BRICS Pay soll am 12.–13. September 2026 beim 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi, Indien, in Betrieb genommen werden – ein Wendepunkt für die globale Finanzinfrastruktur. Diese dezentrale Zahlungsplattform, entwickelt von der BRICS-Organisation, bietet eine praktische Alternative zum SWIFT-System, indem sie nationale Zahlungssysteme und CBDCs der Mitgliedsstaaten integriert. Der Weltwirtschaftsbericht 2026 stuft geopolitische Konfrontation als größtes globales Risiko ein, was die strategische Bedeutung dieses Systems unterstreicht.
Was ist BRICS Pay?
BRICS Pay ist ein dezentraler, unabhängiger Zahlungsnachrichtenmechanismus, der grenzüberschreitende Transaktionen in lokalen Währungen ermöglicht und den US-Dollar sowie das SWIFT-Netzwerk umgeht. Erstmals 2018 vom BRICS-Wirtschaftsrat konzipiert, erhielt das System im Oktober 2024 auf dem Gipfel in Kasan volle Unterstützung durch China. Die Plattform umfasst nun 11 Vollmitglieder: Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Indonesien.
Technische Infrastruktur: Die Bausteine
Die BRICS-Pay-Architektur integriert bestehende nationale Zahlungssysteme in eine einheitliche Schnittstelle. Zu den Hauptkomponenten gehören:
- Brasiliens Pix – Echtzeit-Zahlungssystem, das jährlich Milliarden von Transaktionen abwickelt.
- Chinas CIPS – Alternative zu SWIFT, die 2025 rund 24,5 Billionen US-Dollar verarbeitete.
- Russlands SPFS – Eigenes Finanznachrichtensystem, entwickelt nach der Drohung einer SWIFT-Abschaltung.
- Indiens UPI und digitale Rupie – Erfolgreiches Echtzeitsystem und CBDC (e-Rupie).
Die technische Architektur von BRICS Pay umfasst außerdem das dezentrale grenzüberschreitende Nachrichtensystem (DCMS), entwickelt von Wissenschaftlern der Universität St. Petersburg. Es arbeitet ohne zentralen Hub, ist resistent gegen externe Eingriffe und soll nach der Pilotphase Open Source werden.
CBDC-Interoperabilität: Die nächste Grenze
Eine Schlüsselinnovation für den Start 2026 ist die Verknüpfung der CBDCs der Mitgliedsstaaten. Die indische Zentralbank schlug vor, die e-Rupie, den digitalen Yuan, Brasiliens Drex und den digitalen Rubel über eine gemeinsame Infrastruktur zu verbinden. Statt einer einheitlichen BRICS-Währung nutzt das System zwei Mechanismen: Abwicklungszyklen (periodisches Netting) und Devisenswap-Linien. Das mBridge-Projekt, eine Multi-CBDC-Plattform mit China, Hongkong, Thailand und den VAE, hat bereits die Machbarkeit bewiesen und 55 Milliarden US-Dollar an Transaktionen abgewickelt.
Strategische Auswirkungen auf die Dollardominanz
Der Start von BRICS Pay erfolgt zu einer Zeit, in der der US-Dollar-Anteil an den globalen Währungsreserven von rund 72 % vor zwei Jahrzehnten auf unter 57 % im Jahr 2026 gefallen ist – ein 30-Jahres-Tief. Das Einfrieren von 300 Milliarden US-Dollar russischer Reserven im Jahr 2022 war ein Wendepunkt. BRICS-Zentralbanken haben seit 2022 über 2.100 Tonnen Gold angehäuft. Dennoch erscheint der Dollar auf einer Seite von 88 % aller Devisentransaktionen und macht etwa 50 % der SWIFT-Zahlungen aus. Der Entdollarisierungstrend ist eine langsame, multidimensionale Verschiebung, kein sofortiger Ersatz.
Interne Spaltungen und geopolitische Herausforderungen
Trotz technischer Fortschritte sind die BRICS-Mitglieder uneins über Tempo und Umfang der Entdollarisierung. Russland und Iran drängen aggressiv auf einen schnellen Wandel, während Indien und Brasilien einen Multiwährungsansatz bevorzugen. Die USA haben 100-prozentige Zölle auf Länder angedroht, die am Ersatz des Dollars arbeiten. Die Herausforderungen der BRICS-Erweiterung umfassen auch die technische Interoperabilität Dutzender nationaler Banksysteme mit unterschiedlichen Standards.
Expertenmeinungen
„Die multipolare Ordnung, die wir anstreben, spiegelt sich im internationalen Finanzsystem wider“, sagte Brasiliens Präsident Lula da Silva. Russland ist der stärkste Befürworter, da das System als wesentlich zur Umgehung von SWIFT angesehen wird. Indiens BRICS-Vorsitz unter dem Motto „Aufbau von Resilienz, Innovation, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit“ stellt die digitale Infrastruktur in den Mittelpunkt.
FAQ
Was ist BRICS Pay?
Ein dezentrales Zahlungsnachrichtensystem für grenzüberschreitende Transaktionen in Lokalwährungen unter BRICS-Mitgliedern, das SWIFT und den US-Dollar umgeht.
Wann wird BRICS Pay starten?
Vollständiger Betriebsstart am 12.–13. September 2026 beim 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi.
Wie unterscheidet sich BRICS Pay von SWIFT?
Im Gegensatz zu SWIFT, das zentralisiert und US-dominiert ist, nutzt BRICS Pay ein dezentrales Nachrichtensystem (DCMS) ohne zentralen Hub, das resistent gegen externe Kontrolle oder Sanktionen ist.
Wird BRICS Pay den US-Dollar ersetzen?
Ziel ist die Reduzierung der Dollar-Abhängigkeit durch lokale Währungsabwicklung, aber der Dollar bleibt dominant. Das System ist als parallele Option konzipiert, nicht als sofortiger Ersatz.
Welche Länder nehmen teil?
Alle 11 BRICS-Mitglieder sowie zehn Partnerländer, die 2025 hinzugefügt wurden.
Fazit: Eine multipolare finanzielle Zukunft
Die BRICS-Pay-Initiative ist ein bedeutender Schritt hin zu einem multipolaren globalen Finanzsystem. Trotz technischer, politischer und geopolitischer Hürden markiert der geplante Start im Jahr 2026 – zeitgleich mit Indiens BRICS-Vorsitz und der WEF-Warnung vor geokonomischer Konfrontation – einen strategischen Wendepunkt. Ob BRICS Pay interne Spaltungen und externen Druck überwinden kann, wird die Entwicklung des globalen Handelsfinanzwesens für Jahrzehnte prägen.
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