Moderne Fahrzeuge sammeln massenhaft persönliche Daten
Moderne Autos werden zunehmend zu Überwachungsgeräten auf Rädern und sammeln riesige Mengen persönlicher Daten von Fahrern und Passagieren. Ein neues US-Bundesgesetz wird bald Infrarot-Biometriekameras in allen Neufahrzeugen vorschreiben, was ernste Datenschutzbedenken aufwirft. Die Krise des Autodatenschutzes droht sich zu verschärfen.
Laut einem Mozilla-Bericht von 2023 sind Autos die schlechteste Produktkategorie für den Datenschutz. 84 % der Marken geben Daten an Dritte weiter oder verkaufen sie, 56 % würden informellen Regierungsanfragen nachkommen. Gesammelt werden Name, Alter, Rasse, Geschlecht, Gewicht, psychologische Profile und Gesichtsausdrücke. Nur Renault und Dacia erlauben Datenlöschung.
Welche Daten sammelt Ihr Auto?
- Persönliche Identifikation: Name, Adresse, E-Mail, Telefonnummer
- Biometrische Daten: Gesichtsausdrücke, Augenbewegungen, Pupillenerweiterung
- Gesundheitsdaten: Gewicht, Herzfrequenz, Beeinträchtigungsanzeichen
- Verhaltensdaten: Fahrgewohnheiten, Routen, Geschwindigkeit
- Standortdaten: GPS-Tracking jeder Fahrt
- Innenraum-Audio/Video: Aufzeichnungen von Gesprächen
Neues US-Gesetz schreibt Biometriekameras vor
Der Infrastructure Investment and Jobs Act von 2021 verpflichtet ab September 2027 alle Neufahrzeuge zur 'Advanced Impaired Driving Prevention Technology'. Infrarotkameras überwachen Augenbewegungen und Pupillenerweiterung, um Alkohol- oder Müdigkeitszustände zu erkennen. Bei Erkennung kann das System den Start verhindern oder das Fahrzeug anhalten. Das Mandat soll jährlich 9.000–10.000 Leben retten.
Datenschutzrisiken der Pflichtüberwachung
Datenschützer kritisieren fehlende Bundesgarantien für die biometrischen Daten. Jen Caltrider von Mozilla: 'Die Daten könnten missbraucht werden.' Ohne ein Bundesdatenschutzgesetz könnten Versicherer und Strafverfolger auf die Daten zugreifen. Bisher gibt es nur teilweise Schutz durch einzelstaatliche Gesetze wie Illinois' BIPA.
Reale Konsequenzen: Versicherungen
GM verkaufte Fahrerdaten an LexisNexis, was zu höheren Versicherungsprämien führte. Die FTC schritt ein, doch andere Hersteller machen weiter. Autohersteller verdienen bis zu 100 $ pro Fahrzeug jährlich mit Datenverkauf. Die FTC-Maßnahme gegen GM-Datenaustausch setzt ein Zeichen, reicht aber nicht.
Was können Fahrer tun?
- Datenschutzeinstellungen prüfen und Opt-out nutzen
- Konnektivität deaktivieren
- Datenschutzrichtlinie des Herstellers lesen
- Autobauer wie Renault/Dacia wählen
Häufig gestellte Fragen
Was ist das neue Gesetz?
Ab September 2027 müssen alle Neufahrzeuge Infrarotkameras zur Erkennung von Fahrbeeinträchtigung haben (Alkohol, Müdigkeit, Ablenkung).
Dürfen Hersteller Daten verkaufen?
Ja. 84 % der Marken verkaufen oder teilen Daten. Kein Bundesgesetz verbietet es.
Kann ich Datensammlung verhindern?
Teilweise durch Deaktivieren verbundener Dienste. Die biometrische Überwachung wird jedoch Pflicht und ist nicht abwählbar.
Welche Daten erfassen die Kameras?
Augenbewegungen, Gesichtsausdrücke, Kopfposition – sensible biometrische Informationen.
Sind europäische Autos besser?
Renault und Dacia erlauben Datenlöschung; EU-Gesetze sind strenger, gelten aber nicht in den USA.
Quellen
Mozilla Foundation - Autos: schlechteste Produktkategorie für Datenschutz
BBC Future - Ihr Auto spioniert Sie aus
New York Times - Autohersteller verfolgen Fahrer und teilen Daten mit Versicherern
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