Antarktis bricht Wintertemperaturrekord: 20°C über Normal
Am 6. Juni 2026 verzeichnete die argentinische Esperanza-Basis auf der Antarktischen Halbinsel atemberaubende 15,4°C – die höchste je gemessene Wintertemperatur auf dem Kontinent. Der Wert liegt etwa 20°C über dem saisonalen Durchschnitt von −6,2°C und alarmiert Klimawissenschaftler. Der bisherige Rekord von 13,3°C aus dem Jahr 1998 wurde um mehr als 2°C übertroffen. Auch andere Stationen meldeten extreme Anomalien: Marambio erreichte 11,8°C, San Martin 9,4°C. Die Antarktis-Klimakrise verschärft sich rasant.
Kontext: Ein Kontinent in beispielloser Wärme
Die Antarktis befindet sich mitten im Südwinter, wenn die Temperaturen normalerweise weit unter den Gefrierpunkt fallen. Drei aufeinanderfolgende Wochen mit über Null Grad an der Esperanza-Basis sind außergewöhnlich. Klimatologe Raul Cordero von der Universität Groningen bezeichnete das Ereignis als „absolut verrückt“ und bestätigte einen besorgniserregenden Trend. Diese Hitzewelle folgt auf extreme Ereignisse von 2024, als Teile der Ostantarktis bis zu 28°C über dem Durchschnitt lagen – verursacht durch eine Schwächung des Polarwirbels. Eine Studie in npj Climate and Atmospheric Science fand heraus, dass der Klimawandel solche Ereignisse bis zu 20-mal häufiger machen könnte.
Landschaft im Wandel: Von Weiß zu Braun
Auf King George Island beobachtete Glaziologe Luis Muñoz, dass die übliche 20 cm dicke Schneedecke komplett verschwunden ist. „Die Landschaft hat sich von überwiegend weiß zu braun, grau und grün verändert“, sagte er. Regen fällt auf dem Collins-Gletscher in 500 Metern Höhe und verursacht Schmelze mitten im Winter. Große Teile der nördlichen Antarktischen Halbinsel sind eisfrei – ein ungewöhnlicher und alarmierender Anblick.
Auswirkungen auf Ökosysteme: Pinguine und Krill in Gefahr
Die extreme Wärme gefährdet Pinguinkolonien, deren Fortpflanzung auf stabile Schnee- und Eisbedingungen angewiesen ist. Starker Regen kann Nester überfluten und die Kükensterblichkeit erhöhen. Das Schmelzen bedroht auch Krill, die Basis der antarktischen Nahrungskette, die auf Meereis angewiesen sind. Eine Studie warnt, dass das Meereis bei hohen Emissionen um 20 % zurückgehen könnte, was Krill, Wale und Pinguine gefährdet. Die Pinguinkolonie-Bedrohungen durch die Erwärmung werden immer gravierender.
Globale Folgen: Meeresspiegelanstieg und Ozeanzirkulation
Der antarktische Eisschild enthält genug Wasser, um den globalen Meeresspiegel um etwa 58 Meter anzuheben. Wissenschaftler warnen, dass große Gletscher wie Thwaites und Pine Island Kipppunkte erreichen könnten. Allein ihr Kollaps könnte den Meeresspiegel um vier Meter ansteigen lassen. Zudem verlangsamt das Schmelzwasser wichtige ozeanische Zirkulationsmuster, die das globale Klima regulieren. Das Thwaites-Gletscher-Kollapsrisiko ist eine große Sorge für Küstengemeinden weltweit. Forscher planen weitere Untersuchungen, um die Rückkopplungseffekte besser zu verstehen.
Häufig gestellte Fragen
Was war der bisherige Wintertemperaturrekord in der Antarktis?
Der bisherige Rekord lag bei 13,3°C, aufgestellt 1998 an der Esperanza-Basis.
Wie viel wärmer als normal ist der neue Rekord?
Die Temperatur von 15,4°C am 6. Juni 2026 liegt etwa 20°C über dem saisonalen Durchschnitt.
Warum tritt diese Winterhitzewelle auf?
Eine Kombination aus natürlicher atmosphärischer Variabilität (Schwächung des Polarwirbels) und menschengemachtem Klimawandel macht solche Extremereignisse wahrscheinlicher und intensiver.
Was sind die Hauptauswirkungen?
Schnee- und Eisschmelze, Veränderung der Landschaft, Gefährdung von Pinguinkolonien und Krill, Beitrag zum Meeresspiegelanstieg und Störung der Meeresströmungen.
Kann das wieder passieren?
Ja. Studien zeigen, dass extreme Wintererwärmungen bei hohen Emissionen bis zu 20-mal häufiger werden könnten.
Quellen
- Phys.org – Antarktische Halbinsel: Hohe Junitemperaturen
- The Guardian – Rekordwintertemperaturen schüren Ängste
- Euronews – Antarktis verzeichnet Wintertemperaturen 20°C wärmer als normal
- CGTN – Rekordtemperaturen in der Antarktis
- Wikipedia – Klima der Antarktis
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