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NATO-Cyberübung deckt kritische Schwachstellen auf

Die NATO-Übung Cyber Coalition 2025 deckte kritische Fähigkeitslücken in der kollektiven Cyberverteidigung auf, darunter Interoperabilitätsprobleme, langsame Reaktionszeiten auf Multi-Vektor-Angriffe und Schwachstellen in der Weltrauminfrastruktur.

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Größte NATO-Cyberverteidigungsübung deckt Allianz-Schwachstellen auf

Die Cyber Coalition 2025 der NATO, die bisher größte Cyberverteidigungsübung des Bündnisses, ist mit kritischen Erkenntnissen abgeschlossen, die erhebliche Fähigkeitslücken in der kollektiven Verteidigung gegen fortschrittliche Cyberbedrohungen aufdecken. Die Übung, die vom 28. November bis 4. Dezember 2025 stattfand, brachte mehr als 1.300 Cyberverteidiger aus 29 NATO-Verbündeten und 7 Partnerländern zusammen, darunter Österreich, Georgien, Irland, Japan, Südkorea, die Schweiz und die Ukraine, mit Armenien als Beobachter.

Übungsumfang und realistische Szenarien

Die Übung wurde hauptsächlich in Estlands Cyber Range 14 in Tallinn durchgeführt, wobei nur etwa 200 Teilnehmer vor Ort und der Rest virtuell von verteilten Standorten aus zugeschaltet waren. Dieser hybride Ansatz testete die Fähigkeit der NATO, Cyberverteidigung über geografische Grenzen hinweg zu koordinieren. Sieben realistische Szenarien wurden entwickelt, um moderne hybride Kriegsführungstaktiken zu simulieren, darunter Angriffe auf kritische nationale Infrastruktur, weltraumbezogene Cybervorfälle und fortschrittliche 'Ghost in the Backup'-Szenarien mit bösartigen Aktivitäten innerhalb von Back-up-Systemen.

Laut NATO-Funktionären konzentrierte sich die Übung auf Angriffe unterhalb der Artikel-5-Schwelle, was echte Taktiken von Gegnern widerspiegelt, die nicht ausreichen, um die kollektive Verteidigungsklausel des Bündnisses auszulösen. 'Moderne Konflikte beginnen mit subtilen Indikatoren wie Telemetrieverzögerungen, Desinformationskampagnen und Infrastrukturanomalien, lange bevor traditionelle militärische Beteiligung stattfindet,' bemerkte ein hoher NATO-Cyberverteidigungsfunktionär, der anonym sprach.

Wichtige Fähigkeitslücken identifiziert

Die Übung deckte mehrere kritische Lücken in der Cyberverteidigungsposition der NATO auf. Erstens blieben Interoperabilitätsherausforderungen trotz jahrelanger gemeinsamer Übungen bestehen. Cyberverteidigungseinheiten verschiedener Länder kämpften mit inkompatiblen Systemen und unterschiedlichen Protokollen für den Informationsaustausch. Zweitens waren die Reaktionszeiten auf fortschrittliche Multi-Vektor-Angriffe langsamer als erwartet, insbesondere wenn Angriffe gleichzeitig militärische und zivile Infrastruktur ins Visier nahmen.

Drittens betonte die Übung die Verwundbarkeit weltraumbasierter Infrastruktur, was echte Angriffe widerspiegelte, wie die Viasat-Störung während der russischen Invasion in der Ukraine. Viertens erwiesen sich Back-up-Systeme, traditionell als sichere Häfen betrachtet, als anfällig für fortschrittliche Angriffe, die Wiederherstellungsbemühungen kompromittieren könnten. 'Wir fanden heraus, dass unsere Back-up-Systeme nicht so sicher sind, wie wir angenommen haben. Gegner zielen nun auf Wiederherstellungsfähigkeiten als Teil ihrer Angriffsstrategie ab,' sagte Oberst Jaak Tarien, Direktor des NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence.

Virtuelle Cyber Incident Support Capability getestet

Eine bedeutende Innovation, die während Cyber Coalition 2025 getestet wurde, war die Virtual Cyber Incident Support Capability (VCISC) der NATO, die während des Gipfels in Vilnius 2023 gestartet wurde. Dies markierte das erste Mal, dass die VCISC als Teil einer größeren Übung praktiziert wurde. Das System zielt darauf ab, schnelle Zusammenarbeit und Informationsaustausch während Cyberangriffen zu ermöglichen, aber Teilnehmer berichteten von Herausforderungen bei der praktischen Implementierung über verschiedene nationale Systeme hinweg.

Die Übung bezog auch militärische Kommandos ein, darunter die Joint Force Commands in Neapel, Brunssum und Norfolk, sowie verschiedene NATO-Cyber- und Kommandozentren. Nur drei NATO-Länder nahmen nicht teil: Griechenland, Luxemburg und Montenegro, was Fragen zur umfassenden Bündnisabdeckung aufwirft.

Strategische Implikationen und zukünftige Richtungen

Die Erkenntnisse der Cyber Coalition 2025 kommen zu einem kritischen Zeitpunkt, da die NATO zunehmenden Cyberbedrohungen durch staatliche Akteure wie Russland und China gegenübersteht. Die Übung zeigte, dass Cyberverteidigung nun eine nationale Bereitschaftsfunktion ist, bei der ziviles Leben, militärische Bereitschaft und orbitale Infrastruktur in einer einzigen Bedrohungslandschaft zusammenlaufen.

NATO-Funktionäre betonten, dass der asymmetrische Vorteil des Bündnisses in der internationalen Zusammenarbeit und dem Informationsaustausch liegt. Die Übung zeigte jedoch, dass dieser Vorteil durch technische und verfahrenstechnische Inkompatibilitäten zwischen Mitgliedstaaten untergraben wird. 'Die Übung unterstreicht sowohl unsere Stärken als auch unsere Schwachstellen. Wir sind in der Zusammenarbeit exzellent, aber wir müssen härter an Standardisierung und Interoperabilität arbeiten,' sagte ein Sprecher des Allied Command Transformation.

In Zukunft plant die NATO, diese Lücken durch verbesserte Trainingsprogramme, standardisierte Protokolle und erhöhte Investitionen in Cyberverteidigungstechnologien anzugehen. Der 2026 NATO CCD COE Trainingskatalog enthält bereits spezialisierte Kurse, die darauf ausgelegt sind, spezifische Schwächen anzugehen, die während der Übung identifiziert wurden.

Fazit: Ein Weckruf für kollektive Cyberverteidigung

Cyber Coalition 2025 dient sowohl als Beweis für das Engagement der NATO für Cyberverteidigung als auch als deutliche Erinnerung an die bevorstehenden Herausforderungen. Während die Übung erfolgreich neue Fähigkeiten wie die VCISC testete und eine beispiellose Anzahl von Cyberverteidigern zusammenbrachte, deckte sie auch kritische Schwachstellen auf, die Gegner in echten Konflikten ausnutzen könnten.

Das Bündnis muss nun diese Übungserkenntnisse in konkrete Verbesserungen der Cyberverteidigungsposition umsetzen. Da sich Cyberbedrohungen in Raffinesse und Umfang weiterentwickeln, wird die Fähigkeit der NATO, ihre digitalen Grenzen zu verteidigen, zunehmend ihre gesamte Sicherheitseffektivität im 21. Jahrhundert bestimmen.

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