Hintergrund: Nepals tödliches Monsun-Hochwasserrisiko
Die Monsunzeit in Nepal dauert von Juni bis September und löst in den Bergregionen häufig Sturzfluten und Erdrutsche aus. Bei den Nepal-Überschwemmungen 2024 wurden mindestens 224 Menschen getötet, 158 verletzt und 28 als vermisst gemeldet, während 25 Brücken, 37 Fernstraßen und 11 Wasserkraftwerke beschädigt oder zerstört wurden, wie offizielle Regierungsdaten zeigen. Betrawati ist besonders gefährdet, da es am Zusammenfluss von Trishuli und Betrawati liegt – ein Ort, der nach Ansicht von Experten für Monsun-Hochwasserrisikomanagement niemals so dicht bebaut werden hätte dürfen.
Was ist in Betrawati passiert?
Die Uhr im Bankturm blieb um 09:30 Uhr stehen – in dem Moment, als eine Flutwelle den Punkt erreichte, an dem sich Trishuli und Betrawati treffen. Innerhalb weniger Minuten wurde 90 Prozent des Dorfes von einer dicken Schicht grauen Schlamms verschluckt. Die Überschwemmung des Trishuli-Flusses zerstörte Straßen, Brücken und Geschäfte; nur die oberen Stockwerke weniger Gebäude ragten noch aus den Trümmern. Die Schulassistentin Savitri Ranamagar, deren Schule am Flussufer vollständig verschwand, sagte, dass rund 100 Menschen aus dem Dorf mit mehr als 1.000 Einwohnern die erste Welle überlebten. „Ich sagte meinen Schülern, sie sollen zur höher gelegenen Straße gehen, aber ihre Eltern wollten sie mit nach Hause nehmen“, berichtete sie. Fünfzehn ihrer Schüler sind unter den Toten.
Erste Nothilfe erreicht Überlebende
Fünf Tage nach der Katastrophe traf die erste Nothilfe per Hubschrauberabwurf ein. Rote Eimer mit einem Aufkleber der indischen Flagge und Zelte mit einem chinesischen Logo wurden auf den Schlamm geworfen. „Ein Geschenk des indischen Volkes an Nepal“, stand auf den Eimern. Der Überlebende Poorna Bahadur, der 51 Familienmitglieder verlor, nahm Reis, Linsen, Seife und Kleidung an. „Ja, das kann ich sicherlich gebrauchen“, sagte er. Die Verteilung der Nothilfe blieb geordnet: Die Bewohner sammelten die Hilfsgüter zentral ein und überließen dem örtlichen Polizeichef die Entscheidung, wer was erhielt – niemand drängelte sich vor.
Wiederaufbau und der Weg nach vorn
Eine Armeeeinheit landete mit Messgeräten und Werkzeugen, um zu prüfen, ob eine Notbrücke gebaut werden kann. Ingenieure sagen, dass zunächst 200 Meter Straße geräumt werden müssen, die unter mindestens 10 Metern Schlamm liegen. Spezialisierte Bergungsteams in knallgrünen Jacken krochen auf dem Bauch über treibsandartigen Schlamm, um Leichen aus einem eingestürzten Haus zu bergen – sie kamen mit zwei blauen Leichensäcken zum Vorschein, während Anwohner und Journalisten schweigend zusahen. Offizielle schätzen, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung von Betrawati gestorben sind. „Zuerst muss eine Straße kommen, dann die Brücke und die Schulen. Dann müssen wir uns wieder als Gemeinschaft fühlen“, sagte Ranamagar.
Was bedeutet das für Nepal?
Die Katastrophe verdeutlicht die wachsende Bedrohung durch klimabedingte Flutkatastrophen im Himalaya, wo sich stärkere Monsunregen und schlechte Bebauungsplanung an Flussufern tödlich verbinden. Während nun internationale Hilfe aus Indien und China eintrifft, wird der Wiederaufbau der Infrastruktur und des sozialen Gefüges von Betrawati Jahre dauern.
Häufig gestellte Fragen
Wo liegt Betrawati in Nepal?
Betrawati ist ein Bergdorf am Zusammenfluss von Trishuli und Betrawati in der nepalesischen Bagmati-Provinz, nördlich von Kathmandu.
Wie viele Menschen starben bei der Überschwemmung in Betrawati?
Überlebende schätzen, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung des Dorfes mit mehr als 1.000 Einwohnern starben, allerdings wurde die offizielle Zahl der Todesopfer noch nicht bestätigt.
Wann traf die erste Nothilfe ein?
Der erste Hubschrauber-Hilfsabwurf erreichte Betrawati fünf Tage nach der Flutwelle, mit Hilfsgütern aus Indien und China.
Warum war Betrawati so lange abgeschnitten?
Straßen, Brücken und Wege waren unter bis zu 10 Metern weichem, treibsandartigem Schlamm begraben, wodurch das Dorf fast eine Woche lang für Lastwagen unzugänglich war.
Follow Discussion