Maplehurst-Skandal: Fünfter Häftling freigelassen

Ein fünfter Häftling wurde aus Ontarios Maplehurst-Gefängnis entlassen, nachdem Kollektivstrafen der Wärter als Verstoß gegen die Charterrechte eingestuft wurden. Der Skandal führte zu Dutzenden Verfahrenseinstellungen und einer Sammelklage über 30 Mio. Dollar.

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Maplehurst-Skandal: Fünfter Häftling freigelassen

Ein kanadisches Gericht hat die Freilassung eines fünften Häftlings aus dem Maplehurst Correctional Complex in Ontario angeordnet – aufgrund systematischer Misshandlungen durch Gefängniswärter. Der Skandal erschüttert das Justizsystem der Provinz. Harris Mohamed, dem Raub vorgeworfen wurde, wurde im Mai 2026 freigelassen, nachdem ein Richter entschied, dass seine Charterrechte durch brutale Kollektivstrafen im Dezember 2023 verletzt wurden. Der Fall wurde am 11. Juni 2026 vom Toronto Star zuerst berichtet.

Hintergrund: Der Vorfall vom Dezember 2023

Vom 22. bis 24. Dezember 2023 führte das Institutional Crisis Intervention Team (ICIT) einen koordinierten Einsatz gegen alle rund 192 Häftlinge der Einheit 8 durch. Die Aktion war eine Kollektivstrafe für einen einzelnen Häftling, der einen Wärter angegriffen hatte. Wärter entfernten Insassen gewaltsam aus ihren Zellen, fesselten ihre Hände schmerzhaft mit Kabelbindern, sprühten Pfefferspray in ihre Gesichter und zwangen sie, stunden- oder tagelang in Unterwäsche zu sitzen, während Ventilatoren die Kälte verstärkten. Viele berichteten von Schlägen; einer musste unter Schlägen „Jingle Bells“ singen. Der Ontario prison abuse scandal wurde mit Folter verglichen. Ein Richter nannte die Aktionen „reine Rache“ und „folterähnlich“.

Der Fall Harris Mohamed

Mohamed gab an, wiederholt geschlagen, mit dem Kopf auf den Boden gestoßen und zum Weihnachtsliedersingen gezwungen worden zu sein. Der Richter hielt seine Aussage für glaubwürdig: „Wir haben so viele Beispiele unnötiger Grausamkeit gesehen, dass es nicht undenkbar ist, dass er so verspottet wurde.“ Alle Anklagen wurden fallengelassen. Der Richter wies zudem auf Beweise für eine Vertuschung hin: Videomaterial wurde gelöscht, Aussagen der Wärter waren unglaubwürdig. Die Canadian prison guard accountability wird zunehmend infrage gestellt.

Weitreichende Auswirkungen: Dutzende Verfahren betroffen

Mohameds Freilassung ist der fünfte Fall. Im Oktober 2025 wurden drei Männern, denen Mord ersten Grades vorgeworfen wurde, die Verfahren eingestellt, da sie „folterartigen Staatshandlungen“ ausgesetzt waren. Dutzende weitere Häftlinge erhielten Strafmilderungen. Ein Anwalt sagte CTV News, weitere Einstellungen seien wahrscheinlich, da der Missbrauch die Strafverfolgung „vergiftet“ habe. Eine Sammelklage über 30 Millionen Dollar wurde im Namen der 192 betroffenen Insassen eingereicht, die rechtswidrige Durchsuchungen, systematische Gewalt und Entzug von Grundbedürfnissen anprangert.

Systemkrise in Ontarios Gefängnissen

Der Ombudsmann von Ontario, Paul Dubé, beschrieb in seinem Jahresbericht 2024-2025 die Justizvollzugsanstalten der Provinz als in einer „wachsenden Krise“. Seine Behörde erhielt 6.870 Beschwerden – ein Anstieg von 55 % – mit schwerer Überbelegung (über 150 % Kapazität), chronischem Personalmangel, unzureichender Gesundheitsversorgung und häufigen Ausgangssperren. Insassen werden in Besenkammern und ehemaligen Vorratsräumen untergebracht. In Maplehurst wurden der Direktor und fünf Mitarbeiter entlassen, aber mehrere beteiligte Wärter sind noch im Dienst. Die Ontario jail overcrowding crisis untergräbt die Justiz, da Rechtsverletzungen zur Einstellung von Strafverfahren führen.

FAQ

Was geschah im Maplehurst Correctional Complex?

Im Dezember 2023 unterzogen Wärter fast 200 Insassen in Milton, Ontario, einer Kollektivstrafe mit Leibesvisitationen, Pfefferspray, Kabelbindern und erzwungener Nacktheit, nachdem ein Insasse einen Wärter angegriffen hatte.

Wie viele Häftlinge wurden freigelassen?

Stand Juni 2026 wurden fünf Häftlinge freigelassen oder ihre Verfahren eingestellt; Dutzende weitere erhielten Strafmilderungen.

Wurde jemand zur Verantwortung gezogen?

Sechs Mitarbeiter, darunter der Direktor, wurden entlassen. Mehrere beteiligte Wärter sind jedoch noch im Dienst. Eine Sammelklage über 30 Millionen Dollar wurde eingereicht.

Was sagte der Ombudsmann von Ontario?

Ombudsmann Paul Dubé berichtete von einem Anstieg der Gefängnisbeschwerden um 55 % und bezeichnete das System als in einer „wachsenden Krise“ mit Überbelegung und Personalmangel.

Sind weitere Einstellungen zu erwarten?

Ja, Anwälte warnen, dass Dutzende weiterer Fälle im Zusammenhang mit Maplehurst eingestellt werden könnten, da Gerichte weiterhin Verstöße gegen die Charterrechte feststellen.

Quellen

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