Humanitäre Krise verschärft sich nach israelischem Verbot für medizinische Hilfsorganisation
In einer Entscheidung, die die bereits prekäre humanitäre Lage weiter zu verschlechtern droht, hat Israel Ärzte ohne Grenzen (MSF) angewiesen, alle Aktivitäten in Gaza bis zum 28. Februar 2026 einzustellen. Die Entscheidung folgt, nachdem die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation sich weigerte, detaillierte Listen ihrer palästinensischen Mitarbeiter an israelische Behörden zu übermitteln, und zwar aufgrund schwerwiegender Sicherheitsbedenken für ihr Personal.
Der Registrierungsstreit
Das israelische Ministerium für Diaspora und Antisemitismusbekämpfung gab bekannt, dass MSF den Registrierungsanforderungen, die für alle humanitären Organisationen in der Region gelten, nicht nachgekommen sei. 'Wir wissen, dass Ärzte ohne Grenzen Menschen beschäftigt, die in terroristischen Organisationen aktiv sind, deshalb hält die Organisation ihre Personalunterlagen geheim,' erklärte Minister Amichai Chikli und wiederholte damit Vorwürfe, die MSF entschieden zurückweist.
Nach Angaben israelischer Beamter sind die Informationen notwendig, um zu prüfen, ob MSF-Mitarbeiter Verbindungen zu Gruppen wie der Hamas haben. MSF beharrt jedoch darauf, niemals wissentlich Personen eingestellt zu haben, die mit terroristischen Organisationen in Verbindung stehen, und erklärt, Garantien darüber gefordert zu haben, wie die Daten verwendet würden, bevor sensible Informationen geteilt würden.
Sicherheitsbedenken und humanitäre Auswirkungen
MSF hatte sich im Januar zunächst darauf eingelassen, Personalinformationen zu teilen, zog diese Entscheidung jedoch letztlich zurück. 'Wir haben Israel um Garantien gebeten, wie die Informationen verwendet würden, aber die haben wir nicht erhalten,' erläuterte ein MSF-Sprecher. 'Wir entschieden am Freitag, dass es nicht sicher sei, die Daten zu teilen.'
Die Organisation warnt vor 'verheerenden Folgen' für die humanitäre Lage in Gaza, wenn sie zum Abzug gezwungen wird. MSF betreut etwa ein Drittel der Geburtshilfe in Gaza, versorgt etwa ein Drittel der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und unterstützt etwa 20% der Krankenhausbetten in dem Gebiet. Allein im Jahr 2025 führte die Organisation in ihren 20 Gesundheitszentren in Gaza mehr als 800.000 medizinische Konsultationen durch.
Breiterer Kontext und internationale Reaktionen
Diese Entscheidung folgt auf die israelische Ankündigung vom Dezember, 37 Hilfsorganisationen aufgrund ähnlicher Compliance-Probleme ab dem 1. März die Arbeit in Gaza zu verbieten. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts, der im Oktober 2023 begann und bei dem 15 MSF-Mitarbeiter ums Leben kamen.
Internationale Beobachter äußern tiefe Besorgnis über einen möglichen Zusammenbruch des bereits fragilen Gesundheitssystems in Gaza. 'Hier geht es nicht um Sicherheit – es ist ein Vorwand, um humanitäre Hilfe zu behindern,' sagte ein mit der Situation vertrauter Helfer. 'Wenn man einer Organisation, die ein Drittel der Geburten betreut und ein Drittel der Bevölkerung mit Wasser versorgt, die Arbeit entzieht, verurteilt man Menschen zu Leid und Tod.'
Die Lage in Gaza bleibt kritisch. MSF-Berichten zufolge sind 81% der Gebäude zerstört oder beschädigt, mehr als 1 Million Kinder benötigen psychosoziale Unterstützung und in Gaza-Stadt wurde eine Hungersnot ausgerufen. Die Organisation hat allein 2025 mehr als 100.000 Trauma-Fälle behandelt und bei mehr als 10.000 Geburten assistiert.
Während sich die Frist vom 28. Februar nähert, fordern humanitäre Organisationen weltweit eine Rücknahme der Entscheidung und warnen, dass die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen in Gaza – darunter schwangere Frauen, Kinder und Schwerkranke – die Hauptlast des erzwungenen Abzugs von MSF tragen werden.
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