Zwei europäische Frauen, die vor mehr als 18 Monaten im Niger entführt wurden, sind freigelassen und nach Hause geflogen worden. Das bestätigten Behörden am 22. Oktober 2026. Die österreichische Entwicklungshelferin Eva Gretzmacher (76) und die Schweizer Sozialarbeiterin Claudia Abbt (69) wurden aus der Gefangenschaft in der Sahelzone befreit und in Bengasi im Osten Libyens den Behörden übergeben, bevor sie nach Europa zurückgebracht wurden. Der Fall sorgte international für Aufmerksamkeit, da Entführungen durch Dschihadisten in der Region stark zugenommen haben.
Hintergrund: Die Entführungen von Agadez
Gretzmacher wurde am 11. Januar 2025 von bewaffneten Männern aus ihrem Haus im Distrikt Fada in Agadez verschleppt. Sie lebte seit 1997 in der Stadt und leitete den gemeinnützigen Verein AMANAY für Bildung, Gesundheit und Handwerk. Wenige Monate später, am 13. April 2025, wurde Abbt im Stadtviertel Dagmanett 2 unter Waffengewalt aus ihrer Wohnung entführt. Abbt war aus Algerien nach Agadez gekommen, ist mit einem nigrischen Staatsangehörigen verheiratet und gründete die Handwerker-Organisation Tellit. Beide Frauen wurden später an mehrere Orte in der Region Gao im benachbarten Mali gebracht, darunter Gebiete bei Asongo, Ménaka und Adéramboukane.
Die Fälle reihen sich in ein breiteres Muster von Entführungen und Lösegeldforderungen in der Sahelzone ein, die sich gegen Ausländer und humanitäre Helfer richten. Österreichische und Schweizer Behörden bestätigten die Freilassungen am Donnerstag nach Tagen unbestätigter Berichte.
Freilassung und Rückkehr nach Europa
Nach ihrer Freilassung wurden die Frauen zur medizinischen Untersuchung nach Bengasi gebracht und anschließend nach Wien bzw. in die Schweiz geflogen. Das österreichische Außenministerium sprach von einem "langen, komplexen und höchst sensiblen diplomatischen Prozess". Die Schweiz teilte mit, Abbt sei in Bengasi medizinisch versorgt worden und kehre nach mehr als 18 Monaten heim. In einem Video des libyschen Senders al-Masar TV dankte Abbt dem ostlibyschen Befehlshaber Khalifa Haftar und dessen Sohn Saddam, die die Freilassung koordinierten.
"Ich bin sehr glücklich, dass ich freigelassen wurde. Ich danke Haftar und seinem Sohn, General Saddam Khalifa Haftar, für alles, was sie getan haben, um uns zu befreien. Vielen Dank."
Christoph, Gretzmachers Sohn, hatte RTL Nieuws von seinen Bemühungen um ihre Freilassung berichtet, darunter Kontakte zu General Haftar, der bereits bei anderen Entführungen vermittelte. Der Freilassung gingen monatelange diplomatische Bemühungen voraus; im Mai 2026 sollen die Lösegeldforderungen gesenkt worden sein, nachdem sich Gretzmachers Gesundheit kritisch verschlechtert hatte.
Wer stand hinter den Entführungen?
Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu den Entführungen, doch am 29. April 2025 veröffentlichte der Islamische Staat – Provinz Sahel (ISSP) ein Lebenszeichen-Foto von Gretzmacher und reklamierte die Taten für sich. Ermittler gehen davon aus, dass der ISSP die Frauen wahrscheinlich über Subunternehmer entführen ließ. Al-Qaida und ihr regionaler Ableger bestritten eine Beteiligung. Der Fall zeigt, wie die dschihadistische Aufstandsbewegung in der Sahelzone eine lukrative Entführungswirtschaft neben Menschenschmuggel und Erpressung befeuert.
Sicherheitslage in der Sahelzone
Die Freilassungen fallen in eine Zeit anhaltender Instabilität im Niger nach dem Putsch von 2023 und wachsender dschihadistischer Gewalt in Mali, Burkina Faso und Niger. Entführungen von Westlern und lokalen Arbeitskräften haben stark zugenommen; Anfang 2025 gab es mehrere Vorfälle nahe dem Agadem-Komplex, in Sakoira und am Kandadji-Staudamm. Sicherheitsanalysten warnen, dass Lösegeldzahlungen an Milizen weitere Gewalt finanzieren könnten; ob in diesem Fall ein Lösegeld floss, ist unbestätigt.
FAQ
Wer waren die im Niger entführten Frauen?
Die Österreicherin Eva Gretzmacher (76) und die Schweizerin Claudia Abbt (69) wurden 2025 getrennt in Agadez entführt.
Wo wurden sie festgehalten?
In der Region Gao in Mali, unter anderem bei Asongo, Ménaka und Adéramboukane.
Welche Gruppe war verantwortlich?
Der Islamische Staat – Provinz Sahel bekannte sich, vermutlich über Subunternehmer.
Wie kamen sie frei?
Im Oktober 2026 wurden sie nach Bengasi gebracht und nach Österreich und in die Schweiz geflogen; vermittelt haben Khalifa Haftar und sein Sohn Saddam.
Wurde ein Lösegeld gezahlt?
Die Behörden haben dies nicht bestätigt.
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