Indonesien Armee stoppt ‚Pesta Babi‘-Vorführungen | Abholzung

Indonesisches Militär stoppt Vorführungen der Doku ‚Pesta Babi‘ über massive Abholzung in Papua. Film geht viral mit über 11 Mio. Aufrufen und entfacht Zensurdebatte.

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Das indonesische Militär hat Dutzende Vorführungen der Dokumentation Pesta Babi (Schweinefest) gewaltsam gestoppt. Der Film enthüllt eines der größten Abholzungsprojekte der Welt in Papua und die angebliche Verwicklung von Geschäftsleuten, Militärs und prominenten Politikern. Trotz der Unterdrückung ging der Film viral, erzielte über 11 Millionen Aufrufe auf YouTube und löste eine landesweite Debatte über Zensur, indigene Rechte und Umweltzerstörung aus.

Worum geht es in der Dokumentation Pesta Babi?

Pesta Babi: Kolonialisme di Zaman Kita (Kolonialismus in unserer Zeit) ist eine 90-minütige Dokumentation der Journalisten Dandhy Dwi Laksono und Anthropologin Cypri Jehan Paju Dale. Der Film untersucht das Merauke Integrated Food and Energy Estate in Süd-Papua, ein staatlich unterstütztes Projekt auf fast 3 Millionen Hektar – etwa so groß wie Belgien. Es werden riesige Regenwaldflächen für Zuckerrohr, Reis und Palmöl gerodet, angeblich für nationale Ernährungs- und Energiesicherheit. Der Titel spielt auf eine lokale Muyu-Tradition an, dient aber als Metapher für die Ausbeutung der natürlichen Reichtümer Papuas durch die Elite. Der Film dokumentiert die Vertreibung indigener Gemeinschaften und die Zerstörung ihrer Wälder und Kultur.

Militärische Unterdrückung von Vorführungen

Seit den ersten öffentlichen Vorführungen im April 2026 hat das Militär über 50 geplante Veranstaltungen in mehreren Städten unterbrochen. Soldaten erschienen in Veranstaltungsorten, verlangten Einstellungen und beschlagnahmten Ausrüstung. Teilweise wurden Zuschauer eingeschüchtert und zum Verlassen aufgefordert. Das Militär behauptet, der Film könne soziale Unruhen verursachen und hätte zuerst eine Lizenz der Zensurbehörde einholen müssen. Der Justizminister erklärte, der Film sei nicht offiziell verboten, doch die Aktionen des Militärs schufen ein faktisches Zensurregime. Kritiker argumentieren, das Militär habe keine rechtliche Befugnis, Filmvorführungen zu stoppen, und die Maßnahmen verletzten die Meinungsfreiheit. Die Militärzensur in Indonesien wird von Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert.

„Wir tun nichts Falsches“, sagte Tama Margaretha Nauli, eine Greenpeace-Aktivistin, die eine geheime Vorführung organisierte. „Papua ist einer der letzten Orte mit ausgedehntem Primärwald. Er wird gerodet, und mit ihm die Kultur der lokalen Papua.“

Das Merauke Food Estate: Eine Abholzungskrise

Das Merauke Food and Energy Estate wird von Umweltgruppen als das größte einzelne Abholzungsprojekt der Welt beschrieben. Laut Satellitendaten von Greenpeace und TheTreeMap wurden zwischen Januar 2020 und Dezember 2023 mindestens 1.727 Hektar Primärwald innerhalb des Estates gerodet. Die Abholzung in Indonesien stieg 2024 um über 50% auf etwa 216.000 Hektar, der höchste Wert seit 2019. Im Januar 2026 beschleunigte die Nationale Landagentur 328.000 Hektar Anbaurechte für Reis. Die EU-Abholzungsverordnung (EUDR) könnte durch das Projekt unter Druck geraten. Die EU-Kohlenstoffgrenzsteuer könnte indonesische Exporte beeinträchtigen. Umweltschützer warnen vor einer Wiederholung der ökologischen Katastrophe des Mega-Reis-Projekts der 1990er Jahre in Zentral-Kalimantan.

