Marine Hitzewellen verursachen Milliardenschäden in der globalen Fischerei

Marine Hitzewellen verursachen Milliardenschäden in der globalen Fischerei, wobei Kleinfischereien am stärksten betroffen sind. 2023-2024 verzeichnete Rekord-Hitzewellentage, die zu Schließungen wie der peruanischen Anchovis-Fischerei führten. Klimamodelle sagen bis 2100 20- bis 50-mal häufigere Ereignisse ohne Emissionsreduktionen voraus.

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Marine Hitzewellen verursachen Milliardenschäden in der globalen Fischerei

Eine neue umfassende Bewertung zeigt, dass marine Hitzewellen beispiellose Schäden in der globalen Fischerei verursachen. Die wirtschaftlichen Verluste belaufen sich auf Milliarden von Dollar und bedrohen die Ernährungssicherheit von Küstengemeinden weltweit. Der Zeitraum 2023-2024 verzeichnete fast 3,5-mal mehr Tage mit marinen Hitzewellen als jedes frühere Jahr in der Geschichte, verstärkt durch El-Niño-Bedingungen, wie in Nature Climate Change veröffentlicht wurde.

Direkte wirtschaftliche Auswirkungen und Fischereischließungen

Die Bewertung zeigt, dass marine Hitzewellen zu weit verbreiteten Fischereischließungen und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten geführt haben. Die peruanische Anchovis-Fischerei, eine der größten der Welt, sagte ihre gesamte Saison 2023 aufgrund von Hitzewellenbedingungen ab, was laut Sektoranalysten zu "direkten wirtschaftlichen Verlusten von 1,4 Milliarden Dollar" führte. Ebenso sank die Kabeljaupopulation im Golf von Alaska nach der Hitzewelle von 2013 um etwa 100 Millionen Fische, was lokale Fischergemeinden verwüstete.

Dr. Maria Rodriguez, Meeresökologin am Ocean Conservation Institute, erklärt: "Was wir sehen, ist nicht nur eine vorübergehende Störung, sondern grundlegende Veränderungen in marinen Ökosystemen. Fischpopulationen wandern in kühlere Gewässer ab, Laichmuster werden gestört und kritische Lebensräume wie Korallenriffe und Kelpwälder werden in alarmierendem Tempo zerstört."

Kleinfischerei am härtesten betroffen

Die Bewertung hebt besonders die Anfälligkeit der Kleinfischerei hervor, die weltweit Millionen von Menschen mit Nahrung und Lebensgrundlage versorgt. Untersuchungen aus Baja California, Mexiko, zeigen, dass während intensiver mariner Hitzewellen die Gesamtfänge in der Hummer-, Seeigel- und Seegurkenfischerei um 15-58 % zurückgingen. "Die meisten Betriebe (56 %) verzeichneten große Rückgänge der Fänge, wobei die Auswirkungen in Fischereien in der Nähe biogeografischer Übergangszonen schwerwiegender waren", so die in Nature Communications veröffentlichte Studie.

Diese kleinen Betriebe haben oft nicht die Mittel, sich an veränderte Bedingungen anzupassen, und sind daher besonders gefährdet. Fischer Carlos Mendez aus Baja California beschreibt die Situation: "Wir haben seit Generationen in diesen Gewässern gefischt, aber jetzt sind die Fische verschwunden. Das Wasser ist zu warm und unser traditionelles Wissen gilt nicht mehr. Wir stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin."

Politische Implikationen und Marktstörungen

Die Bewertung fordert dringendes politisches Eingreifen auf mehreren Ebenen. Klimamodelle sagen voraus, dass ohne signifikante Emissionsreduktionen marine Hitzewellen bis zum Ende des Jahrhunderts 20- bis 50-mal häufiger und bis zu zehnmal intensiver auftreten könnten. Dies hätte katastrophale Auswirkungen auf globale Meeresfrüchtemärkte und die Ernährungssicherheit.

Der Bericht empfiehlt verschiedene politische Maßnahmen, darunter:

  • Entwicklung von Frühwarnsystemen für marine Hitzewellen
  • Schaffung adaptiver Managementrahmen für Fischereien
  • Investitionen in alternative Lebensgrundlagen für betroffene Gemeinden
  • Stärkung der internationalen Zusammenarbeit bei der Ozeanüberwachung

Dr. James Wilson, Fischereiökonom, merkt an: "Die Marktimplikationen sind tiefgreifend. Wir sehen Preisvolatilität, Störungen in der Lieferkette und zunehmenden Wettbewerb um verbleibende Fischbestände. Dies erfordert koordinierte internationale politische Reaktionen, die sowohl Minderung als auch Anpassung angehen."

Gemeinschaftsresilienz und Anpassungsstrategien

Küstengemeinden entwickeln innovative Anpassungsstrategien als Reaktion auf diese Herausforderungen. In Tasmanien, Australien, haben Forscher einen auf Interessengruppen basierenden Gefahrenindex für marine Hitzewellen speziell für Fischerei- und Aquakulturindustrien entwickelt. Der Index, basierend auf der schweren Hitzewelle 2015/16, projiziert, dass ähnliche Ereignisse bis 2050 unter Niedrigemissionsszenarien alle 5 Jahre oder unter Hohemissionsszenarien alle 2 Jahre auftreten könnten.

Lokale Gemeinden experimentieren mit Diversifizierungsstrategien, einschließlich der Aquakultur hitzetoleranter Arten und der Entwicklung von Alternativen im maritimen Tourismus. Aber wie Klimawissenschaftlerin Dr. Sarah Chen warnt: "Anpassung hat Grenzen. Wenn wir die Ursachen des Klimawandels nicht angehen, wird keine noch so große Anpassung unsere Fischereien und Küstengemeinden vor dem Zusammenbruch bewahren."

Globale Implikationen und Zukunftsperspektive

Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass marine Hitzewellen eine der größten Bedrohungen für die globale Ozeangesundheit und Ernährungssicherheit darstellen. Da die Ozeane etwa 25 % der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen absorbieren und den Großteil der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufnehmen, wird erwartet, dass Häufigkeit und Intensität dieser Ereignisse dramatisch zunehmen werden.

Der Bericht betont, dass sofortiges Handeln erforderlich ist, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit in Fischergemeinden und marinen Ökosystemen aufzubauen. Wie die Bewertung feststellt: "Die Zeit für inkrementelle Veränderungen ist vorbei. Wir brauchen transformative Politik, die sowohl die Ursachen als auch die Folgen der Ozeanerwärmung angeht, um unsere Fischereien, Küstengemeinden und die globale Ernährungssicherheit zu schützen."

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