Lettlands pro-europäischer Ministerpräsident Andris Kulbergs hat die Parlamentswahl vom 3. Oktober 2026 mit größerem Vorsprung als erwartet gewonnen. Seine Mitte-rechts-Partei Vereinigte Liste (AS) erreicht laut vorläufigen, von NOS gemeldeten Ergebnissen rund 35,8 Prozent der Stimmen und etwa 42 der 100 Sitze in der Saeima. Das Resultat verschafft der pro-westlichen Führung des baltischen Staates ein gestärktes Mandat in Zeiten erhöhten russischen Drucks.
„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Kulbergs in einer ersten Reaktion. Er wolle Ministerpräsident bleiben, schloss aber sofort eine Regierung mit den beiden pro-russischen Parteien auf Platz zwei und drei aus.
Wahlergebnis in Lettland: Klares Pro-EU-Mandat
Nach Auszählung von 88 Prozent der Bezirke lag die Vereinigte Liste bei 36,5 Prozent, vor der pro-russischen Lettland Zuerst (LPV) mit etwa 13 Prozent und der rechtsgerichteten Souveränen Macht/Bündnis der jungen Letten (SV–AJ) mit 11,6 Prozent. Die Wahlkommission weist die Vereinigte Liste schließlich mit 35,77 Prozent und 42 Sitzen aus.
| Partei | Stimmenanteil | Sitze |
|---|---|---|
| Vereinigte Liste (AS) | 35,8 % | 42 |
| Lettland Zuerst (LPV) | 13,3 % | 17 |
| Souveräne Macht/Junge Letten (SV–AJ) | 11,9 % | 15 |
| Nationale Allianz (NA) | 9,0 % | 10 |
| Die Progressiven (PRO) | 7,9 % | 9 |
| Neue Einheit (JV) | 6,4 % | 7 |
| Grüne und Bauern (ZZS) | 4,4 % | 0 |
Was geschah im Mai 2026?
Kulbergs wurde am 28. Mai 2026 Ministerpräsident, nachdem die Regierung von Evika Siliņa zurückgetreten war. Auslöser waren russische Drohneneindringlinge im lettischen Luftraum, die Lücken in der Luftverteidigung offenlegten. Präsident Edgars Rinkēvičs beauftragte ihn mit einer Übergangskoalition aus Vereinigter Liste, Neuer Einheit, Nationaler Allianz und Bauernunion, die mit 66 Stimmen bestätigt wurde.
Warum Russland den Wahlkampf dominierte
Die Bedrohung durch das Nachbarland Russland war das zentrale Thema. Kulbergs forderte bessere Drohnenabwehr und versprach, die Verteidigungsausgaben bei 5 Prozent des BIP zu halten – einem der höchsten Werte unter den NATO-Verbündeten. Die russischen Drohneneindringlinge im baltischen Luftraum blieben ein zentraler Wahlkampfpunkt.
Parteien, die um die russischsprachige Minderheit werben, spielten die Moskau-Gefahr dagegen herunter, wollten mehr Geld für Soziales und die Finanzhilfe für die Ukraine streichen.
Koalitionsaussichten nach der Wahl
Keine Partei hat eine Mehrheit, daher entscheiden Koalitionsgespräche über die nächste Regierung. Als wahrscheinliche Partner gelten Nationale Allianz und Neue Einheit, beide Mitte-rechts und pro-NATO. Die pro-russische Partei Lettland Zuerst unter Ainārs Šlesers signalisierte Gesprächsbereitschaft, doch Kulbergs lehnt eine Zusammenarbeit mit pro-russischen Kräften wiederholt ab.
Auswirkung: Stärkere pro-westliche Stimme im Baltikum
Das Ergebnis dürfte in Brüssel und im NATO-Hauptquartier begrüßt werden. Eine stabile, pro-europäische Regierung in Riga stärkt die harte Linie des Baltikums gegenüber Moskau und hält Lettland bei den EU-Sanktionen gegen Russland sowie der Militärhilfe für die Ukraine. Die Zusage von 5 Prozent Verteidigungsausgaben stützt zudem die NATO-Luftverteidigung im Baltikum in Zeiten zunehmender Drohnenkriegsführung.
FAQ: Die Lettland-Wahl 2026 erklärt
Wer hat die Wahl in Lettland 2026 gewonnen?
Der pro-europäische Ministerpräsident Andris Kulbergs und seine Vereinigte Liste siegten klar mit rund 35,8 Prozent und 42 Sitzen.
Wie viel Prozent erhielt Kulbergs?
Bei 88 Prozent der ausgezählten Stimmen lag die Vereinigte Liste bei 36,5 Prozent, in den Endresultaten bei 35,77 Prozent.
Bildet Kulbergs eine Koalition mit pro-russischen Parteien?
Nein. Er schloss eine Zusammenarbeit mit Lettland Zuerst und der Souveränen Macht/Jungen Letten aus.
Warum brach die vorherige Regierung zusammen?
Die Koalition zerbrach im Mai 2026 nach wiederholten russischen Drohneneindringlingen in den lettischen Luftraum.
Wie hoch ist Lettlands Verteidigungsziel?
Kulbergs will die Verteidigungsausgaben bei 5 Prozent des BIP halten – einer der höchsten Werte der NATO.
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