Was steckt hinter der BND-Warnung vor Russland?
Deutschland droht, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland hineingezogen zu werden, warnte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) am Montag in Berlin. Bei der jährlichen Anhörung des Bundestags zur Lage der Nachrichtendienste am 5. Oktober 2026 sagte BND-Präsident Martin Jäger, Moskau sehe Deutschland wegen der militärischen Unterstützung für die Ukraine und der Einsätze im Baltikum nun als „Hauptfeind“.
Jäger sagte vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium: „Wir suchen diese Konfrontation nicht; Russland zwingt uns hinein. Sie sehen uns als ihren Hauptfeind.“ Als größter militärischer Unterstützer der Ukraine sei Deutschland zum direkten Ziel russischer Operationen geworden.
Der vereitelte Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig im August 2026, bei dem Sprengstoffdrohnen ein Transportflugzeug zerstören sollten, gilt als konkretes Beispiel. Der BND rechnet mit weiterer Sabotage und sogar Attentaten. „Die russischen Dienste arbeiten professionell und rücksichtslos“, warnte Jäger.
Wie Russlands Schattenkrieg gegen Deutschland abläuft
Jäger beschrieb eine koordinierte Kampagne hybrider Kriegsführung, die Angriffe auf die Ukraine mit Aktionen gegen europäische Verbündete verbindet. Ziel sei, die deutsche Unterstützung für Kyjiw zu untergraben und den NATO-Zusammenhalt zu schwächen.
Wichtigste Vorfälle, die russischen Diensten zugeschrieben werden
- Versuchter Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig auf ein Militärtransportflugzeug
- Brandanschlag auf ein Rüstungsunternehmen in München
- Fund eines Waffendepots bei Berlin
- Wiederholte Drohneneinflüge über kritischer Infrastruktur
Martina Rosenberg, Chefin des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), sagte, solche Operationen sollten „das Vertrauen der Bürger in die Verteidigungsfähigkeit des Staates untergraben“ und soziale Spaltung fördern. Der gescheiterte Drohnenangriff auf Leipzig gilt als Wendepunkt im Umgang der Behörden mit der Gefahr.
Politischer Druck und schwindende Ukraine-Unterstützung
Die russische Strategie wirkt teils: Vier von zehn Deutschen halten die Waffenlieferungen für zu weitgehend, der Widerstand ist in Ostdeutschland am stärksten. AfD und Linke, beide kritisch gegenüber Militärhilfe, legten bei Landtagswahlen zu. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Lieferungen einen „enormen Fehler“.
Jäger warnte, solches Zögern ermutige Moskau: „Jedes Zeichen des Zögerns ermutigt Russland, den Druck zu erhöhen.“ Er sagte häufigere Nukleardrohungen voraus. Eine akute Gefahr eines umfassenden Krieges sehe er nicht, kleinere Militäraktionen im Baltikum – etwa „kleine grüne Männer“ wie 2014 auf der Krim – aber durchaus.
Was das für Deutschland und die NATO bedeutet
Kanzler Friedrich Merz hat die Ukraine-Unterstützung zur Priorität gemacht. Bei einem Besuch in Kyjiw kündigte er ein neues Hilfspaket an; die deutschen Zusagen für 2026 steigen auf 11,5 Milliarden Euro. Der Bundestag soll zudem über eine Reform abstimmen, die den Diensten neue Befugnisse für defensive Auslandsoperationen gäbe.
Die Zuspitzung spiegelt breitere europäische Sicherheitsbedrohungen, die NATO-Staaten zu einer Neubewertung ihrer Verteidigung zwingen. Für Deutschland geht es darum, öffentliche Unterstützung zu sichern und sich auf einen langfristigen hybriden Konflikt vorzubereiten.
FAQ
Droht Deutschland ein Krieg mit Russland?
Jäger warnt, Deutschland könne in einen gewaltsamen Konflikt hineingezogen werden, sieht aber keine akute Gefahr eines großangelegten Angriffs auf NATO-Territorium.
Was sagte der BND-Chef über Russland?
Moskau sehe Deutschland als „Hauptfeind“ und führe einen Schattenkrieg aus Sabotage, Drohneneinflügen und Nukleardrohungen.
Was war der Angriff auf den Flughafen Leipzig?
Im August 2026 sollten Sprengstoffdrohnen ein Militärtransportflugzeug zerstören; der Fall gilt als Wendepunkt der Bedrohungsbewertung.
Wie reagieren die Deutschen?
Vier von zehn halten die Waffenlieferungen für zu weitgehend; in Ostdeutschland schwindet die Unterstützung am schnellsten.
Was bedeutet „kleine grüne Männer“?
Unmarkierte Soldaten, die ein Gebiet besetzen – wie 2014 auf der Krim. Der BND hält das im Baltikum für realistisch.
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