Belgiens politische Krise hat sich am Montag, 2. November 2026, verschärft: Premierminister Bart De Wever bot König Philippe nach dem Scheitern der nächtlichen Haushaltsverhandlungen seinen Rücktritt an. Der König nahm das Angebot nicht sofort an, sondern hielt es „in beraad“ (in Erwägung) und kündigte ab Dienstag Gespräche mit den Vorsitzenden der Koalitionsparteien an. Damit fehlt Belgien ein klarer Weg, um die Lücke von 10 Milliarden Euro im Haushalt zu schließen – der Druck auf die fragile Fünf-Parteien-Regierung wächst.
Was löste die Regierungskrise in Belgien aus?
De Wever, Chef der flämisch-nationalistischen N-VA, ringt seit Monaten um Einsparungen von 10 Milliarden Euro für die kommenden Jahre. Die Koalition aus N-VA, MR, Les Engagés, Vooruit und CD&V erzielte am Wochenende keine Einigung; die Gespräche wurden in der Nacht zu Montag ergebnislos abgebrochen. Belgiens Defizit erreichte 2025 5,2 Prozent des BIP und dürfte weiter steigen – das Land muss die Finanzmärkte beruhigen und EU-Vorgaben erfüllen. Der Streit erinnert an frühere belgische Haushaltsverhandlungen, die mehrfach verlängert werden mussten.
Warum scheiterten die Haushaltsgespräche?
Der Stillstand folgt dem klassischen Links-Rechts-Graben. N-VA und die liberale MR wollen Ausgaben kürzen, vor allem im Gesundheitswesen, während Les Engagés, Vooruit und CD&V höhere Steuern auf Spitzeneinkommen fordern und strikte Sparpolitik ablehnen. Vooruit, Les Engagés und CD&V wollen, dass die stärksten Schultern mehr beitragen, während N-VA und MR eine übermäßige Besteuerung ablehnen, berichtete VRT. Auch eine geplante Mehrwertsteuerreform stieß beim Mouvement Réformateur auf Widerstand.
Zentrale Streitpunkte
- Schließung der Lücke von 10 Milliarden Euro bis Jahresende
- Kürzungen im Gesundheitswesen versus Steuererhöhungen
- Widerstand der MR gegen die Mehrwertsteuerreform
- Forderung der flämischen Sozialisten nach höheren Spitzensteuern
Wie geht es nach dem Rücktrittsangebot weiter?
König Philippe erklärte, er halte seine Entscheidung „in beraad“, und empfängt ab Dienstag die Parteivorsitzenden. Am Freitag muss De Wever erneut in den Palast kommen – dann soll ein Plan zur Beendigung der Krise vorliegen. Der König warnte, Belgien könne sich eine langwierige politische Krise nicht leisten, und mahnte Kompromiss und Gemeinwohl an. Beobachter verweisen auf Belgiens Haushaltsblockade 2025, als Philippe eine 50-tägige Fristverlängerung gewährte und Einsparungen von 9,2 Milliarden Euro erreicht wurden.
Folgen für Belgien und die EU
Ohne Haushalt 2026 droht die Regierung über „Zwölftel“ zu wirtschaften – ein Provisorium, das die Monatswerte von 2025 wiederholt und das De Wever ausgeschlossen hat. Eine längere Krise könnte die Anleihemärkte verunsichern und Belgiens Position bei der EU-Finanzaufsicht erschweren. Zudem steht die Durchsetzung der EU-Fiskalregeln auf dem Prüfstand. Das ist eine politische Krise, sagte VRT-Journalist Bart Verhulst; das Überleben der Regierung hänge davon ab, ob die Partner bis Freitag einen Kompromiss finden.
FAQ: Rücktritt von Premier De Wever erklärt
Was passiert nun, da De Wever seinen Rücktritt angeboten hat?
König Philippe konsultiert die Parteichefs und trifft De Wever am Freitag erneut, bevor er über Annahme, Ablehnung oder Verzögerung entscheidet.
Warum scheiterten die Haushaltsgespräche?
Die Fünf-Parteien-Koalition ist über die Frage gespalten, ob Ausgaben gekürzt oder Steuern erhöht werden sollen, um 10 Milliarden Euro zu sparen.
Wird der König den Rücktritt annehmen?
Derzeit hält er ihn „in beraad“ und drängt auf einen Kompromiss; scheitern die Gespräche erneut, ist eine Annahme möglich.
Was ist die Lücke von 10 Milliarden Euro?
Es sind die Einsparungen, die Belgien braucht, um EU-Defizitregeln zu erfüllen; 2025 lag das Defizit bei 5,2 Prozent des BIP.
Wie wirkt sich das auf die EU-Pflichten aus?
Eine lange Krise könnte den Haushalt verzögern und die Märkte beunruhigen, was die Einhaltung der EU-Fiskalregeln erschwert.
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