Iran: Tote bei schwersten Wirtschaftsprotesten seit Jahren

Bei den schwersten Wirtschaftsprotesten im Iran seit Jahren wurden mehrere Todesopfer gemeldet. Die Unruhen, ausgelöst durch Währungszusammenbruch und hohe Inflation, eskalieren in gewaltsamen Konfrontationen mit Sicherheitskräften.

Wirtschaftskrise im Iran führt zu tödlichsten Protesten in drei Jahren

Der Iran erlebt die größte Welle ziviler Unruhen seit den Protesten um Mahsa Amini im Jahr 2022. Mehrere Todesfälle wurden gemeldet, während wirtschaftliche Unzufriedenheit in gewaltsame Konfrontationen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften eskaliert. Die Proteste, die am 28. Dezember 2025 begannen, haben sich landesweit ausgebreitet, angefacht durch eine kollabierende Währung, steigende Inflation und weit verbreitete wirtschaftliche Probleme.

Tödliche Konfrontationen in mehreren Städten

Berichten iranischer Medien und Menschenrechtsorganisationen zufolge kamen mehrere Menschen an verschiedenen Orten im Iran ums Leben. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Fars und die Menschenrechtsgruppe Hengaw meldeten Tote in Lordegan, einer Stadt im Westen des Iran. Die Behörden bestätigten auch einen Toten in Kuhdasht, einer anderen westlichen Stadt, während Hengaw einen weiteren Todesfall in der zentralen Provinz Isfahan meldete.

Die genauen Umstände der Todesfälle bleiben unklar, mit widersprüchlichen Berichten darüber, ob die Opfer Demonstranten oder Sicherheitspersonal waren. 'Die Situation hat sich in den letzten 48 Stunden dramatisch zugespitzt,' sagte ein anonymer Menschenrechtsaktivist, der die Proteste verfolgt. 'Was als wirtschaftliche Proteste begann, hat sich nun in etwas viel Gefährlicheres verwandelt.'

Wirtschaftliche Wurzeln der Unruhen

Die Proteste begannen bei Händlern im Großen Basar von Teheran, die am Sonntag ihre Geschäfte aus Protest gegen den Umgang der Regierung mit der Wirtschaftskrise schlossen. Der Iranische Rial ist auf Rekordtiefs eingebrochen, mit einem Kurs von etwa 1,4 Millionen Rial pro US-Dollar – eine dramatische Abwertung, die Grundnahrungsmittel für viele Iraner unerschwinglich gemacht hat.

Die Inflation erreichte im Dezember 2025 42,2 %, wobei die Lebensmittelpreise um 72 % und die Gesundheitskosten um 50 % stiegen. 'Die Menschen können sich kein Essen mehr leisten, und die Regierung scheint sich mehr mit Außenpolitik zu beschäftigen als mit ihren eigenen Bürgern,' sagte Reza, ein in Teheran ansässiger Händler, der an den ersten Protesten teilnahm.

Die Wirtschaftskrise wurde durch die Wiedereinführung von UN-Sanktionen im September 2025 verschärft, nachdem Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Snapback-Mechanismus im UN-Sicherheitsrat aktiviert hatten und auf iranische Verstöße gegen das Atomabkommen von 2015 verwiesen. Diese Sanktionen haben die iranische Wirtschaft weiter vom Weltmarkt isoliert.

Reaktion der Regierung und Eskalation

Präsident Masoud Pezeshkian hat versucht, die Krise zu bewältigen, indem er den Chef der Zentralbank ersetzte und Dialogbereitschaft mit den Demonstranten signalisierte. Diese Maßnahmen haben jedoch wenig getan, um die Unruhen einzudämmen. Am Montag, nur einen Tag nach Beginn der Proteste, trat der Präsident der iranischen Zentralbank zurück und Pezeshkian ernannte schnell einen ehemaligen Minister zu seinem Nachfolger.

Sicherheitskräfte reagierten auf die Proteste mit Tränengas und nach einigen Berichten auch mit scharfer Munition. Videos, die in sozialen Medien kursieren, zeigen Demonstranten, die versuchen, Regierungsgebäude in der südlichen Stadt Fasa zu stürmen, während Protestierende in anderen Städten regierungsfeindliche Parolen riefen, darunter 'Tod dem Diktator' und 'Weder Gaza noch Libanon, mein Leben für den Iran.'

'Dies stellt die ernsthafteste Herausforderung für das Regime seit den Protesten von 2022 dar,' bemerkte Nahost-Analystin Sarah Miller. 'Die Kombination aus wirtschaftlicher Verzweiflung und politischer Unzufriedenheit schafft eine instabile Situation, die erhebliche regionale Auswirkungen haben könnte.'

Historischer Kontext und Zukunftsperspektive

Die aktuellen Proteste markieren den größten Ausbruch von Unruhen im Iran seit den Protesten um Mahsa Amini 2022-2023, die von den Behörden brutal niedergeschlagen wurden. Diese Bewegung, angefacht durch den Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam, führte zu Hunderten von Toten und Tausenden von Verhaftungen.

Experten warnen, dass die wirtschaftliche Lage keine Anzeichen einer sofortigen Besserung zeigt. Laut Wikipedias Analyse der iranischen Wirtschaftskrise leben heute zwischen 27 % und 50 % der Iraner unter der Armutsgrenze, ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Das Ministerium für soziale Sicherheit gab 2024 bekannt, dass 57 % der Iraner irgendeine Form von Unterernährung erfahren.

Während die Proteste in ihren fünften Tag gehen, verfolgt die internationale Gemeinschaft die Situation genau. Die Vereinigten Staaten und europäische Länder haben ihre Besorgnis über die Gewalt geäußert, während regionale Mächte die potenziellen Auswirkungen auf die Stabilität im Nahen Osten bewerten. Ohne klare Lösung in Sicht glauben viele Analysten, dass die Proteste einen Wendepunkt in der politischen Landschaft des Iran markieren könnten.

Daniel Takahashi

Daniel Takahashi ist ein angesehener Auslandskorrespondent, der aus Südostasien berichtet. Mit tiefen Wurzeln in Japan bringt er einzigartige kulturelle Einblicke in seinen internationalen Journalismus ein.

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