Kranunfälle in Thailand offenbaren gravierende Baustellensicherheitsprobleme

Zwei aufeinanderfolgende Kranunfälle in Thailand fordern 34 Todesopfer und legen systemische Baustellensicherheitsprobleme, schwache Durchsetzung und Korruption offen. Derselbe Auftragnehmer bei mehreren Katastropfen wirft Fragen zur Verantwortlichkeit auf.

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Zwei Kranunfälle in Folge fordern 34 Todesopfer in Thailand

Thailand wird von zwei katastrophalen Kranunfällen innerhalb von 24 Stunden erschüttert, bei denen insgesamt 34 Menschen ums Leben kamen und systemische Mängel in der Baustellensicherheitskontrolle offengelegt wurden. Die Tragödien haben zu nationaler Empörung geführt und dringende Fragen aufgeworfen, warum gefährliche Bauunternehmen trotz früherer tödlicher Vorfälle weiterhin operieren dürfen.

Die tödlichen Ereignisse

Am 14. Januar 2026 stürzte ein Baukran auf einen mit 120 km/h fahrenden Personenzug in der Provinz Nakhon Ratchasima, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Bangkok. Der Kran, betrieben von Italian-Thai Development Plc (ITD), arbeitete am prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt Bangkok-Kunming, als er fiel, den Zug in zwei Teile schnitt und Explosionen sowie einen Brand verursachte. 'Die Szene war grauenhaft - der Zug wurde sauber von dem Betonbalken durchtrennt,' sagte ein lokaler Rettungskraft, der anonym bleiben wollte. Die Katastrophe forderte 32 Menschenleben und verletzte 66 weitere.

Nur einen Tag später, am 15. Januar, stürzte ein weiterer von ITD betriebener Kran auf der Rama II Expressway-Baustelle in der Provinz Samut Sakhon bei Bangkok ein, wobei zwei Fahrzeuge zerstört und zwei Menschen getötet wurden. Die Rama II-Straße hat aufgrund mehrerer tödlicher Unfälle in den letzten Jahren, darunter frühere Kran-Einstürze im November 2024 und Betonbalkenversagen im März 2025, den düsteren Spitznamen 'Todesstraße' erhalten.

Derselbe Auftragnehmer, wiederholte Tragödien

Beide Unfälle betrafen Italian-Thai Development Plc, eines der größten Bauunternehmen Thailands mit einer Geschichte von Sicherheitsvorfällen. Laut Wikipedia wurde ITD 1958 gegründet und war an großen Projekten wie dem Suvarnabhumi Airport und der BTS Skytrain beteiligt. Das Unternehmen hat jedoch in jüngster Zeit mehrere Sicherheitsversagen erlebt.

Im August 2025 wurde ITD zusammen mit seinem Joint-Venture-Partner China Railway No. 10 wegen Verstößen gegen Bauvorschriften angeklagt, nachdem das State Audit Office-Gebäude während des Erdbebens in Mandalay eingestürzt war, wobei fast 100 Menschen ums Leben kamen. Das Unternehmen war auch am Einsturz der Rama III–Dao Khanong Expressway im März 2025 beteiligt, bei dem sieben Menschen starben.

'Warum steht dieses Unternehmen nicht auf einer schwarzen Liste?' forderte Premierminister Anutin Charvirakul während seines Besuchs am Zugunglücksort. 'Das ist das gleiche Lied, das immer wieder gespielt wird. Wir brauchen sofortige Maßnahmen - wir können dieses Problem nicht weiter andauern lassen.'

Systemische Sicherheitsversagen und Korruption

Thailand verfügt über umfassende Baustellensicherheitsvorschriften, darunter das Occupational Safety, Health, and Environmental Act von 2011, das Sicherheitsbeauftragte auf Baustellen vorschreibt. Die Durchsetzung bleibt jedoch notorisch schwach. 'Die Regeln existieren auf dem Papier, aber die Durchsetzung ist miserabel,' sagte Baustellensicherheitsexperte Dr. Somchai Pongpanich. 'Korruption unter lokalen Politikern und Beamten ist ein wesentlicher Faktor.'

Laut The Nation Thailand hat das Comptroller-General's Department klargestellt, dass es Auftragnehmer nicht einseitig auf eine schwarze Liste setzen kann, und keine Regierungsbehörde hat jemals vorgeschlagen, Auftragnehmer, die an schweren Unfällen oder Todesopfern beteiligt sind, auf eine schwarze Liste zu setzen. Diese regulatorische Lücke ermöglicht es wiederholten Tätern, weiter zu operieren.

Der Verkehrsminister hat die Notwendigkeit von Verantwortung und strengeren Vorschriften betont, aber Beobachter sagen, dass bedeutungsvolle Veränderungen nachhaltige Durchsetzung anstelle vorübergehender Maßnahmen erfordert. 'Wir haben nach jeder Tragödie Versprechungen gesehen, aber das System bleibt kaputt,' sagte Menschenrechtsaktivistin Pimchanok Srisuwan.

Politische Implikationen und öffentliche Empörung

Die Unfälle kommen zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt für Premierminister Anutin und seine zentristische Partei, die unter Druck von der progressiven People's Party junger Anti-Establishment-Aktivisten steht, die in Umfragen führen. Der Premierminister äußerte besondere Wut über die Entschädigung, die den Familien der Opfer angeboten wurde - nur 1.100 Euro pro Opfer von der State Railway of Thailand. 'Das ist viel zu wenig. Es ist nicht nur eine Ohrfeige für die Familien, sondern auch eine Ohrfeige für die Regierung,' sagte er.

Internationale Medien haben ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Baustellensicherheitsstandards Thailands geäußert. Die BBC stellte fest, dass in sieben Jahren etwa 150 Menschen bei Unfällen auf der Baustrecke von Bangkok nach Südthailand ums Leben gekommen sind, und nannte sie eine 'Straße des Todes'.

Fortschritt: Reformen und Verantwortlichkeit

Die Regierung hat landesweite Sicherheitsbewertungen und mögliche gesetzliche Änderungen versprochen. Das Comptroller-General's Department führte eine neue 'Contractor Rating Book'-Regulierung ein, die ab Januar 2026 in Kraft tritt und Punktabzüge, Ausschreibungssperren und Herabstufungen von Auftragnehmern bei schwerer Fahrlässigkeit, die die öffentliche Sicherheit gefährdet, ermöglicht.

Darüber hinaus hat Thailand Anti-Korruptionsmaßnahmen in öffentlichen Bauprojekten verstärkt, indem es verlangt, dass externe Drittbeobachter während der anfänglichen Ausschreibungsphasen des Integrity Pact-Programms mit der Überwachung beginnen, das sich als wirksam erwiesen hat, um Milliarden Baht durch Empfehlungen der Beobachter einzusparen.

Aber während Rettungskräfte weiterhin Trümmer räumen und Familien ihren Verlust betrauern, fragen sich viele Thailänder, ob es diesmal anders sein wird. 'Wir haben zu viele Menschen aufgrund dieser vermeidbaren Unfälle begraben,' sagte Nakhon Ratchasima-Bewohnerin Supaporn Chaiyaporn. 'Wann wird unsere Sicherheit wichtiger sein als Profit?'

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