Was ist die European Business Wallet?
Die European Business Wallet ist ein neues EU-weites digitales System, das grenzüberschreitende Geschäfte vereinfacht, indem Unternehmen sicher verifizierte Dokumente mit einem Klick teilen können. Laut der niederländischen Staatssekretärin für Digitale Wirtschaft und Souveränität Willemijn Aerdts könnte diese Initiative 'Unternehmen Milliarden Euro einsparen', indem sie administrative Lasten reduziert. Das Wallet ist Teil des Digitalpakets 2025 der Europäischen Kommission und baut auf dem bestehenden EU Digital Identity Wallet auf.
Das European Business Wallet zielt darauf ab, Bürokratie für die 25 Millionen Unternehmen in der EU abzubauen, insbesondere für KMU, die 99% aller Unternehmen ausmachen. Ähnliche Initiativen wie das EU Digital Identity Wallet für Bürger haben den Weg für diese geschäftsorientierte Lösung geebnet.
Wie die European Business Wallet funktioniert
Das Wallet besteht aus einem Satz von behördlich verifizierten Dokumenten – darunter Handelsregisterauszüge, Steuerbescheinigungen und Berufslizenzen – die Unternehmen sofort mit Partnern oder Behörden im Ausland teilen können. Da diese Dokumente bereits von einer vertrauenswürdigen Quelle authentifiziert wurden, müssen Unternehmen nicht mehr für jede grenzüberschreitende Transaktion wiederholte Überprüfungen durchlaufen.
Schlüsselfunktionen
- Sichere Identitätsprüfung: Unternehmen können die Identität von Partnern und Vertretern digital überprüfen.
- Dokumentenaustausch: Erstellen, Speichern und Teilen von verifizierten Lizenzen, Genehmigungen und Zertifikaten mit voller Rechtswirkung.
- Digitale Signaturen und Siegel: Elektronisches Signieren und Siegeln von Dokumenten, in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt.
- Mandatsverwaltung: Delegieren von rechtlicher Befugnis an Vertreter innerhalb des Unternehmens.
- Sichere Kommunikation: Vertraulicher Datenaustausch mit anderen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen.
Prognostizierte Einsparungen: 5 Mrd. € bis 2029, 160 Mrd. € jährlich
Die Europäische Kommission schätzt, dass die European Business Wallet bis 2029 administrative Kosteneinsparungen von bis zu 5 Mrd. € bringen könnte. Nach vollständiger Einführung könnten die jährlichen Einsparungen für EU-Unternehmen mindestens 160 Mrd. € betragen. Aerdts betonte: 'Diese Verordnung könnte Unternehmen Milliarden Euro sparen. Sie spart auch Geld für Regierungen, da sie weniger Zeit mit wiederholter Überprüfung derselben Daten verbringen.'
Diese Einsparungen resultieren aus der Beseitigung überflüssiger Papierarbeit, der Reduzierung von Verzögerungen bei Überprüfungen und der Ermöglichung schnellerer grenzüberschreitender Transaktionen. Der EU-Vorstoß für digitale Souveränität steht im Einklang mit dieser Initiative, die sicherstellt, dass europäische Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten.
Zeitplan: Erste Wallets ab 2027 erwartet
Die Europäische Kommission veröffentlichte den formellen Vorschlag für eine Verordnung zur Einrichtung Europäischer Business Wallets am 19. November 2025. Laut Aerdts werden die ersten funktionsfähigen Wallets im Jahr 2027 erwartet. Nach der Verabschiedung der Verordnung haben die öffentlichen Verwaltungen der EU zwei Jahre Zeit, das System zu implementieren. Die Annahme ist für öffentliche Stellen verpflichtend, d.h. sie müssen Wallet-Zugangsdaten akzeptieren und verarbeiten können. Für Unternehmen bleibt die Nutzung jedoch völlig freiwillig.
Entwicklung durch den Privatsektor und Sicherheitsanforderungen
Die EU wird die Wallets nicht selbst bauen. Stattdessen werden private Unternehmen die Lösungen entwickeln, unter Einhaltung strenger Richtlinien der Europäischen Kommission. Nationale Regulierungsbehörden werden jedes Wallet genehmigen, um Fragmentierung zu vermeiden und Qualität zu gewährleisten. Zu den wichtigsten Sicherheitsanforderungen gehören:
- Dokumente bleiben auf den unternehmenseigenen Servern, nicht in einer zentralen Datenbank, um Hackerrisiken zu reduzieren.
- Nur EU-ansässige Unternehmen dürfen die Wallets entwickeln.
- Wallets müssen hohe Cybersicherheitsstandards erfüllen und mit dem eIDAS-Rahmen interoperabel sein.
Aerdts stellte fest, dass diese Schutzmaßnahmen ein 'wildes Wachstum' von Wallets verhindern und das Vertrauen in das System stärken. Der EU-Ansatz zur Sicherheit digitaler Identitäten wurde durch Erfahrungen aus früheren digitalen Identitätsprojekten geprägt.
Auswirkungen auf Unternehmen und Regierungen
Die European Business Wallet wird voraussichtlich bürokratische Hürden deutlich reduzieren, insbesondere für KMU, die nicht die Ressourcen haben, um komplexe grenzüberschreitende Vorschriften zu bewältigen. Für Regierungen reduziert das System die administrativen Kosten der wiederholten Überprüfung von Unternehmensdaten. Aerdts räumte ein, dass Bürokratie nicht vollständig verschwinden wird, aber 'es wird viel Bürokratie sparen.'
Das Wallet unterstützt auch wichtige EU-Systeme wie das Once-Only Technical System (OOTS), das Business Registers Interconnection System (BRIS) und das Beneficial Ownership Registers Interconnection System (BORIS), und schafft so eine nahtlose digitale Umgebung für Unternehmen, die im Binnenmarkt tätig sind.
Häufig gestellte Fragen
Ist die European Business Wallet für Unternehmen verpflichtend?
Nein, die Nutzung ist für Unternehmen völlig freiwillig. Nur öffentliche Stellen müssen Wallet-Zugangsdaten akzeptieren und verarbeiten.
Wann wird die European Business Wallet verfügbar sein?
Die ersten Wallets werden voraussichtlich 2027 erwartet, nach Verabschiedung der Verordnung und einer zweijährigen Umsetzungsfrist für öffentliche Verwaltungen.
Wie viel Geld wird die European Business Wallet einsparen?
Die Europäische Kommission schätzt bis zu 5 Mrd. € administrative Kosteneinsparungen bis 2029 und mindestens 160 Mrd. € jährliche Einsparungen für EU-Unternehmen nach vollständiger Einführung.
Wer wird die European Business Wallet entwickeln?
Private Unternehmen werden die Wallets entwickeln, unter Einhaltung von EU-Richtlinien und Genehmigung durch nationale Regulierungsbehörden. Nur EU-ansässige Unternehmen sind zur Entwicklung berechtigt.
Wie gewährleistet das Wallet Datensicherheit?
Dokumente bleiben auf den unternehmenseigenen Servern gespeichert, nicht in einer zentralen Datenbank. Das Wallet verwendet Verschlüsselung und sichere Authentifizierung und muss strenge EU-Cybersicherheitsstandards erfüllen.
Quellen
- Europäische Kommission - Digitalstrategie: Europäische Business Wallets
- BNR Nieuwsradio: European Business Wallet wird Unternehmen Milliarden Euro sparen
- Pressemitteilung der Europäischen Kommission IP/25/2718 (25. November 2025)
- Rijksoverheid: Willemijn Aerdts
Follow Discussion