Internationale Empörung über Trumps Afghanistan-Äußerungen
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat mit seinen jüngsten Äußerungen über den Einsatz von NATO-Verbündeten während des Krieges in Afghanistan einen Sturm internationaler Kritik ausgelöst. In einem Interview mit Fox News behauptete Trump, dass NATO-Truppen während des 20-jährigen Konflikts "ein bisschen hinter der Frontlinie geblieben" seien. Diese Aussagen wurden von Militärführern, Politikern und Familien gefallener Soldaten in ganz Europa als "respektlos", "faktisch falsch" und "skandalös" verurteilt.
Niederländische und europäische Führungskräfte reagieren scharf
Der ehemalige NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, der das Bündnis von 2004 bis 2009 leitete, äußerte tiefe Frustration über Trumps Worte. 'Es geschah während meines Mandats, in einer Koalition von fünfzig Ländern und vielen Partnern, die dort an der Front kämpften und Soldaten verloren. Und dann bekommt man so etwas!' erzählte De Hoop Scheffer niederländischen Medien. Er betonte, dass Trumps Bemerkungen 'jedes Maß überschreiten, besonders wenn ich an die Menschen denke, deren Angehörige in Afghanistan zurückgeblieben sind.'
Der geschäftsführende Verteidigungsminister Brekelmans reagierte ebenfalls heftig und merkte an, dass 'Wir als Niederlande an verschiedenen Missionen in Afghanistan teilgenommen haben, an der Frontlinie. Es sind 25 Soldaten ums Leben gekommen.' Er erinnerte daran, dass Artikel 5 des NATO-Vertrags nur einmal in der Geschichte aktiviert wurde - von den Vereinigten Staaten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 - und dass Trumps Äußerungen 'nicht mit den großen Opfern übereinstimmen, die niederländische Soldaten und ihre Familien gebracht haben.'
Britische Reaktion und königliche Antwort
Im Vereinigten Königreich, wo 457 Soldaten in Afghanistan starben, nannte Premierminister Keir Starmer Trumps Äußerungen 'beleidigend und schlicht schrecklich' und schlug vor, dass der ehemalige Präsident sich entschuldigen sollte. Der britische Verteidigungsminister Alistair Carns, ein Veteran von fünf Missionen in Afghanistan, betonte, dass NATO-Verbündete 'Blut, Schweiß und Tränen gemeinsam vergossen haben' während des Konflikts.
Prinz Harry, der zwei Einsätze in Afghanistan als Apache-Hubschrauberpilot diente, gab eine Erklärung ab, in der er für 'Ehrlichkeit und Respekt' bei der Diskussion der Afghanistan-Missionen plädierte. 'Tausende Leben sind für immer verändert worden. Mütter und Väter haben ihre Söhne und Töchter begraben. Kinder müssen ohne Elternteil leben und Familien tragen die Konsequenzen,' betonte der Prinz.
Historischer Kontext und die Rolle der NATO
Die NATO-Mission in Afghanistan begann, nachdem die Vereinigten Staaten Artikel 5 des NATO-Vertrags nach den Anschlägen vom 11. September 2001 aktiviert hatten. Dies markierte das einzige Mal in der 75-jährigen Geschichte der NATO, dass die kollektive Verteidigungsklausel aktiviert wurde. Die International Security Assistance Force (ISAF) umfasste schließlich 51 Länder mit etwa 130.000 Soldaten auf ihrem Höhepunkt.
Laut Wikipedia aktivierte die NATO zwar Artikel 5, aber die Vereinigten Staaten waren anfangs skeptisch gegenüber NATO-Fähigkeiten und suchten keine weitere Bündnisunterstützung für die Invasion. Die NATO richtete und entsandte später ISAF, um Afghanistan nach der US-Invasion zu stabilisieren.
Niederländisches Opfer in Afghanistan
Die Niederlande entsandten zwischen 2002 und 2021 etwa 30.000 Soldaten nach Afghanistan, wobei 25 Soldaten ihr Leben ließen. Niederländische Truppen waren vor allem in der Provinz Uruzgan aktiv, wo sie von 2006 bis 2010 die Task Force Uruzgan führten. Wie von Wikipedia beschrieben, erlebte die niederländische Streitmacht erhebliche Kämpfe, einschließlich der Schlacht von Chora im Juni 2007, die zu niederländischen Opfern führte.
Der geschäftsführende Außenminister Van Weel, der Afghanistan mehrmals besuchte, widerlegte Trumps Behauptungen direkt: 'Ich war selbst mehrmals in Afghanistan, in Uruzgan. Bei den Briten, den Kanadiern, es war wirklich der Hotspot der Taliban, das war wirklich die Frontlinie. Es ist nicht respektvoll und daher auch nicht wahr.'
Breitere internationale Reaktion
In ganz Europa sind die Reaktionen einhellig kritisch. Der polnische Premierminister Donald Tusk erinnerte an eine Abschiedszeremonie im Jahr 2011 für fünf gefallene Soldaten in Afghanistan und merkte an, dass amerikanische Offiziere ihm sagten, dass 'Amerika die polnischen Helden niemals vergessen würde.' Er schlug vor, dass sie Präsident Trump daran erinnern sollten.
Lucy Aldridge, Mutter des jüngsten britischen Soldaten, der im Alter von 18 Jahren in Afghanistan getötet wurde, erzählte CBS News, dass sie 'zutiefst angewidert' von Trumps Äußerungen sei. Der ehemalige britische Armeechef Lord Richard Dannatt nannte die Aussagen 'skandalös' und 'faktisch falsch,' während der polnische General a.D. Roman Polko eine Entschuldigung forderte und erklärte, dass Verbündete 'mit Blut für dieses Bündnis bezahlt haben.'
Politische Implikationen und zukünftige Beziehungen
Die Kontroverse kommt vor dem Hintergrund anhaltender Bedenken über Trumps Haltung zur NATO. Wie von AP News berichtet, hat Trump früher bezweifelt, ob die USA NATO-Verbündete verteidigen würden, die ihre Verteidigungsausgabenziele nicht erfüllen, was Unsicherheit über das amerikanische Engagement für das Bündnis schafft.
Der derzeitige NATO-Generalsekretär Mark Rutte soll Trump direkt beim Weltwirtschaftsforum in Davos angesprochen und ihm versichert haben, dass Verbündete Amerika sicher zu Hilfe kommen würden, wenn nötig. Trumps wiederholte Zweifel an den Artikel-5-Verpflichtungen belasten jedoch weiterhin die transatlantischen Beziehungen und verursachen Sorgen über die Zukunft des 75-jährigen Bündnisses.
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