Japans Regierungspartei erleidet schwere Niederlage durch Rechtsrutsch

Japans Regierungspartei LDP verlor nach 70 Jahren ihre Mehrheit. Wählende wandten sich der rechtsextremen Sanseito-Partei zu, die 13 Sitze mit Anti-Einwanderungspolitik und Wirtschaftspopulismus gewann. Premierminister Ishiba lehnt Rücktritt trotz Koalitionsverlusten ab.

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Historische Wahlniederlage für Japans Regierungspartei

Die Liberaldemokratische Partei (LDP) hat nach Oberhauswahlen erstmals seit ihrer Gründung 1955 ihre parlamentarische Mehrheit verloren. Die Regierungskoalition sicherte sich nur 47 der benötigten 50 Sitze, was eine dramatische Rechtsverschiebung unter wirtschaftsbesorgten Wählern signalisiert.

Aufstieg der rechtsextremen Sanseito-Partei

Die rechtsextreme Sanseito-Partei ging als größter Gewinner hervor und stieg von einem auf vierzehn Sitze. Als Online-Bewegung während der Pandemie entstanden, gewann Sanseito durch Anti-Einwanderungsrhetorik und Verschwörungstheorien an Zulauf. Parteichef Sohei Kamiya, inspiriert von der deutschen AfD und Donald Trump, warb mit „Japaner zuerst“-Slogans vor einer „stillen Invasion“ von Migranten.

Einwanderungskonflikte

Während die ausländische Wohnbevölkerung Japans von 2,89 Millionen (2020) auf 3,77 Millionen (2024) stieg, bleibt die Einbürgerung äußerst schwierig – 2023 wurden nur 8.800 Staatsbürgerschaften verliehen. Sanseito fordert strengere Einwanderungskontrollen, was Premierminister Ishiba vor der Wahl zur Schaffung einer Regierungsstelle für „Ausländerbedenken“ veranlasste.

Wirtschaftspopulismus

Sanseitos Vorschlag zur Abschaffung der 10%igen Verbrauchssteuer fand Anklang bei Wählern mit steigenden Lebensmittelpreisen, insbesondere Reis, der sich in manchen Regionen verdoppelte. Experten warnen, die Abschaffung würde die bereits durch Überalterung und niedrige Geburtenraten belasteten Staatsfinanzen ruinieren.

Führungskrise

Trotz Rücktrittsforderungen bleibt Ishiba im Amt und will sachbezogene Allianzen statt Koalitionserweiterungen. Ex-Vizepremier Taro Aso stellte Ishibas Verbleib öffentlich infrage, was auf schwindende Parteienunterstützung hindeutet. Die Niederlage erschwert auch US-japanische Handelsverhandlungen.

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