Eine neue Ära in den transatlantischen Beziehungen
Die transatlantische Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa hat nach einer turbulenten Woche auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos eine grundlegende Transformation durchlaufen. Während Präsident Donald Trump von militärischen Drohungen gegen Grönland absah, warnen Experten, dass der Schaden für die NATO und die europäisch-amerikanischen Beziehungen irreversibel sein könnte.
'Wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte,' erklärte der kanadische Premierminister Carney in einer vielgelobten Rede, die die Stimmung vieler europäischer Führungspersönlichkeiten zusammenfasste. NATO-Generalsekretär Mark Rutte wählte einen versöhnlicheren Ton und sprach von 'Diskussionen' unter Verbündeten, aber die zugrunde liegenden Spannungen waren unverkennbar.
Glaubwürdigkeit der NATO beschädigt
Laurien Crump, Außenpolitikexpertin an der Radboud Universität, ist der Ansicht, dass die Glaubwürdigkeit der NATO enormen Schaden genommen hat. 'Das Überleben der NATO stand zum ersten Mal wirklich auf dem Spiel,' sagt sie. 'Als Trump sagte "wenn wir etwas nicht besitzen, werden wir es nicht verteidigen", ist das im Grunde das Ende von Artikel 5.'
Artikel 5 des NATO-Vertrags, der besagt, dass ein Angriff auf einen Mitgliedstaat ein Angriff auf alle ist, ist seit 1949 der Eckpfeiler der transatlantischen Sicherheit. Gemäß den Grundprinzipien der NATO wurde diese kollektive Verteidigungsverpflichtung nur einmal aktiviert – nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Die Grönland-Achterbahn
Die Grönlandkrise illustriert, was Giles Scott-Smith, Professor für Transnationale Beziehungen an der Universität Leiden, die 'Achterbahnfahrt' der derzeitigen Beziehungen nennt. 'Die relativen Gewissheiten der letzten 70 Jahre wurden innerhalb eines Tages völlig aufgegeben und dann teilweise zurückgewonnen,' erklärt er. 'Aber man weiß nicht genau, woran man ist.'
Laut Berichten aus Davos gab Trump bekannt, dass er keine militärische Macht einsetzen werde, um Grönland zu erwerben, bestand aber weiterhin auf amerikanischem Eigentum an dem halbautonomen dänischen Gebiet. Er enthüllte einen 'Rahmen für einen zukünftigen Deal' mit Rutte über Grönland und die Arktis, was ihn dazu veranlasste, geplante Zölle von 10 % auf acht europäische Länder fallen zu lassen.
Trumps 'Friedensrat' als Herausforderung für die UN
Vielleicht die bedeutendste Entwicklung war Trumps Start einer 'Board of Peace'-Initiative, die Kritiker als Versuch sehen, eine Alternative zu den Vereinten Nationen zu schaffen. Wie von CBC berichtet, haben etwa 30 Länder unterzeichnet, darunter Nahost-Mächte wie Katar, Ägypten, VAE, Jordanien und Saudi-Arabien, aber nur zwei EU-Mitglieder (Bulgarien und Ungarn).
'Das ist eine harte Abkehr von den Vereinten Nationen,' sagt Crump. 'Trump ist wirklich mit einem Abrisshammer durch die Welt gegangen. Das sind Mafia-Methoden auf Weltebene. Mit diesem Friedensrat wird sein Machtdenken institutionalisiert.'
Die Reaktion der EU: Die 'Handelsbazooka'
Die primäre Reaktion der Europäischen Union war wirtschaftlicher Natur. Die Union drohte mit dem, was der französische Präsident Emmanuel Macron die 'Handelsbazooka' nennt – dem Anti-Coercion Instrument (ACI) der EU. Laut Analyse kann dieser umfangreiche Satz von Handelsmaßnahmen amerikanischen Unternehmen Milliardenverluste zufügen und würde mindestens sechs Monate dauern, um aktiviert zu werden.
Markha Valenta, Dozentin für Politikwissenschaft an der Universität Utrecht, stellt fest, dass die EU vor einer schwierigen Wahl steht: 'Wir in der EU sind uns nicht einig, ob wir die Wiederherstellung der NATO wollen oder ob das Ziel darin besteht, einen parallelen Sicherheitsapparat zu entwickeln.'
Eine strukturelle Verschiebung, nicht nur persönliche Politik
Experten betonen, dass es hierbei nicht nur um Trumps Persönlichkeit geht. 'Trump ersetzt Strukturen durch persönliche Politik,' warnt Valenta. 'In dem Moment, in dem er stirbt, entsteht Chaos.' Sie weist auf das Netzwerk von Menschen hin, die seine Ideen entwickeln und neue Bande knüpfen.
Scott-Smith stimmt zu: 'Eine Rückkehr zur liberalen Weltordnung ist schwieriger geworden. Viele Länder folgen dieser Linie nicht mehr und Trump stärkt autoritäre Staaten.'
Die Lehre dieser Woche ist laut Crump klar: 'Dieser Bruch kann nicht gekittet, aber überlebt werden, indem man die Sprache der Macht spricht.' Sie sieht einen Hoffnungsschimmer in jüngsten EU-Erklärungen: 'Es wurde gesagt, dass wir Macht nur mit Gegengewalt begegnen können. Das halte ich für einen sehr wichtigen Schritt.'
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