Fenders Urheberrechtserfolg entfacht branchenweite Kontroverse
Fender Musical Instruments Corporation, der legendäre Hersteller der Stratocaster – der berühmtesten E-Gitarre der Welt – hat mit einem deutschen Urteil eine Welle der Kritik ausgelöst. Das Landgericht Düsseldorf entschied im März 2026, dass die ikonische Doppelcutaway-Form des Stratocaster-Korpus als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst gilt. Gestützt auf dieses Urteil verschickte Fender Unterlassungserklärungen an Wettbewerber in ganz Europa, darunter auch an kleine Boutique-Hersteller wie LsL Instruments und vermutlich an PRS, Sire, Harley Benton, Suhr, Schecter, Ibanez und Yamahas Pacifica-Linie. Die Forderungen: Verkauf und Produktion von Strat-Nachbauten (S-Type) einstellen, bereits verkaufte Einheiten zurückrufen und Lagerbestände vernichten – bis zum 25. Mai 2026. Zuwiderhandlungen drohen Geldstrafen von bis zu 250.000 Euro.
Die Gitarristen-Community reagierte empört. Händler und Influencer rufen zum Boykott auf. Paul van Bree, Mitinhaber des Gitarrenladens Kaufmann's in Alphen aan den Rijn, sagte: 'Ich bin überrascht über die Brutalität, mit der Fender vorgeht.' Albert Deinum ergänzte: 'Seit 72 Jahren hat Fender nie Urheberrecht auf den Strat-Korpus beansprucht. Jetzt gefährdet das Unternehmen Arbeitsplätze.'
Wie die Rechtsstrategie ablief
Das Düsseldorfer Urteil erging in einem Versäumnisverfahren gegen einen chinesischen Hersteller, der auf AliExpress günstige Kopien verkaufte. Die Anwaltskanzlei Bird & Bird feierte den Sieg. Allerdings weisen Rechtsexperten auf Schwächen hin: Unterlassungserklärungen sind keine gerichtlichen Anordnungen. Fender müsste gegen jeden Empfänger einzeln klagen – ein kostspieliges und unsicheres Unterfangen. Bereits in den frühen 2000er Jahren scheiterte Fender in den USA mit dem Versuch, die Stratocaster-Form als Marke schützen zu lassen; ein Koalition von Wettbewerbern argumentierte erfolgreich, dass das Design generisch geworden sei.
Die Folgen könnten weitreichend sein. Die Stratocaster-Korpusform wird seit Jahrzehnten von Hunderten Herstellern kopiert. Sollte Fender den Urheberrechtsschutz durchsetzen, könnte dies auch Telecaster- und Precision-Bass-Formen betreffen. Die Boutique-Gitarrenindustrie wäre existenziell bedroht.
Gitarren-Community explodiert in Opposition
YouTuber mit Millionen Abonnenten verurteilen Fenders Vorgehen. Session-Gitarrist Tim Pierce nannte es 'Selbstmord für die eigene Marke'. LsL Instruments startete eine GoFundMe-Kampagne für Rechtsverteidigung. Der Hashtag #SupportSmallBuilders trendet. Viele Gitarristen sehen den Rechtsstreit als Angriff auf die Kultur, die die Stratocaster erst berühmt gemacht hat. Anders als Fenders frühere Markenrechtsstreitigkeiten in den USA zielen die EU-Klagen nicht nur auf Fälscher, sondern auf legitime Handwerker, die seit Jahrzehnten mit S-Type-Gitarren ihr Geschäft aufbauen.
Was für die Gitarrenindustrie auf dem Spiel steht
Die Stratocaster, 1954 von Leo Fender und Team entworfen, wurde von Legenden wie Jimi Hendrix, Eric Clapton und David Gilmour gespielt und ist die meistkopierte E-Gitarrenform der Geschichte. Heute produzieren Dutzende Hersteller Strat-artige Gitarren zu allen Preisklassen. Der EU-Urheberrechtsschutz für Gitarrendesigns könnte das gesamte Ökosystem umkrempeln. Falls Fender obsiegt, könnte es Lizenzgebühren verlangen oder Wettbewerber zwingen, die S-Type-Form aufzugeben – mit Folgen für Preise und Vielfalt.
FAQ: Fender Stratocaster Urheberrechtskontroverse
Was hat das deutsche Gericht tatsächlich entschieden?
Im März 2026 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass die Form des Fender Stratocaster-Korpus ein urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst ist. Das Urteil erging im Versäumnisverfahren gegen einen chinesischen AliExpress-Händler, der nicht vor Gericht erschien.
Kann Fender wirklich alle Strat-Nachbauten verbieten?
Nicht automatisch. Das Urteil gilt nur für den Beklagten. Unterlassungserklärungen sind keine Gerichtsbeschlüsse. Fender müsste separat gegen jeden Hersteller klagen. Große Firmen bereiten eine koordinierte Verteidigung vor.
Warum sind so viele sauer auf Fender?
Viele sehen darin einen Angriff auf kleine Betriebe und die Kultur des Gitarrenbaus. Seit 72 Jahren duldete Fender Nachbauten. Die aggressive Taktik mit Vernichtungsforderungen und 250.000-Euro-Strafen wird als Einschüchterung empfunden.
Hat Fender das schon früher versucht?
Ja, in den frühen 2000ern versuchte Fender in den USA, die Stratocaster-Form als Marke eintragen zu lassen. Ein Wettbewerber-Koalition argumentierte erfolgreich, das Design sei generisch geworden; das US-Patentamt lehnte ab.
Was passiert als nächstes?
Die Frist zum 25. Mai 2026 läuft. Empfänger der Unterlassungserklärungen können nachgeben, verhandeln oder sich wehren. Die Gitarren-Community ist in Aufruhr. Der Ausgang könnte einen Präzedenzfall für Design-Urheberrecht in der Musikindustrie schaffen.
Quellen
- NOS-Artikel: Beroemdste elektrische gitaar ter wereld 'mag niet meer worden nagemaakt'
- Bird & Bird Pressemitteilung via Conventus Law: Bird & Bird secures landmark ruling for Fender
- MusicRadar: Fender wins historic German court ruling
- EuropeSays Analyse: Fender copyright ruling analysis
- YamahaMusicians: Fender vs the guitar industry
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