Ein Busfahrer tötete einen ultraorthodoxen Teenager bei einem Protest gegen die Wehrpflicht in Jerusalem. Der Vorfall offenbart tiefe gesellschaftliche Spannungen in Israel über die langjährige Befreiung religiöser Gruppen vom Militärdienst.
Tragödie bei Jerusalem-Protest gegen Wehrpflicht
Ein Busfahrer fuhr am Dienstagabend in eine Menge ultraorthodoxer jüdischer Demonstranten in Jerusalem, wobei ein 18-jähriger Teenager getötet und drei weitere verletzt wurden. Der Vorfall ereignete sich während eines Massenprotests gegen die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer. Etwa 15.000 Haredi-Männer hatten sich versammelt, um gegen das Ende ihrer langjährigen Befreiung vom obligatorischen Militärdienst in Israel zu protestieren.
Gewaltsame Auseinandersetzung bei wachsenden Spannungen
Laut israelischen Polizeiberichten gab der Busfahrer an, von Demonstranten angegriffen worden zu sein, als er versuchte, zu fliehen. 'Der Fahrer erklärte, er sei von Randalierern belästigt worden und sei in die Menge gefahren, während er versuchte zu entkommen,' sagte ein Polizeisprecher Reportern. Das Opfer, dessen Identität nicht offiziell bekannt gegeben wurde, wurde an der Stelle für tot erklärt, nachdem es unter den Bus geraten war.
Der Protest wurde im Laufe des Abends zunehmend gewalttätig. Demonstranten blockierten wichtige Straßen, zündeten Feuer an und warfen Steine auf Polizei und Journalisten. 'Mehrere Journalisten wurden angegriffen, als sie versuchten, die Demonstration mit ihren Mobiltelefonen zu filmen,' berichtete Haaretz. Ein Kamerateam soll von Demonstranten mit Steinen beworfen worden sein.
Historischer Kontext der Wehrpflichtkontroverse
Die Tragödie unterstreicht tief verwurzelte Spannungen in der israelischen Gesellschaft über die Befreiung ultraorthodoxer Jeschiwa-Studenten vom Militärdienst. Seit der Gründung Israels im Jahr 1948 sind Haredi-Männer weitgehend vom obligatorischen Militärdienst befreit, um sich auf das Torastudium zu konzentrieren. Diese Politik hat zunehmenden Widerstand unter säkularen Israelis hervorgerufen, die dienen müssen.
Dies änderte sich 2024 drastisch, als der israelische Oberste Gerichtshof entschied, dass die Befreiungen diskriminierend und verfassungswidrig seien. 'Das Gericht stellte fest, dass die Ausnahmeregelung diskriminierend und gesetzlich unzulässig sei,' so Rechtsexperten. Das Urteil fiel zu einem kritischen Zeitpunkt, als die israelische Armee während des Gaza-Konflikts unter schweren Personalmangel litt.
Politische Implikationen für die Netanjahu-Regierung
Die Wehrpflichtfrage ist zu einem politischen Minenfeld für Premierminister Benjamin Netanjahu geworden, dessen Likud-Partei für seine Regierungskoalition auf ultraorthodoxe politische Parteien angewiesen ist. Im Juli 2025 drohte die Vereinigte Thora-Judentum-Partei wegen des Wehrpflichtstreits aus Netanyahus Regierung auszutreten, wodurch seine parlamentarische Mehrheit auf eine sehr knappe Marge schrumpfte.
'Diese Tragödie legt die Nerven in der israelischen Gesellschaft zwischen religiösen und säkularen Gemeinschaften bloß,' sagte Politikanalyst David Levy. 'Netanyahu balanciert zwischen dem Erhalt seiner Koalition und der Bewältigung militärischer Bedürfnisse während anhaltender Konflikte.'
Gemeinschaftsreaktion und Untersuchung
Ultraorthodoxe Führer haben die Gewalt verurteilt, lehnen aber weiterhin die Wehrpflicht ab. 'Wir trauern um den Verlust eines jungen Lebens, aber wir können unsere religiösen Prinzipien nicht aufgeben,' sagte Rabbiner Moshe Friedman, ein Gemeindesprecher. 'Das Torastudium hat das jüdische Volk über Generationen hinweg beschützt, und der Militärdienst bedroht unsere Lebensweise.'
Die israelische Polizei hat den Busfahrer festgenommen und eine vollständige Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenstoß knapp außerhalb des Hauptprotestgebiets stattfand. Es bleiben jedoch Fragen offen, ob der Fahrer aus Notwehr handelte oder fahrlässig.
Der Vorfall hat eine erneute Debatte über religiöse Befreiungen in Israel entfacht. Einige fordern Kompromisslösungen, andere die vollständige Integration ultraorthodoxer Männer in den nationalen Dienst. Während Israel weiterhin mit Sicherheitsherausforderungen konfrontiert ist, unterstreicht dieses tragische Ereignis die schwierige Balance zwischen Religionsfreiheit und nationaler Verantwortung. Die Diskussion wird durch die anhaltenden regionalen Spannungen und den Bedarf der Armee an Personal weiter angeheizt.
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