China lehnt Atomwaffenverhandlungen ab, New START endet

China weigert sich, an Atomwaffenverhandlungen teilzunehmen, während der New-START-Vertrag zwischen den USA und Russland ausläuft. Damit sind die beiden größten Atommächte erstmals seit dem Kalten Krieg ohne verbindliche Rüstungsgrenzen. Die UN warnt vor dem höchsten Atomwaffenrisiko seit Jahrzehnten.

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Kernwaffenkontrolle tritt in gefährliche neue Ära ein

Die Welt trat am 5. Februar 2026 in eine gefährliche neue Phase der Kernwaffenkontrolle ein, als der New-START-Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Russland offiziell auslief. Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg sind die beiden nuklearen Supermächte nicht mehr durch verbindliche Grenzen für ihre strategischen Arsenale gebunden. Die Situation wurde komplexer, als China ankündigte, sich nicht an künftigen Atomwaffenverhandlungen zu beteiligen, was einen Dreieckskonflikt schafft, der nach Ansicht von Experten ein neues globales Wettrüsten auslösen könnte.

Chinas trotzige Haltung

Das chinesische Außenministerium machte seine Position deutlich: 'China wird sich derzeit nicht an Verhandlungen über einen neuen Atomwaffenvertrag beteiligen. Unsere nuklearen Fähigkeiten sind von einer völlig anderen Größenordnung als die der Vereinigten Staaten und Russlands.' Diese Erklärung erfolgte, nachdem die Vereinigten Staaten darauf gedrängt hatten, dass jede Verlängerung von New START oder ein neues Abkommen China einbeziehen müsse, angesichts der sich rasch ausweitenden Atomwaffenarsenale Pekings.

Laut dem SIPRI-Jahrbuch 2025 wächst Chinas Atomwaffenarsenal um etwa 100 neue Sprengköpfe pro Jahr und könnte bis 2035 auf 1.500 anwachsen. Obwohl aktuelle Schätzungen Chinas Bestand auf etwa 600 Sprengköpfe beziffern, bedeutet dies einen erheblichen Anstieg gegenüber vor wenigen Jahren und markiert die schnellste nukleare Expansion aller Länder.

Ende einer Ära für die US-Russland-Beziehungen

Der New-START-Vertrag, unterzeichnet im Jahr 2010 und in Kraft getreten 2011, hatte jedes Land auf 1.550 einsatzbereite strategische Atomsprengköpfe, 700 einsatzbereite Trägersysteme und 800 Startvorrichtungen insgesamt begrenzt. Der Vertrag umfasste entscheidende Verifikationsmaßnahmen wie Vor-Ort-Inspektionen und Datenaustausch, die Transparenz zwischen den beiden nuklearen Großmächten boten.

Russland hatte seine Teilnahme am Vertrag im Februar 2023 ausgesetzt und verwies auf amerikanische Unterstützung für die Ukraine, behauptete aber, sich weiterhin an die numerischen Grenzen zu halten. Mit dem Auslaufen des Vertrags sind beide Länder nun erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert vollständig frei von Beschränkungen für ihre Atomwaffenarsenale.

Globale Besorgnis nimmt zu

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte eine düstere Warnung zur Situation: 'Dies ist ein ernster Moment für den internationalen Frieden und die Sicherheit. Zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert gibt es keine verbindlichen Grenzen für die strategischen Atomwaffenarsenale der beiden Länder, die über 80 % der weltweiten Atomsprengköpfe kontrollieren.' In seiner offiziellen Erklärung stellte Guterres fest, dass das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes nun so hoch sei wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Der Kreml reagierte mit der Aussage, dass Russland trotz des Auslaufens des Vertrags einen 'verantwortungsvollen Ansatz' beibehalten werde, betonte aber, dass nationale Interessen Vorrang hätten. Das Weiße Haus gab an, dass Präsident Trump die nächsten Schritte in Bezug auf Atomwaffen 'zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt' bestimmen werde.

Was kommt als Nächstes?

Experten sind zutiefst besorgt über die Auswirkungen. 'Wir betreten unbekanntes Terrain,' sagt die Nuklearpolitikanalystin Dr. Elena Petrova. 'Ohne die Transparenz und Vorhersehbarkeit, die Rüstungskontrollabkommen bieten, werden Missverständnisse und Fehleinschätzungen viel wahrscheinlicher. Die Hinzufügung von Chinas wachsendem Arsenal zur Gleichung schafft ein Dreikörperproblem der nuklearen Stabilität, das wir noch nie zuvor bewältigen mussten.'

Die Federation of American Scientists schätzt, dass es weltweit etwa 12.321 Atomsprengköpfe gibt (Stand Anfang 2026), wobei die Vereinigten Staaten und Russland etwa 86 % des Gesamtbestands besitzen. Davon sind 3.912 Sprengköpfe tatsächlich bei operativen Streitkräften stationiert, wobei etwa 2.100 amerikanische, russische, britische und französische Sprengköpfe in hoher Alarmbereitschaft gehalten werden.

Während die Welt diese neue nukleare Landschaft navigiert, stellt die Abwesenheit Chinas am Verhandlungstisch ein erhebliches Hindernis für jeden künftigen Rüstungskontrollrahmen dar. Da alle drei großen Atomwaffenmächte nun unterschiedliche strategische Wege verfolgen, steht die internationale Gemeinschaft vor der entmutigenden Herausforderung, ein neues Wettrüsten zu verhindern und gleichzeitig die globale Stabilität in einer zunehmend multipolaren Welt aufrechtzuerhalten.

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