Australien schiebt Migranten auf abgelegene Insel Nauru ab

Australien schiebt 354 Migranten mit Vorstrafen nach Nauru in 1,4-Milliarden-Euro-Deal ab, was Kritik von Menschenrechtsorganisationen auslöst.

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Australiens Umstrittenes Migrationsabkommen mit Nauru

Australien hat neue Gesetze verabschiedet, die die schnelle Abschiebung von Migranten in den abgelegenen Inselstaat Nauru ermöglichen. Das umstrittene Gesetz zielt auf die sogenannte 'NZYQ-Gruppe' von 354 Migranten ab, die zuvor in unbefristeter Einwanderungshaft in Australien festgehalten wurden. Viele dieser Personen haben Strafregister, haben ihre Haftstrafen jedoch bereits verbüßt.

Rechtlicher Hintergrund und Internationale Kritik

Die Gesetzgebung ist eine Reaktion auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom November 2023, das die unbefristete Inhaftierung von Migranten verbot. Der australische Innenminister Tony Burke flog letzte Woche unerwartet nach Nauru, um die Vereinbarung mit Präsident David Adeang zu unterzeichnen. Das Abkommen hat scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Oppositionsparteien hervorgerufen, die argumentieren, dass es Verfahrensrechte verletzt und einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen könnte.

Finanzielle Bedingungen und Laufzeit

Für Nauru stellt die Vereinbarung einen erheblichen finanziellen Segen dar. Australien zahlt dem Inselstaat etwa 230 Millionen Euro Vorauszahlung plus zusätzliche 39 Millionen Euro pro Jahr. Das 30-jährige Abkommen könnte australische Steuerzahler letztendlich bis zu 1,4 Milliarden Euro kosten.

Wirtschaftliche Situation von Nauru

Nauru, etwa 3.000 Kilometer nordöstlich von Australien gelegen, ist der drittkleinste Staat der Welt mit nur 21 Quadratkilometern Landfläche und etwa 12.000 Einwohnern. Der Inselstaat leidet unter extremer Armut nach jahrzehntelangem Phosphatabbau, der die Umwelt verwüstet hat und das Land weitgehend unfruchtbar mit hohen Arbeitslosenquoten zurückließ.

Historischer Kontext: Pacific Solution

Dies ist nicht Australiens erste Nutzung von Nauru für die Migrantenbearbeitung. Seit 2013 unterhält Australien eine strenge Asylpolitik, bekannt als 'Pacific Solution', bei der Bootsankünfte in Einrichtungen auf Nauru und der Insel Manus, Papua-Neuguinea, festgehalten wurden. Die Vereinten Nationen haben Australien wiederholt für diese Praktiken kritisiert und verweisen auf schlechte Bedingungen und Menschenrechtsverletzungen in den Haftzentren.

Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass sich diese neue Vereinbarung über die ursprüngliche Gruppe hinaus auf andere Flüchtlinge und Asylsuchende ausweiten könnte. Kritiker argumentieren, dass Australien seiner Verantwortung für die Behandlung von Migranten nicht entgehen kann, indem es die Haft einfach an ein anderes Land auslagert.

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