Streisand-Effekt: Zensur schlägt fehl

Die Militärmaßnahmen gegen Pesta Babi sind spektakulär nach hinten losgegangen. Nachdem Behörden Campus-Vorführungen unterbunden hatten, luden die Filmemacher die Dokumentation am 22. Mai 2026 mit englischen Untertiteln auf YouTube hoch. Innerhalb von drei Tagen erzielte sie über 6 Millionen Aufrufe, bis Anfang Juni über 11 Millionen – einer der meistgesehenen indonesischen Dokumentarfilme aller Zeiten. Die Zensur löste eine landesweite Debatte über Papua, Entwicklung und Meinungsfreiheit aus. Die frühere Präsidentin Megawati Soekarnoputri verteidigte den Film, der die „Realität“ der Umweltzerstörung zeige. Aktivisten organisierten hunderte geheime Vorführungen, über 15.000 Menschen registrierten sich zur Teilnahme. Die Niederschlagung von Umweltaktivisten 2025 in Indonesien hat die öffentliche Wut weiter angeheizt.

„Ich hoffe, dieser Film öffnet eine Tür zur Diskussion“, sagte Ambrosius, ein Papua, der zur Dokumentation beitrug. „Es wird den Schmerz Papuas nicht sofort beenden, aber wir können zumindest darüber reden.“

Auswirkungen und Implikationen

Die Kontroverse um Pesta Babi lenkt internationale Aufmerksamkeit auf die indonesische Entwicklungspolitik in Papua. Human Rights Watch dokumentierte Polizeigewalt gegen papuanische Demonstranten, die gegen das Food Estate protestierten. Indigene Gemeinschaften werfen dem Militär Zwangsumsiedlungen und Unterdrückung vor. Die Beliebtheit des Films zeigt den wachsenden Widerstand gegen die Entwicklungspolitik der Regierung. Bürgerrechtsgruppen fordern einen sofortigen Stopp der Rodungen, echte Konsultation mit indigenen Völkern und ein Ende der militärischen Einmischung in zivile Angelegenheiten. Die Bewegung für indigene Landrechte in Südostasien hat durch den Film Auftrieb erhalten.

Während die Dokumentation weiter online verbreitet wird, steht die indonesische Regierung zunehmend unter Druck, die Vorwürfe aus Pesta Babi zu behandeln – oder riskiert einen weiteren Vertrauensverlust in der Bevölkerung und internationalen Reputationsschaden.

Häufig gestellte Fragen

Worüber handelt der Dokumentarfilm Pesta Babi?

Pesta Babi deckt großflächige Abholzung und Landraub in Papua auf, angetrieben durch das Merauke Food and Energy Estate. Er behauptet, dass Militärs, Politiker und Geschäftsleute von der Zerstörung indigener Ländereien profitieren.

Warum hat das indonesische Militär die Vorführungen gestoppt?

Das Militär behauptet, der Film könne soziale Unruhen verursachen und sei nicht der Zensurbehörde vorgelegt worden. Kritiker sagen, der wahre Grund sei die Aufdeckung von Korruption und Menschenrechtsverletzungen durch das Militär.

Wie viele Aufrufe hat der Film online erhalten?

Bis Anfang Juni 2026 wurde der Film über 11 Millionen Mal auf YouTube angesehen, mit englischen Untertiteln für internationales Publikum.

Was ist das Merauke Food Estate?

Das Merauke Integrated Food and Energy Estate ist ein staatliches Megaprojekt in Süd-Papua auf fast 3 Millionen Hektar. Es soll Regenwald und Sumpfland in landwirtschaftliche Plantagen umwandeln.

Ist der Film in Indonesien verboten?

Offiziell nicht, aber das Militär hat über 50 Vorführungen gewaltsam gestoppt und so ein faktisches Verbot erlassen. Die Regierung hat kein formelles Verbot ausgesprochen.

Quellen

The Straits Times | South China Morning Post | Human Rights Watch | Asia Pacific Report

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