Warum die Niederlande nicht-biometrische russische Pässe ablehnen
Die offizielle Begründung ist Sicherheit: Ohne Biometrie-Chip ist es deutlich schwieriger, die Echtheit eines Passes zu überprüfen. Mit der neuen Regel erhalten Grenzbeamte und Visabeauftragte eine zusätzliche Kontrollebene. Die Niederlande, Belgien, Schweden und Luxemburg haben vereinbart, nicht-biometrische russische Pässe nicht mehr anzuerkennen, doch viele andere europäische Länder haben sich nicht angeschlossen.
Der Schritt folgt auf jahrelange EU-Visabeschränkungen für russische Staatsbürger, die nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 eingeführt wurden. Biometrische russische Pässe enthalten einen eingebetteten Chip mit den Daten des Inhabers und sind zehn Jahre gültig, während nicht-biometrische Pässe billiger, schneller zu erhalten und nur fünf Jahre gültig sind.
Was ist ein biometrischer Pass?
Ein biometrischer Pass enthält einen elektronischen Chip, der das Foto, persönliche Daten und oft Fingerabdrücke des Inhabers speichert. Da der Chip kryptografisch signiert ist, ist er deutlich schwerer zu fälschen oder zu verändern als ein herkömmlicher gedruckter Pass. Deshalb stufen mehrere EU-Staaten nicht-biometrische russische Pässe als weniger zuverlässige Reisedokumente ein.
Welche europäischen Länder lehnen nicht-biometrische russische Pässe ab?
Laut Ankündigungen der Europäischen Kommission erkennen inzwischen 15 europäische Staaten russische nicht-biometrische Pässe nicht mehr an. Dazu gehören:
- Niederlande, Belgien, Luxemburg und Schweden (ab 1. Oktober 2026)
- Frankreich, Deutschland, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Tschechien
Mehrere andere EU-Länder erkennen die Dokumente weiterhin an und verweisen auf wirtschaftliche und diplomatische Erwägungen.
Die Serbien-Route: Ein großes Schlupfloch
Kritiker weisen auf ein erhebliches Schlupfloch hin: Serbien lässt Russen weiterhin ins Land, und da Serbien an mehrere Schengen-Staaten grenzt, entsteht nach Ansicht von Gegnern eine Hintertür für die Weiterreise in die Europäische Union. Der Europaabgeordnete Thijs Reuten von der niederländischen Partei Pro sagt, das Schlupfloch könne nur geschlossen werden, wenn der gesamte Schengen-Raum kooperiere.
Dies ähnelt der Visafreiheit Serbiens, die zunehmend von der EU kritisch beäugt wird. Reuten bezeichnete die neue niederländische Maßnahme als „einen Tropfen auf den heißen Stein“, angesichts der größeren Lücken in der europäischen Grenzkoordination.
Warum sich einige EU-Länder weigern, mitzumachen
Laut Reuten wird eine einheitliche europäische Politik teilweise aus wirtschaftlichen Gründen blockiert. Russen, die als Touristen in europäische Länder reisen, kurbeln die lokale Wirtschaft an, und einige Regierungen möchten diesen Geldfluss erhalten.
„Frankreich, Deutschland und Italien wollen, dass die Elite weiterhin hierher kommen und Geld ausgeben kann“, sagte Reuten gegenüber BNR. Die Kluft spiegelt größere Lücken bei der Durchsetzung von EU-Sanktionen wider, die auch in anderen Sektoren zu beobachten sind, wo Mitgliedstaaten Sicherheitsbedenken gegen kommerzielle Interessen abwägen.
Auswirkungen auf russische Reisende
Ab dem 1. Oktober 2026 können Russen mit nicht-biometrischen Pässen nicht mehr mit diesen Dokumenten in die Niederlande einreisen. Wer bereits einen gültigen biometrischen russischen Pass besitzt oder einen neuen erhält, unterliegt weiterhin den üblichen Visabestimmungen, ist aber von der neuen Anerkennungsregel nicht betroffen. Die Maßnahme zielt vor allem auf ältere, billigere nicht-biometrische Dokumente ab, die leichter zu fälschen sind.
Experten warnen, dass die Änderung russische Reisen möglicherweise nicht so stark einschränkt wie beabsichtigt, da viele Russen weiterhin biometrische Pässe erhalten können und die Serbien-Route offen bleibt. Die praktische Wirkung hängt davon ab, ob Schengen-Grenzkontrollreformen breiter angenommen werden.
Häufig gestellte Fragen
Wann erkennt die Niederlande russische nicht-biometrische Pässe nicht mehr an?
Die neue Regel tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft.
Können Russen mit biometrischem Pass weiterhin in die Niederlande reisen?
Ja. Biometrische russische Pässe werden weiterhin anerkannt, und Inhaber müssen weiterhin die Visabestimmungen erfüllen.
Was ist die Serbien-Route?
Serbien erlaubt Russen weiterhin die visumfreie Einreise und schafft so potenziell eine Hintertür in den Schengen-Raum für die Weiterreise.
Welche Länder haben sich den Niederlanden bei der Ablehnung nicht-biometrischer russischer Pässe angeschlossen?
Belgien, Schweden und Luxemburg schließen sich an, womit die Gesamtzahl der europäischen Staaten, die die Anerkennung verweigern, auf 15 steigt.
Warum lehnen Frankreich, Deutschland und Italien ein einheitliches Verbot ab?
Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, darunter Tourismusausgaben russischer Eliten.
Follow Discussion