Kubas Treibstoffkrise erreicht kritischen Punkt

Kuba erlebt die schwerste Treibstoffkrise seit Jahrzehnten, nachdem US-Sanktionen die venezolanischen Öllieferungen unterbrochen haben. Dies zwingt zur Schließung von Hotels und zerstört den Tourismus. Das tägliche Leben kommt mit bis zu 20-stündigen Stromausfällen zum Erliegen.

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Kubas Energiekrise erreicht kritischen Punkt

Kuba steht vor der schwersten Treibstoffkrise seit Jahrzehnten. Die kommunistische Regierung hat internationale Fluggesellschaften gewarnt, dass sie im kommenden Monat am Hauptflughafen Havannas nicht mehr betankt werden können. Die Krise resultiert aus der Entscheidung Washingtons, die Öllieferungen aus Venezuela – Kubas wichtigstem Energielieferanten – abzuschneiden und Zölle auf jedes Land zu verhängen, das die Inselnation mit Öl versorgt.

'Fluggesellschaften müssen für ihren Rückflugtreibstoff über andere Ziele wie Panama und die Dominikanische Republik fliegen,' sagt Rico Luman, Sektorökonom für Mobilität und Transport bei ING, und hebt die unmittelbaren Auswirkungen auf die Luftfahrt hervor. Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA wird A-1-Jetkraftstoff am internationalen Flughafen José Martí von Dienstag bis zum 11. März nicht verfügbar sein.

Tourismussektor erleidet schweren Schlag

Kubas Tourismusindustrie, eine der wenigen verbliebenen Devisenquellen des Landes, leidet unter verheerenden Konsequenzen. Die Regierung hat begonnen, Resorts zu schließen und Besucher in weniger Hotels zusammenzulegen, um während der Hochsaison Energie zu sparen. 'Die Regierung hat eine Konsolidierungsstrategie umgesetzt, um Besucher in weniger Einrichtungen zu konzentrieren und die Effizienz zu maximieren,' heißt es in Berichten der Tourismusbranche.

Die Besucherzahlen sind auf nur noch 1,8 Millionen internationale Reisende im Jahr 2025 eingebrochen – der niedrigste Stand seit 2002 und ein dramatischer Rückgang vom Höchststand von 4,7 Millionen Touristen im Jahr 2018. Die Hotelauslastung sank in der ersten Hälfte des Jahres 2025 auf nur 21,5 %, wobei Kanada und Russland trotz erheblicher Rückgänge von 12,4 % bzw. 29 % die wichtigsten Quellmärkte bleiben.

Venezolanisches Ölembargo schafft perfekten Sturm

Die Krise hat ihre Wurzeln in der jahrzehntelangen Energiepartnerschaft Kubas mit Venezuela. Zwanzig Jahre lang importierte Kuba durchschnittlich 100.000 Barrel Öl pro Tag aus Venezuela im Austausch für die Entsendung von Ärzten, Lehrern und Sicherheitspersonal. Diese Vereinbarung ist nun nach dem US-Eingreifen in Venezuela und den Drohungen mit Importzöllen für Länder, die Kuba beliefern, zusammengebrochen.

'Es waren wirklich vierzig Prozent der Gesamtmenge, das ist erheblich,' bemerkt der Ökonom Rico Luman zur venezolanischen Ölversorgung. Da Venezuelas Lieferungen 2025 auf nur noch 27.000 Barrel täglich reduziert wurden, steht Kuba vor einer kritischen Energielücke: Der tägliche Bedarf liegt bei 110.000-120.000 Barrel, während die inländische Produktion nur 40.000 Barrel deckt.

Das tägliche Leben kommt zum Erliegen

Der Treibstoffmangel hat kaskadierende Auswirkungen auf die gesamte kubanische Gesellschaft. Die Müllabfuhr ist eingestellt, weil die LKW nicht fahren können, Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge stehen still, und Stromausfälle von bis zu 20 Stunden sind an der Tagesordnung. Die Regierung hat Notmaßnahmen umgesetzt, darunter die Reduzierung des öffentlichen Nahverkehrs, die Verkürzung der Arbeitswoche auf Montag bis Donnerstag und die Verlagerung einiger Universitätskurse ins Internet.

Fast jeder fünfte kubanische Einwohner ist im letzten Jahrzehnt aufgrund der sich verschlechternden Wirtschaftskrise von der Insel geflohen, und Nicaragua hat seine Einwanderungsregeln verschärft, um die Einreise von Kubanern ohne Visum zu verhindern.

Geopolitische Spannungen eskalieren

Die Krise ereignet sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten, die seit der Revolution Fidel Castros 1959 feindselig sind. Der US-Außenminister Marco Rubio – selbst Kind kubanischer Flüchtlinge und als Architekt der US-Venezuela-Politik angesehen – hat offen einen Regimewechsel in Havanna angestrebt.

Während die kubanische Regierung erklärt, sie sei offen für einen Dialog mit Washington, besteht sie darauf, dass ihr Einparteiensystem nicht zur Diskussion steht. Russland, ein alter Partner, hat sich besorgt über die Situation geäußert. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die US-Versuche, Kuba 'zu erwürgen', seien problematisch.

Quellen

Al Jazeera: Wie die US-Blockade das Leben in Kuba lähmt

CiberCuba: Kuba schließt Hotels wegen Treibstoffmangels

EFE: Kuba beginnt mit der Schließung von Hotels und der Verlegung von Touristen

Miami Herald: Kuba verkaufte venezolanisches Öl während der Krise weiter

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