Norwegische Korruptionsermittlungen gegen ehemaligen Premierminister
Die norwegischen Behörden haben eine umfassende Korruptionsuntersuchung gegen den ehemaligen Premierminister Thorbjørn Jagland eingeleitet. Der Schritt folgt auf Enthüllungen über seine Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die Ermittlungen, geführt von der norwegischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde (Økokrim), prüfen, ob Jagland während seiner Amtszeit als Generalsekretär des Europarates und Vorsitzender des Nobelkomitees Geschenke, Reisen oder Darlehen erhalten hat.
Epstein-Dokumente lösen Ermittlungen aus
Die Untersuchung wurde durch die Veröffentlichung von mehr als 3 Millionen Seiten Dokumenten aus dem Jeffrey-Epstein-Fall in Gang gesetzt, die Anfang dieses Jahres vom US-Justizministerium öffentlich gemacht wurden. Diese Dokumente offenbarten umfangreiche Kommunikation zwischen Jagland und Epsteins Netzwerk, darunter E-Mails, die zeigen, dass Jagland 2014 einen Familienurlaub auf Epsteins Privatinsel plante und finanzielle Hilfe von Epstein für einen Wohnungskauf in Oslo suchte.
'Unsere Dokumente in dieser Sache sind intern und vertraulich. Wir können sie daher nicht öffentlich machen,' sagte der Europarat gegenüber der norwegischen Zeitung Verdens Gang.
Immunitätshürde in Korruptionsfall
Ein zentrales Hindernis für die Ermittlungen ist Jaglands diplomatische Immunität aus seiner Zeit als Generalsekretär des Europarates von 2009 bis 2019. Die norwegischen Behörden haben formell beim Europarat beantragt, diese Immunität aufzuheben, um eine strafrechtliche Verfolgung zu ermöglichen.
'Wir stehen natürlich bereit, die norwegischen Behörden zu unterstützen,' erklärte der Europarat in seiner Stellungnahme zu dem Immunitätsersuchen.
Das Nobelkomitee, dem Jagland von 2009 bis 2015 vorsaß, wollte sich nicht direkt äußern, sagte aber über einen Sprecher gegenüber Reuters: 'Aber das Komitee begrüßt alle Fakten in dieser Sache.'
Jaglands Reaktion und breitere Implikationen
Jaglands Anwalt hat erklärt, der ehemalige Premierminister begrüße die Untersuchung und glaube, dass sie seinen Namen reinwaschen werde. 'Basierend auf den Informationen, die wir haben, haben wir Vertrauen in das Ergebnis,' sagte der Anwalt zu Reuters.
Jagland selbst hat eingeräumt, dass sein Kontakt zu Epstein unklug war, beharrt aber darauf, dass er Epsteins Privatinsel nie besucht oder mit dessen Privatjet gereist sei. Er bestreitet auch jede Beteiligung an Epsteins Privatleben oder kriminellen Aktivitäten.
Die Ermittlungen sind Teil einer breiteren Überprüfung norwegischer Eliten mit Epstein-Verbindungen. Auch Kronprinzessin Mette-Marit steht unter Druck, nachdem E-Mails enthüllten, dass sie nach Epsteins Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs im Jahr 2008 weiterhin Kontakt zu ihm hielt und 2013 ein Anwesen von Epstein in Florida nutzte.
Laut U.S. News zeigen die Dokumente, dass Epstein als Kontaktpunkt für Visaantragsteller aus mehreren Ländern diente und mehr als 125.000 US-Dollar nach Polen schickte, was die umfangreiche internationale Reichweite seines Netzwerks offenbart.
Politische Folgen in Norwegen
Die Untersuchung stellt eine bedeutende Entwicklung in der norwegischen politischen Landschaft dar, bei der mögliche ethische Verstöße eines der prominentesten Staatsmänner des Landes geprüft werden. Jagland diente von 1996 bis 1997 als norwegischer Premierminister, von 2000 bis 2001 als Außenminister und bekleidete zahlreiche weitere hochrangige Positionen während seiner Karriere.
Der Fall kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt für die norwegische Monarchie und das politische Establishment, da das öffentliche Vertrauen in die Institutionen bereits durch frühere Skandale mit hochrangigen Persönlichkeiten erschüttert wurde.
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