionen-Pfund-Zustellprogramm
Die Investition unter der EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky, die 2025 die Muttergesellschaft International Distribution Services für 3,6 Milliarden Pfund übernahm, soll das Äquivalent von 3.000 Vollzeit-Zustellstellen schaffen und rund 6.000 Teilzeitkräfte zu längeren Arbeitszeiten bewegen. Laut The Guardian sollen die Einsparungen aus den Zentrale-Kürzungen dieses Programm finanzieren. Das Unternehmen will zudem Entscheidungswege straffen, um schneller auf den wachsenden britischen Paketmarkt zu reagieren.
Reaktion der Gewerkschaften
Die CWU kritisierte die Ankündigung als demoralisierend für die Beschäftigten, auch Unite CMA äußerte Bedenken. Royal Mail besteht darauf, dass die Reduzierungen ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich sind. Die formelle Konsultation läuft, und die Gewerkschaften werden prüfen, wie freiwillige Abfindungen und natürliche Fluktuation gesteuert werden.
Was bedeutet das für die britische Wirtschaft?
Der IWF erklärte im September 2026, das globale Wachstum steuere 2026 auf rund 3 % zu, warnte aber vor anhaltend hohen Risiken, darunter gestiegene Energiekosten für Unternehmen. Für einen großen britischen Arbeitgeber wie Royal Mail können Stellenverluste in der Zentrale lokale Volkswirtschaften treffen. Da die Kürzungen jedoch operative Rollen aussparen und auf Freiwilligkeit setzen, dürfte die unmittelbare Wirkung auf Postjobs begrenzt sein. Analysten sehen darin eine Verschiebung hin zu Automatisierung und schlankeren Strukturen im Logistiksektor.
FAQ
Wie viele Stellen streicht Royal Mail?
Bis zu 2.500 Stellen in Zentrale und Support – weniger als 2 % der über 131.000 Beschäftigten – bis Ende 2027.
Sind betriebsbedingte Kündigungen geplant?
Nein. Die Reduzierung soll über natürliche Fluktuation und freiwillige Abfindungen erfolgen.
Sind Zusteller betroffen?
Nein. Zustell- und Sortierpersonal, darunter Postboten und Fahrer, ist ausgenommen.
Warum werden Stellen gestrichen?
Um Kosten zu senken und ein 500-Millionen-Pfund-Zustellprogramm zu finanzieren, nachdem das Briefvolumen um über 70 % gefallen ist und Regulierungsziele verfehlt wurden.
Wem gehört Royal Mail?
Der EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky, die 2025 die International Distribution Services übernahm.
Fazit
Die Umstrukturierung der Zentrale ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur finanziellen Nachhaltigkeit. Während das Unternehmen die Kürzungen als notwendig für den Kundenservice darstellt, stehen Gewerkschaften und Beschäftigte vor Unsicherheit. Der Erfolg hängt davon ab, wie die freiwilligen Angebote angenommen werden und ob die 500-Millionen-Investition bis 2027 die versprochene Verbesserung bringt.
Quellen
BBC News, Reuters, Sky News, The Guardian, IWF World Economic Outlook Juli 2026.
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