Papst Leo XIV. beruft 170 Kardinäle zu einer historischen Versammlung ein und vollzieht einen Wandel hin zu einer kollaborativen Führung, die auf Synodalität und Mission ausgerichtet ist.
Neuer Papst wählt gemeinsamen Kurs für die katholische Kirche
In einem bedeutenden Bruch mit jüngsten Regierungsstilen im Vatikan hat Papst Leo XIV. sein erstes Außerordentliches Konsistorium einberufen, bei dem 170 Kardinäle aus der ganzen Welt intensiv über die künftige Ausrichtung der katholischen Kirche diskutierten. Die zweitägige Versammlung, die am 8. Januar 2026 endete, steht für das Engagement des in den USA geborenen Papstes für das, was er 'eine neue Art, gemeinsam Kirche zu sein' nennt.
Wandel im Regierungsstil
Die Versammlung bildet einen auffälligen Kontrast zum Ansatz seines Vorgängers, Papst Franziskus, der während seines 12-jährigen Pontifikats nur ein einziges außerordentliches Konsistorium abhielt und sich stark auf eine kleine Beratergruppe von neun Kardinälen stützte. 'Ich spüre das Bedürfnis, mich auf euch verlassen zu können,' sagte Papst Leo zu den versammelten Kardinälen und betonte dabei seinen Wunsch nach breiterer Konsultation und Zusammenarbeit.
Vatikan-Beobachter stellen fest, dass dies eine bewusste Verschiebung hin zu einer inklusiveren Führung darstellt. 'Hier geht es darum, das Gleichgewicht nach einer Phase kirchlicher Volatilität wiederherzustellen,' bemerkte ein anonymer Vatikan-Analyst. 'Leo signalisiert, dass er mit dem Kardinalskollegium regieren will, nicht nur durch es.'
Fokus auf Synodalität und Mission
Den Kardinälen wurden vier mögliche Diskussionsthemen vorgelegt, doch sie stimmten überwältigend dafür, sich auf zwei Kernbereiche zu konzentrieren: Synodalität (der Prozess, gemeinsam als Kirche unterwegs zu sein) und Evangelisierung im Licht des wegweisenden Dokuments von Papst Franziskus Evangelii Gaudium. Die Entscheidung, diesen Themen den Vorrang vor liturgischen Diskussionen oder Vatikanreformen zu geben, wurde als strategisch angesehen, da sie potenziell polarisierende Debatten über die traditionelle lateinische Messe vermied.
Die Arbeitsweise selbst war innovativ: Die Kardinäle wurden in 20 Sprachgruppen aufgeteilt, die an runden Tischen saßen, um den Dialog zu fördern. 'Die Reise ist genauso wichtig wie die Schlussfolgerung,' betonte Papst Leo und wies damit auf den synodalen Prozess als zentral für seine Vision hin.
Kontinuität mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil
Papst Leo hat das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) als den 'Leitstern' seines Pontifikats positioniert und setzt damit die Modernisierungsbemühungen fort, die Messfeiern in Landessprachen und eine größere Beteiligung der Laien ermöglichten. In seiner wöchentlichen Audienz vor dem Konsistorium kündigte er an, regelmäßig Themen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufzugreifen, und erklärte, dass die Dokumente 'sehr relevant bleiben, aber nicht immer gut verstanden werden'.
Dieses Engagement für den Geist der Aggiornamento (der 'Aktualisierung') des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt ihn fest in die progressive Tradition der jüngsten Päpste, während er gleichzeitig Kritik aufgreift, dass die Reformen des Konzils nie vollständig umgesetzt wurden.
Umgang mit Spaltungen und Blick nach vorn
Das Konsistorium findet zu einem kritischen Zeitpunkt für die Kirche mit 1,4 Milliarden Mitgliedern statt, die in den letzten Jahren erhebliche Polarisierung erlebt hat. Das Pontifikat von Papst Franziskus, obwohl bei vielen beliebt, hinterließ nach Ansicht einiger ein 'gespaltenes Kollegium' der Kardinäle mit tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung der Kirche.
'Ist in unserer Kirche noch Leben?' fragte Papst Leo in seiner Dreikönigspredigt. Seine Antwort war ein klares Ja, aber ein Ja, das die Hilfe aller erfordert, um 'dieses Leben wachsen und blühen zu lassen'.
Bereits für Ende Juni ist ein weiteres außerordentliches Treffen geplant, mit der Absicht, Kardinäle künftig jährlich für drei bis vier Tage in den Vatikan zu holen. Diese regelmäßige Konsultation stellt eine strukturelle Veränderung dar, wie das Papstamt mit der weltweiten Kirchenführung umgeht.
Wie Kardinal Timothy Radcliffe in seiner Meditation während des Konsistoriums bemerkte, sieht sich die Kirche mit zeitgenössischen Herausforderungen konfrontiert, darunter Gewalt, wirtschaftliche Ungleichheit und künstliche Intelligenz, neben internen Fragen wie sexuellem Missbrauch und ideologischen Spaltungen. Wie Papst Leos kooperativer Ansatz diesen Herausforderungen begegnet, wird sein Pontifikat in den kommenden Jahren definieren.
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